Kram von April 2008

Happy Birthday WWW!

Mittwoch, 30. April 2008

Da war ja noch was. Bei aller Prokrastination, soviel Zeit muss sein: Wir gratulieren heute feierlich dem Word Wide Web zu seinem 15. Geburtstag. Groß ist es geworden. Und was haben wir nicht alles gemeinsam durchgemacht, seit ich anno 1994 zum ersten Mal mit ihm in Kontakt kam. Damals noch mit popeligem 36.600 Baud Modem. Das waren noch Zeiten.

Da sage ich doch mal, hoch die Tassen und auf die nächsten 15 Jahre!

Wenig Zeit zum Bloggen

Montag, 28. April 2008

Jaja, auch das soll es mal geben. Heute ist’s ganz eng – da war ja noch was mit der Uni – den Rest der Woche guck ich mal, wie ich Zeit habe. Zu allem ‚Übel‘ habe ich mich auch noch bei BabelZilla als Übersetzer für ScribeFire eingeschrieben. Man gewöhnt sich zwar an’s Englische, aber Deutsch ist nicht nur schöner, sondern es soll ja auch noch arme Kreaturen geben, die des Englischen nicht mächtig sind. Und da ich ScribeFire für eine Top-Extension für Firefox halte, deren Benutzung man jedem ermöglichen sollte, kümmere ich mich mal eben um das deutsche Langpack. Außerdem halten sich die Nachrichten heute sowieso in Grenzen.. jedenfalls die nennenswerten ;-)

Gute Absicht, falscher Weg. Zur BND-Kontrolle

Sonntag, 27. April 2008

Kein Tag ohne neues zum BND-Skandal. Heute gibt es wenigstens einen halbwegs erfreulichen Vorstoß von Grünen-Fraktionschefin Renate Künast. Gegenüber der BamS äußerte sie die Forderung nach Razzien beim BND, so berichtet SpOn.

Der Zeitung „Bild am Sonntag“ sagte sie: „Was bei Steuerfahndung und Kampf gegen Gammelfleisch selbstverständlich ist, muss auch für die Geheimdienste gelten: Ermittler müssen bei unangekündigten Kontrollen sofort direkten Zugriff auf Computer, Akten und Dokumente erhalten.“

Allerdings hat ihr Vorschlag einen gehörigen Knackpunkt, der ihn quasi wieder wertlos macht. Denn die Kontrolleure sollen beim Kanzleramt angesiedelt und diesem untergeben sein. Warum das nicht sinnvoll sein kann, berichtete FAZ.NET bereits am 25. im Artikel ‚BND: Ein Biotop alten Denkens‘. Die Crux des Artikels besteht darin, dass der BND nicht vernünftig arbeiten kann, solange zum Einen die ‚alten‘ Agenten aus den Zeiten des Kalten Krieges nicht im heutigen Zeitalter ankommen, zum Anderen der BND in politische Querelen gezogen wird. Letzteres manifestiert sich aktuell in der SPD-Nähe von BND-Präsident Uhrlau und der CDU-Angehörigkeit von Kanzleramtsminister de Maizière. Resultat sind Boykottaktionen, so dass Uhrlau nicht effektiv arbeiten kann. Genau an diesem Punkt würde auch die zusätzliche Kontrolle per Razzien vom Kanzleramt aus keine Besserung bringen.

Aber der Weg ist wenigstens richtig. Wo könnte man aber ein Kontroll- und am Besten auch Weisungsgremium für den BND ansetzen? Viele Möglichkeiten bleiben nicht, will man parteipolitische Machtspielcheneinflüsse unterbinden. In meinen Augen zeichnet das Bundesverfassungsgericht hier ein gutes Modell. Es ist zwar ein politisches Organ, hat aber weisungstechnisch nur und ausschließlich die Verfassung über sich stehen. Und das Modell funktioniert, wie man sieht.

Man bräuchte also, in meinen Augen, eine Kopie des Bundesverfassungsgerichtes, die zwischen Kanzleramt und BND geschaltet würde. Das Kanzleramt hätte gegenüber dem BND keine direkte Weisungsbefugnis mehr, könnte nur noch den Weg über Richtergremium nehmen, dieses wäre dem BND weisungs- und kontrollbefugt. Das Richtergremium, das meines Erachtens definitiv einen entsprechend ‚trächtigen‘ Namen, wie Bundesnachrichtengericht (BNG) o.ä., tragen sollte, würde dann im Schnelldurchlauf über alle Tätigkeiten des BND im Sinne geltenden Rechts entscheiden. Dass darüberhinaus Geheimhaltungspflicht obliegt, ist selbstverständlich. Darin sehe ich prinzipiell auch kein gesondertes Problem, denn das BVG zeigt ja, dass man seinen Job durchaus Ernst nehmen kann. Ebenso wäre der BND rückwärtig rechtfertigungspflichtig gegenüber dem BNG.

Auf diese Weise könnte ein so delikates Staatsorgan wie der Geheimdienst aus parteipolitischen Querelen herausgehalten und auf der anderen Seite im Sinne der Verfassung überwacht werden. Gleichzeitig könnte ein solches, unabhängiges Organ dafür sorgen, dass eine Mentalitätsänderung in allen Ecken des BND erzwungen würde. Alles in Allem wäre es, meiner momentanen Meinung, die sinnvollste Möglichkeit, die Geheimdienstarbeit in Deutschland wieder unter Kontrolle und ins Vertrauen zu bringen.

Unis im Visier der Datenschützer

Sonntag, 27. April 2008

Wie ein roter Faden zieht sich derzeit die – zweifellos längst überfällige – Debatte zum Datenschutz durch alle Schichten gesellschaftlichen und beruflichen Lebens. Heute sind die Hochschulen an der Reihe. Denn die Mitarbeiter der Unis gehen, so Heinrich Schullerer, oberster Datenschützer der Hochschulen in BW, gegenüber dem UniSPIEGEL, geradezu fahrlässig mit den persönlichen Daten ihrer Schützlinge wie Mitarbeiter um. Und das meist aus Unwissenheit.

So werden Universitäten wohl tagtäglich mit Anfragen unterschiedlichster Stellen überflutet. Das Spektrum reicht von Krankenkassen, Eltern der Studierenden und Fahndungsorganen, bis hin zu Arbeitgebern. Und damit nicht genug, ein Großteil der Informationen kann auch, begründet durch die Gutmütigkeit vieler Dozenten, über das Internet besorgt werden. So werden Notenlisten mit Matrikelnummern oft online publiziert, um den Studenten den Weg in die Uni zu ersparen. Die Matrikelnummer wiederum findet sich nicht selten in unverschlüsselten Emails der Studenten – schon hat der zukünftige Arbeitgeber die Informationen, die er wollte: Die reellen Noten des Bewerbers.

Schullerer und sein Team haben sich mit ihrer Aufklärungsarbeit über die Anwendung der Datenschutzrechte und -pflichten mittlerweile einen Namen in ganz Deutschland gemacht. Sie beraten Hochschulen, weit über die Grenzen Baden-Württembergs hinaus, haben sogar ein Programm entwickelt, dass, nach Eingabe der nötigen Informationen über eine Anfrage, dem Hochschulorgan in klaren Worten mitteilt, ob die Anfrage bearbeitet werden darf oder eben nicht.

Den Studenten kann es im StudiVZ-Zeitalter egal sein. Ob die Informationen, die man neben StudiVZ noch zusätzlich von der Uni bekommen könnte, problematischer sind, als Saufbilder und Co., scheint fraglich. Trotzdem ist es ein Schritt in die richtige Richtung: Sensibilisierung des Gläsernen Menschen.

Fragwürdige Ehrung für Delling und Netzer

Sonntag, 27. April 2008

Ohje, es gibt wieder was. Die Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) hat ihren diesjährigen Medienpreis für Sprachkultur doch tatsächlich an das ARD-Sportmoderatoren-Duo Gerhard Delling und Günter Netzer verliehen, berichtet die Netzeitung. In der Begründung heißt es u.a.:

Das Gespann verstehe es, die Fußballgemeinde an den Fernsehschirmen «durch Diskussion zu informieren» und verbinde Sach- und Fachkunde mit geschliffenem Deutsch.

Ach so. Also das finde ich jetzt etwas merkwürdig. Ich erinnere mich dunkel an die vielen Spiele während der WM 2006 zurück, die die beiden uns geboten hatten. Und ebenso genau erinnere ich mich noch daran, dass alle, aber auch wirklich ausnahmslos alle, die ich diesbezüglich fragte, Delling und Netzer als die neuzeitliche Reinkarnation der Pest im Fußballgeschäft sahen, nicht wenige sogar extra umschalteten, wenn die beiden auf den Schirmen erschienen. Und mein Umgang pflegt eigentlich schon Freund des guten Deutsches zu sein.

Wer will denn die beiden noch sehen, wie sie sich in jedem Satz anfrotzeln? Und genau das soll jetzt ausschlaggebend für eine neue, besonders wertvolle Art der Sportberichterstattung sein? Na dann, in wenigen Monaten haben wir sie ja wieder. Was freu ich mich schon.

LaTeX auf SPIEGEL Online

Samstag, 26. April 2008

Wow, was sehen meine schlaftrunkenen Augen heute Nachmittag im Feedreader? SpOn hat doch tatsächlich einen kleinen Artikel gebracht, der die Vorzüge des freien Textsatzsystems (La)TeX gegenüber verbreiteten Textverarbeitungsprogrammen, wie M$ Word, vorstellt. Nicht zu fassen.

Um das Ganze um meine Werbung für LaTeX zu erweitern: Ich schreibe meine Texte seit Jahren alle mit LaTeX – jedenfalls die, die nach was aussehen sollen. Also alles für die Uni und sonst alles, was über einen Brief hinaus geht. Und ich bin fast in jeglicher Hinsicht völlig zufrieden. Nur fast, weil LaTeX etwas lästig bei der Definition von Tabellen und der Platzierung von Grafiken arbeitet. Aber mit der Zeit lernt man damit zu leben.

Alles in Allem, die Texte sehen am Ende aus, wie wenn sie aus einem Buch kopiert wären. So muss das sein. Und wesentlich komplizierter ist das Schreiben auch nicht. Die Befehle hat man schnell im Automatismus.

Produktrezensionen auf LiC

Samstag, 26. April 2008

Nachdem ich über die re:publica ’08 auf Trigami aufmerksam wurde, habe ich mir einige Gedanken über Blogs, Werbung und ähnliches gemacht. Es gibt da ja, gerade in der deutschen Blogosphäre, eine Menge Protagonisten, die Werbung, speziell ‚Werbeartikeln‘, ziemlich skeptisch gegenüber stehen. Im Hinblick auf Werbung im herkömmlichen Sinne – also in Form von Affiliate-Programmen, GoogleAds, Layer-Werbung etc. – schließe ich mich der Skepsis auch an. Ich habe keine Lust, mein Blog mit sowas zu verunstalten. Davon abgesehen kommen beispielsweise bei GoogleAds grundsätzlich häufig Anzeigen auf die Seite, die entweder gar keinen Bezug zum Thema haben oder einen, der nicht erwünscht ist. Ich setze GoogleAds auf einer anderen Seite ein, von daher kenne ich das Problem ganz gut. Ein falsches Wort in einem Post und man hat tagelang irgendwelche Flirtfinder in den GoogleAds.

Zurück zu Trigami und meinem Entschluss, mich mit Life in Chaosmos dort anzumelden. Wie gesagt, ich stehe nicht auf Werbung, erst Recht nicht, wenn ich keine Kontrolle darüber habe, was beworben wird, oder wenn sie einfach störend ist. Trigami sehe ich da etwas differenzierter: Zum Einen kann ich selber entscheiden, welche Produkte und Leistungen ich rezensieren will, zum Anderen handelt es sich eben nicht gezwungenermaßen um Werbung, sondern um Rezensionen. Trigami sichert mir dabei ausdrücklich zu, dass ich Meinungsfreiheit habe, solange sich meine Meinung im rechtlich einwandfreien Raum bewegt. Wenn also ein Produkt oder eine Dienstleistung, die ich rezensiere, absoluter Müll ist, darf ich das (natürlich begründet) auch schreiben. Das wird von Trigami und den Kunden, die das Prinzip einer Rezension verstehen, auch verstanden und begrüßt. Schließlich kann man sich nur durch konstruktive Kritik verbessern.

Kleiner Nebeneffekt bei der Sache ist natürlich, dass es ein wenig Geld gibt. Nicht viel, dafür ist mein Blog zu klein, aber immerhin. Wenn ich auf Dauer die Kosten für meinen VServer decken kann, reicht mir das auch schon. Reich will ich durch’s Bloggen (noch) nicht werden. Insofern wollte ich nur darauf hinweisen, dass es in Zukunft gekennzeichnete Rezensionen auf LiC geben wird. Nicht viele, der normal-kritische Content wird bei weitem überwiegen, aber zwischendurch wird mal einer durchblitzen. Bei den Produkten werde ich zusehen, dass sie möglichst zu LiC und damit meinen Interessen passen.

Bugfix auf 2.5.1 erfolgreich beendet

Samstag, 26. April 2008

Wo ein neues Release einer OpenSource-Anwendung, da ist auch das erste Sicherheitsupdate nicht weit. So war es heute wieder soweit und das WordPress-Team brachte mit der Version 2.5.1 u.a. 70 gefixte Fehler, die Schließung einer schwerwiegenden Sicherheitslücke und ein Update für den TinyMCE.

Das Update lief, wie gewohnt, völlig problemlos. Alle Plugins aus der Version 2.5 scheinen noch zu laufen. Das Frontend scheint mir tatsächlich um einiges schneller geworden zu sein, jedenfalls bei mir, da ich in letzter Zeit im Iceweasel unmögliche Hänger auf WordPress-Blogs hatte. Im Backend habe ich von den Geschwindigkeitsverbesserungen bis jetzt noch nicht viel bemerken können.. leider. Gucken wir mal. Notfalls kommt ja irgendwann ab August die Version 2.6 :-)

Late Night Shows – The Battle

Freitag, 25. April 2008

Da hat sich Sat 1 ja wieder einen geleistet. Man könnte meinen, sie sehen in ‚Schmidt und Pocher‘ eine Gefahr durch die öffentlich-rechtlichen Sender. Andererseits hatte man ja auch, seit Harald Schmidt von Sat 1 vergrault wurde, kein halbwegs brauchbares Late Night Show Format mehr im Programm. Vielleicht war das auch besser so, denn an den König der Late Night kommt sowieso keiner ran.

Kommen wir zu Niels Ruf. Wie könnte man seine Show am besten charakterisieren? 39% schlechte Witze, 40% dreckigster Sexismus, 5% unbekannte Gäste, 15% Klatschreiterei, für die die Medien über die Woche hinweg schon gerügt wurden, und tatsächlich 1% Witze, bei denen sich wenigstens die Mundwinkel regen. Alles in allem aber 100% manchomäßige, egozentrische Selbstdarstellung. Quasi noch schlimmer, als Oliver Pocher bei Schmidt und Pocher, mit der Ausnahme, dass dessen Witze größtenteils noch geschmackloser sind.

Da fragt man sich doch wirklich, wo denn der gute, alte Harald Schmidt geblieben ist? Tja, der versauert neben Pocher, lässt sich von selbem sein Image versauen und muss sich in jeder Sendung mindestens für ihn schämen, wenn nicht sogar entschuldigen. Der gute Mann, das ist er definitiv, hätte wohl doch lieber in seiner kreativen Pause bleiben sollen. Damals war sein Image wenigstens noch in Ordnung – auch wenn er für den Zustand heute wenig kann.

Abschließend muss ich hier doch einmal die Öffentlich-Rechtlichen rügen: Da zahle ich armer Student – Monatsbudget nach Miete und Nebenkosten ca. EUR 320,00 – im Quartal mehr als 50 Euro, mit dem dann so ein Scheiß produziert wird. Und das reicht ja noch nicht. Nein, das hochwertige Programm ist ja noch teurer, also soll zum nächsten Jahr wieder erhöht werden. Ich erinnere mich da dunkel an ein Diagramm über die Einnahmen der Sender, und zwar der Privaten durch Werbung und die der Öffentlich-Rechtlichen durch GEZ-Gebühr (LOS! Mahnt mich ab! ;-)) und Werbung: Die Öffentlich-Rechtlichen hatten weit mehr Mittel zur Verfügung.

Im BND nichts neues

Freitag, 25. April 2008

Man hat es ja schon erwartet. Heute wurde es dann auch berichtet. Ganze drei Mitarbeiter des BND bekamen für ihre Vergehen an den Grundrechten der SPIEGEL-Reporterin Susanne Koelbl disziplinarische Maßnahmen zu spüren. Der Leiter von Uhrlaus Büro, der verantwortliche Abteilungsleiter und ein weiterer Mitarbeiter werden versetzt. So soll es das Kanzleramt bereits am Mittwoch beschlossen und verhängt haben.

Versetzungen? Ach so, da war ja noch was: Beamte sind ja unkündbar – es sei denn, das Vergehen/Verbrechen ist groß genug. Das wirft ja wieder ein Licht. Das Verbrechen, wissentlich illegal die Grundrechte einer deutschen Staatsbürgerin zu verletzen, ist also nicht schwer genug. Und das ganze auch noch sechs Wochen nachdem BND-Präsident Uhrlau explizit angeordnet hatte, dass es nie wieder zu illegalen Bespitzelungen von Journalisten kommen würde. Interessant, Herr de Maizière, so sehr haben es unsere Höchsten also noch mit der Verfassung.

Auf der anderen Seite steigert das natürlich die Vermutung, dass es sich bei den Bestraften nur um Bauernopfer handelt. Denen kann man natürlich nicht die volle Härte der Konsequenzen zukommen lassen, am Ende plaudern sie aus Ärger über ihren (ehemaligen) Arbeitgeber noch das ganze Lügengeflecht aus. Kontraproduktiv. Jedenfalls für den rechtsfreien Raum, in dem sich der BND so wohl zu fühlen scheint.

BND-Entscheidung – Eine Farce

Donnerstag, 24. April 2008

Die Süddeutsche hat vorhin das Original der Erklärung des PKG veröffentlicht:

Das Parlamentarische Kontrollgremium hat beschlossen, nachfolgende öffentliche Bewertung gem. § 5 Abs. 1 Satz 5 PKGrG abzugeben:

Das Parlamentarische Kontrollgremium hat sich in seinen Sitzungen am 23. und 24. April 2008 mit dem Vorwurf befasst, der BND habe im Jahr 2006 den E-Mail-Verkehr einer deutschen Journalistin im Zuge der Auslandsaufklärung erfasst.

Das Gremium hat sich über den Hintergrund der entsprechenden Maßnahme des BND informiert.
Das Gremium stellt dazu fest:

1. Das Einsehen und Aufbewahren der E-Mail-Korrespondenz stellt nach Intensität und Dauer eine erhebliche Grundrechtsverletzung der deutschen Journalistin dar, obwohl sie weder der Grund noch das Ziel der Aufklärungsmaßnahme des BND war.

2. Die erfassten E-Mails hätten wegen des Rechts auf informationelle Selbstbestimmung unmittelbar nach Feststellung des Bezugs zu einer deutschen Grundrechtsträgerin gelöscht werden müssen, wie es die internen Regelungen des BND inzwischen auch ausdrücklich vorsehen.

3. Die Leitungsebene des Dienstes wurde über diesen Vorgang innerhalb des Hauses erst ein Jahr später unterrichtet und nicht – wie es nach der heutigen Erlasslage im BND für IT-basierte Maßnahmen erforderlich ist – bereits vor der Maßnahme eingebunden.

4. Das Kontrollgremium missbilligt, dass die Leitung des BND weder die Bundesregierung noch das PKGr über diesen Vorgang unterrichtet hat. Dadurch ist das Vertrauen zwischen dem PKGr und der Leitung des BND gestört. Es ist Aufgabe der politisch Verantwortlichen und der BND-Leitung, dieses wiederherzustellen und die Funktionsfähigkeit des BND zu erhalten.

Besonders Punkt 4 stößt mir da schon wieder übel auf. Man „missbilligt“ also das Verhalten des BND. Das gestörte Vertrauen zwischen PKG und BND-Leitung soll von letzterer wieder hergestellt werden. Die Funktionsfähigkeit des BND wird sogar auch noch in den Raum geworfen.

Was will mir das sagen? Dass der BND in seiner jetzigen Form abgeschafft würde, sollte die BND-Leitung das Vertrauen nicht wieder herstellen? Wie realistisch. Ungefähr genau so realistisch, wie dass die BND-Leitung das Vertrauen wieder herstellen kann (und will). Im Endeffekt bleibt eine sanfte Rüge, um Aussenstehende zu besänftigen. Von echten Konsequenzen, die massiver Verstöße gegen die Grundrechte gerecht kämen, kann hier wohl wieder einmal nicht die Rede sein. Ganz im Gegenteil: Die Politik tritt unsere Verfassung mit Füßen, wenn sie ihnen gerade nicht in den Kram passt – genau wie der BND.

Das war nur die Spitze

Donnerstag, 24. April 2008

So könnte man die illegale Bespitzelung der SPIEGEL-Reporterin Susanne Koelbl durch den BND treffend bezeichnen. Die Geschichte nimmt ihren Lauf, denn heute war BND-Präsident Ernst Uhrlau wieder zu Gast beim Parlamentarischen Kontrollgremium (PKG), um Stellung zu den Kompetenzüberschreitungen seiner Untergebenen, die zu Recht stellenweise schon als Vergehen gegen das Grundrecht der Pressefreiheit gebrandmarkt wurden, zu beziehen. Zuvor wurden Verdachtsmomente bekannt, Koelbl könnte nicht die einzige Journalistin gewesen sein, sie systematisch vom BND bespitzelt wurde. Der ehemalige ZDF-Korrespondent Ulrich Tilgner soll nach eigenen Angaben ebenfalls überwacht worden sein (Süddeutsche):

Der frühere ZDF-Korrespondent Ulrich Tilgner sagte der Zeitung, ein hoher deutscher Diplomat habe ihm im vergangenen Jahr in Kabul erklärt: „Sie müssen verstehen, dass Sie abgehört werden.“ Grund für die Lauschaktion seien telefonische Kontakte gewesen, die er damals mit dem in Afghanistan entführten deutschen Ingenieur Rudolf Blechschmidt gehabt habe, sagte Tilgner.

Die Konsequenzen, die das PKG gezogen hat, sind unterdessen wieder üblich mager: Die Aktionen sollen ohne Kenntnis von Uhrlau eigenmächtig durch einzelne Abteilungsleiter des BND angeordnet worden sein, also werden auch nur die ‚Schuldigen‘ bestraft. Uhrlau, der „seinen eigenen Laden offenbar nicht unter Kontrolle hatte und Kanzleramt und Parlament zu spät von heiklen Umtrieben seiner Mitarbeiter in Kenntnis setzte“, muss nicht zurücktreten. Warum ein Chef, der in seinem Unternehmen die Zügel offensichtlich schon mehrfach nicht mehr in der Hand hat, trotzdem weiter Chef spielen darf, ist ein Rätsel, das wohl keine logische Antwort finden wird.

Alles in Allem muss man sich aber wieder die Frage nach der Kontrollierbarkeit des BND stellen. Der Kanzleramtsminister als Chef für Geheimdienstaufgaben scheint da genau so wenig Einfluss zu haben, wie der für den BND zuständige Parlamentarische Kontrollausschuss. Agentennetzwerke und ihre Aktivitäten sind nunmal nicht umsonst streng geheim. Ein Grund mehr, sie entsprechend sicher zu kontrollieren. Mechanismen dazu sind ja vorhanden, nur hat die Vergangenheit inkl. dem Ausgang des aktuellen Falles gezeigt, dass die Konsequenzen, die Verstöße sogar gegen Grundrechte, haben, durchaus ein Preis sind, den man zahlen kann, um sich die gewünschten Informationen zu besorgen. Hier ist Nachbesserung nötig und dazu hätte das PKG die Chance gehabt. Andererseits passt das ja wieder in die aktuelle Entwicklung zum Überwachungsstaat.