A propos Politikverdrossenheit

Jaja, da ist es wieder, das Wort. Vor einigen Jahren machte es schon die große Runde, damals sorgte man sich um seinen Inhalt bei den Jugendlichen. Die Rede ist natürlich von der Politikverdrossenheit; jenem Missstand, mit dem unsere Politiker, je höher sie aufsteigen, immer weniger konfrontiert werden wollen. Eine neue Studie der Leipziger Volkszeitung bringt sie wieder auf die Tagesordnung.

Befragt wurde eine repräsentative Stichprobe von 1006 deutschen Bürgern aus Ost und West. Gegenstand der Befragung war das Konzept des institutionellen oder Systemvertrauens, also das Vertrauen in gesellschaftliche und staatliche Organisationen (Regierung, Parteien, Kirchen, Behörden etc.). Und das Ergebnis darf gerade der Politik nicht schmecken.

Gerade einmal 60% der Deutschen haben noch Vertrauen in das demokratische System. Und das ist nicht einmal die Spitze. Denn die Bundesregierung schafft es gerade mal auf 38% und die Parteien um Bundestag sogar nur auf 22% Vertrauen in der Gesellschaft. Überraschend scheint dabei lediglich, dass die Polizei offensichtlich gute Arbeit leistet, denn ihr vertrauen ganze 85%.

Wie es so weit kommen kann, die Frage stellt sich wohl kaum. Die Querelen, die sich im Wahlkampf mittlerweile abspielen (siehe der vergangene in Hessen), Gesetze, die zum Einen in der breiten Masse nicht gewünscht, zum anderen das Volk unter Generalverdacht stellen, ungeachtet dessen aber trotzdem beschlossen werden, sind nur zwei Faktoren. Wahlversprechen scheint auch mittlerweile ein beflügeltes Wort zu sein. Grundsätzlich kann man wählen, was man will; am Ende machen sowieso alle das Gleiche.

Bezeichnend finde ich dabei, dass die Studie nirgendwo wirklich diskutiert wurde: Weder die klassischen Medien (Ausnahmen wären die Süddeutsche und schätzungsweise die Leipziger Volkszeitung), noch die neuen Medien (Ausnahme hier die Netzeitung) widmeten ihr ein Wort. Auch in der deutschen Blogosphäre findet sie kaum Erwähnung. Grundsätzlich mal wieder ein Armutszeugnis in jeglicher Hinsicht für Medien, Demokratie und Politik – aber eben auch ein Spiegel der Stimmung in der Gesellschaft.


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