Dabei sein ist alles

Erst gestern schuf IOC-Präsident Jacques Rogge Klarheit zur Frage, inwieweit sich Sportler bei den kommenden olympischen Spielen politisch im Sinne der Meinungsfreiheit äußern dürfen. Das Credo: Meinungsfreiheit ja – Demonstration nein. Damit kann man sich einigermaßen abfinden, soll doch der Sport im Vordergrund stehen.

Heute sieht die Welt für Rogge scheinbar wieder unproblematisch aus, berichtet SPON: „ich bin optimistisch, dass wir exzellente Spiele erleben werden„. Und weiter:

Das IOC dürfe „diese Linie nicht überschreiten“. Ob die Regierung mit dem Dalai Lama verhandeln solle, sei zudem eine rein innerchinesische Angelegenheit.

Aha, muss sich das IOC doch die Frage stellen lassen, was von der gestern freigegebenen Meinungsfreiheit eigentlich abgedeckt sein wird? Wenn man sich nun als Dachverband der Spiele schon nicht mehr in die politischen Missstände (dass es solche sind, ist wohl unzweifelhaft) einmischen „dürfe“, wie sieht das denn dann für die Sportler aus, denen dies gestern noch zugesagt wurde? Wenn man das Verhalten des IOC dann noch im Hinblick auf das folgende Faktum betrachtet, wird die Sache immer interessanter.

Bei der Vergabe-Entscheidung für Peking 2001 wurden von China unter anderem Fortschritte bei Meinungsfreiheit und Menschenrechten gefordert.

Auf der einen Seite hatte das IOC also durchaus Forderungen mit der Vergabe der Spiele an Peking verbunden, auf der anderen Seite ist die offensichtliche Nicht-Erfüllung der Forderungen aber kein Grund, Konsequenzen in jedweder Art zu ziehen. Dass man die Spiele jetzt nicht einfach absagen oder zum Boykott aufrufen kann, mag man ja noch einsehen. Dann aber nicht einmal mehr ein wenig auf Konfrontation zu gehen und das Kind beim Namen zu nennen, ist definitiv kontrovers. Sich aber unter diesem Gesichtspunkt und der breiten, weltweiten öffentlichen Debatte auch noch auf Kuschelkurs mit Peking zu begeben, ist wohl das paradoxeste, was sich das IOC leisten konnte.

Da bleibt als Resümee für die teilnehmenden Sportler wohl wirklich nur noch der olympische Gedanke, dessen Botschaft aber wohl einen zweideutigen Sinn erhält: Dabei sein ist alles – mehr lässt sich da wirklich nicht rausholen.


Hier gibt's keine Meinungsfreiheit!