Deutschland sucht den Superpolitiker

Da hat sich das ZDF ja wieder einen Knaller geleistet: Medienberichten zufolge hat das Zweite sich die Rechte eines kanadischen Casting-Formats gesichert. Dort läuft bereits die zweite Staffel der Show „The Next Great Leader“. Das wirft Diskussionen und Empörung quer durch die Meinungslandschaft auf.

Schlagendes Argument aus der Riege der Politiker: Das Format vermittele, politische Problemstellungen könnten in 5-Minuten-Debatten gelöst werden. In Wirklichkeit sei Politik aber langwierig und komplex. Dazu sage ich, Politik könnte sehr viel einfacher, transparenter und effektiver sein, wenn sie ein bisschen mehr in 5-Minuten-Debatten geführt würde. Weniger Palaver, dafür mehr Fakten- und Ergebnisorientierung. Beispiel Steuersystem: Deutschland hat mit Abstand das komplexeste, größte und komplizierteste Steuerrecht der Welt. In Afrika gibt es Länder, die mit einer Einheitssteuer arbeiten (also nur eine einzige Steuer, die Beispielsweise vom Einkommen abgeht). Es ist nachgewiesen, dass diesen Ländern in Relation wesentlich mehr Steuergelder zur Verfügung stehen, als beispielsweise Deutschland, und dass es eine größere Akzeptanz für die Steuer gibt. Warum? Zum Einen fällt bei einer Einheitssteuer ein gewaltiger Teil des Verwaltungsapparates weg, den das deutsche Steuersystem benötigt, zum Anderen ist das System wesentlich transparenter. Der kleine Bürger versteht, was er wofür zahlen muss und zahlt dann natürlich auch lieber.

Ein Argument, das ich differenziert sehe, besteht darin, Politiker dürften nicht nur Medienpersönlichkeiten sein. Einerseits richtig, denn der Weg würde ein wenig in Richtung Amerika laufen, was ich nicht sehr erstrebenswert finde. Auf der anderen Seite ist es aber durchaus so, dass führende Politiker Charisma brauchen, um Akzeptanz zu erlangen. Das macht sich unter Normalumständen nunmal über die Medien bemerkbar – Frau Merkel geniest da meinen höchsten Respekt, weil sie es irgendwie ohne die Medien geschafft hat.

Soviel dazu – ich schreibe schon wieder zu viel. Sind Polit-Casting-Shows nun ein Format, mit dem sich, das kommt ja noch dazu, öffentlich-rechtliche Sender schmücken sollten/dürfen?


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