Deutschlands Umgang mit dem Dalai Lama

Im September vergangenen Jahres kam der Dalai Lama schon einmal nach Deutschland. Damals wurde er, entgegen großer Proteste – sowohl nationaler als auch internationaler Herkunft – von Bundeskanzlerin Merkel im Kanzleramt empfangen. Ein Treffen, das ein deutliches Zeichen nach Peking gesandt hat. Es lautete in etwa: Deutschland akzeptiert den von Repressalien geprägten Umgang der chinesischen Führung mit den Tibetern nicht. Es war kein Anzeichen der Drohung internationaler Konsequenzen, sondern eine Aufforderung, sich mit den Tibetern, allen voran dem Dalai Lama als geistlichem Oberhaupt, an einen Tisch zu setzen und die Problematik auf friedlichem Wege zu debattieren.

Dieser Tage ist er wieder in Deutschland. Scheinbar ist diesmal aber alles anders. Die Kanzlerin kann sich nicht mit ihm treffen, da sie sich in Lateinamerika aufhält. Außenminister Steinmeier und Bundespräsident Köhler ‚entschuldigen‘ sich mit terminlichen Unvereinbarkeiten. Welcher Natur diese auch nur ansatzweise sind, darüber darf spekuliert werden. Ich erinnere mich dabei mehr an die terminlichen Unvereinbarkeiten, die mir seinerzeit als Begründung und Entschuldigung für das Nichterbringen meiner Hausaufgaben in der Schulzeit dienten. Welche waren das? Keine Lust, generell Faulheit etc. Im Fall des Dalai Lama könnte vielleicht noch fehlende Courage hinzukommen, denn die einhellige Meinung der deutschen Politik scheint sich mittlerweile insoweit gewandelt zu haben, dass man sich doch lieber stillschweigend nicht in die Probleme der Tibeter einmischt.

Eine hat macht es dann aber doch. Entwicklungsministerin Wieczorek-Zeul trifft sich heute am Montag mit dem Dalai Lama. Die Quittung bekommt sie auf dem Fuße, sowohl von der CDU, als auch von der breiten Masse ihrer eigenen Parteigenossen in der SPD. Nur wenige loben ihren Entschluss – unter anderem Roland Koch, der sich ebenfalls mit dem Dalai Lama traf, und Ronald Pofalla. Lustigerweise kommen beide von der CDU. Der Dalai Lama selber zeigt Verständnis für die Abstinenz der politischen Elite, sei doch der laufende Besuch nicht politischer Natur. Die Frage ist aber, ob er in diesen Tagen überhaupt einen Besuch machen kann, der nicht irgendwie politischer Natur wird?

In jedem Fall aber scheint die Chinapolitik für die Regierung erstmal auf Eis zu liegen. Man erwartet die Olympischen Spiele, spricht von einer großen Chance für China und hofft wohl im Geheimen, dass diese zum Allheilmittel für das Tibetproblem werden. Eine Hoffnung, die nur völlig realitätsresistente Menschen tragen können. Betrachtet man alleine die Farce, die in den vergangenen Wochen um den Fackellauf betrieben wird – die Krönung ist der bestmöglich manipulierte Sturm auf den Himalaja – so macht sich ein ganz anderes Gefühl breit. China wird die Olympischen Spiele nutzen. Mit Sicherheit aber nicht, um das Tibetproblem friedlich zu lösen. China wird alles daran setzen, sein Image aufzupolieren und, das ist in meinen Augen die schwärzeste Prognose, den Tibetkonflikt aus den Medien zu verdrängen, so dass man ihn wieder so lösen kann, wie man es am besten kann.

Unter diesen Voraussetzungen ist es also sinnvoll, den Dalai Lama nicht mehr als politischen Gesprächspartner einer unterdrückten Volksgruppe, die sonst keinen solchen hat, zu sehen?


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