Kram von Mai 2008

Diätenstreit: Geld regiert die Welt

Donnerstag, 22. Mai 2008

Gerade haben CDU und SPD dafür gesorgt, dass das Ansehen der Politiker in Deutschland wieder etwas steigt, da sprintet die CSU nach vorne und demonstriert uns, wie Politik wirklich gemacht wird. Zur Erinnerung: Die Fraktionsspitzen von CDU und SPD hatten bekannt gegeben, dass die Diätenerhöhung für Bundestagsabgeordnete doch nicht kommen wird, weil man den Bürgern die Erhöhung nicht vermitteln könne. Dann zog Bundeskanzlerin Merkel mit ihrem Kabinett nach, die Ministerdiäten sollten auch nicht erhöht werden. Ein anständiger Schritt.

Heute kam dann aber CSU-Landesgruppenchef Peter Ramsauer und disqualifizierte sich auf ganzer Linie für das parlamentarisch-demokratische Dasein in Deutschland: Er droht damit, zukünftige Gesetzesvorhaben im Bundestag zu blockieren, wenn die Diätenerhöhung gestoppt bleibt. Ach so! Der Herr Ramsauer und die hinter ihm stehenden Kameraden sind also käuflich? Gibst du mir nicht noch mehr Geld, blockiere ich deine Politik. Na vielen Dank für diese äußerst aufschlussreiche Lehrstunde zum Thema ‚Parlamentarische Demokratie in der Praxis‘. Das Armutszeugnis schlechthin für die CSU.

Rückkehr in die Realität: Diätenerhöhung gestoppt

Dienstag, 20. Mai 2008

Na also! Wenn sich der Unmut der Bevölkerung über gewisse Pläne der Politiker auf eine sichtbare Masse engagierter Parteimitglieder überträgt, kann parlamentarische Demokratie ja doch für einen Moment funktionieren. Wer hätte es gedacht, die umstrittene Diätenerhöhung wurde doch tatsächlich von CDU und SPD wieder von der Tagesordnung genommen. Die Begründung lautet, sie sei „nicht vermittelbar“, was nur annähernd meiner Meinung entspricht. Denn viel interessanter finde ich nach wie vor die Begründung für die Diätenerhöhung, die SPON unter Berufung auf Volker Kauder (CDU-Fraktionschef) und Peter Struck (SPD-Fraktionschef) zitiert:

„Wir halten grundsätzlich die Orientierung der Abgeordnetenentschädigung an der Besoldung einfacher Bundesrichter oder kommunaler Wahlbeamter für richtig“, teilte Kauder mit.

[…]

An alle SPD-Abgeordnete hatte Struck geschrieben: „Wir brauchen offenkundig mehr Zeit, um in der breiten Öffentlichkeit, aber auch in der eigenen Partei die notwendige Akzeptanz dafür herzustellen, dass es angemessen ist, wenn Bundestagsabgeordnete wie Landräte, Bürgermeister und Bundesrichter bezahlt werden.“

Das Thema hatte ich ja schon vor einiger Zeit ausgebreitet, daher heute nur soviel: Sowohl Bundesrichter, als auch Landräte und Bürgermeister gehen täglich zur Arbeit und erledigen diese üblicherweise auch – der eine mehr, der andere weniger, aber alle jedenfalls soweit, dass der Laden halbwegs vernünftig läuft. Wieso sollte ein Bundestagsabgeordneter, der zwar jeden oder jeden zweiten Tag im Reichstag im Plenum sitzen sollte, sich bei ‚unpopuläreren‘ Themen aber nur in die Anwesenheitsliste einträgt, die gleiche Entlohnung erhalten? Dass das relativ viele so handhaben, beweist der überwiegend absolut unterbesetzte Plenarsaal.

Neues vom NoseRub-Gebastel

Montag, 19. Mai 2008

Sodele, ich habe ja schon angekündigt, dass ich sicherlich noch mehr Problemchen finden werde. Die folgenden sind wohl eher konfigurationstechnischer Natur, daher habe ich mich entschlossen, sie hier erstmal in den Raum zu stellen und nach Lösung den entsprechenden Lösungsweg in den Post einzufügen. Für die Nachwelt quasi (und für mein löchriges Hirn).

  1. Blog-URL mit NoseRub-ID claimen
    Hier stehe ich vor meinem größten Problem momentan. Ich bekomme die Headerzeilen im Blog einfach nicht so gebastelt, dass NoseRub bei einem OpenID-Login mehr macht, als mich auf meine Profilseite zu schicken. Wenn ich die NoseRub-ID direkt verwende, funktioniert die Authentifizierung wie sie soll. In den Headerzeilen habe ich momentan für openid.server und openid.delegate meine NoseRub-ID stehen (http://noserub.chaosmos.de/Igno). Mit ClamShell hat das so problemlos funktioniert.
  2. Ipernity-Account hinzufügen
    Nächstes Problem, ich kriege meinen Ipernity-Account nicht eingebunden. Es ist egal, ob ich ihn direkt als Ipernity-Account anlegen will (mit der Email-Adresse als Benutzername) oder ob ich den Fotofeed als URL eingebe, NoseRub lässt sich nicht davon abbringen, keinen Feed/Account zu finden.
  3. Updateprobleme bei Faves
    Wo das Problem genau hängt, weiß ich nicht. Ich gehe mal von Faves aus. Jedenfalls werden meine Bookmarks in Faves nur extrem selten geupdatet (nach gestern Abend erst wieder heute Nachmittag). Gibt’s da eventuell eine Sperre? Intervall ist bei mir 20 Minuten.
  4. Anzahl der angezeigten Aktivitäten
    Es macht ja Sinn, nicht alle Aktivitäten ewig aufzuheben. Mit einer Begrenzung auf die letzten 10 Updates pro Aktivitätenart (Update: oder etwa für alle Aktivitäten pro Tag?) kann ich mich aber noch nicht so ganz anfreunden. Speziell bei Twitter ist das doch, wenn man mal etwas mehr twittert, schnell zu wenig. Da wäre die Frage, ob man da entweder irgendwie die Anzahl hochschrauben oder, noch besser, ein relatives Maximum auf 10, aber alle Updates des aktuellen Tages einstellen kann?

So, das wäre es mal wieder fürs Erste. Wie gesagt, Lösungen werden eingefügt. Da wird doch was machbar sein.

Schäuble wünscht sich deutsche NSA

Sonntag, 18. Mai 2008

Keine Woche vergeht derzeit, ohne einen schwachsinnigen (verfassungswidrigen?) Wunsch von Innenminister und Verfassungsfeind Nr. 1 Wolfgang Schäuble. War es letzte Woche der Nationale Sicherheitsrat, so ist es jetzt die Abhörzentrale nach Vorbild der – na, wer kommt drauf? – natürlich, der amerikanischen NSA. Gewünscht ist das Vorhaben in Köln, wo die Lauschaktionen aller Behörden und Geheimdienste in einer Einrichtung gebündelt werden sollen. Aller? Ja genau, und da liegt der Hund wieder begraben, denn sowohl BKA, Bundespolizei und Bundesamt für Verfassungsschutz, als auch die komplette Lauschabteilung des BND sollen hier gemeinsam arbeiten. Da kann man sich dann auch vorstellen, wie lange es dauern wird, bis die Grenzen zwischen Inlands- und Auslandsgeheimdiensten verschwimmen und die entsprechenden Behörden sich noch weniger an ihre Rechte halten, als sie das sowieso schon tun.

Kluft zwischen Arm und Reich wird größer

Sonntag, 18. Mai 2008

Morgen wird er offiziell vorgelegt, heute hat Bundesarbeitsminister Scholz gegenüber der BamS einen Ausblick gegeben: Der Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung. Die NETZEITUNG und SPIEGEL Online berichten über die überwiegend ernüchternden Ergebnisse. Demnach gelten 13% der Bundesbürger als arm, was nach EU-Definition einem Nettoeinkommen von weniger als 60% des mittleren Einkommens entspricht, effektiv 781 Euro. Weitere 13% befinden sich in der prekären Lage, durch Sozialleistungen vor dem Abrutschen in die Armut bewahrt zu werden. Insbesondere erschreckt Scholz aber der Anteil derer, die sich trotz Erwerbsarbeit in der prekären Lage befinden. Daraus folgt, nicht unberechtigterweise, wieder der Ruf nach Mindestlöhnen. Einzige positive Tendenz zeichnet sich bei den Rentnern ab, bei denen nur 2,3% auf Grundsicherung angewiesen seien.

Interessant wäre für mich jetzt eigentlich noch zu wissen, was mit beispielsweise Studenten ist, die durch ihre Eltern teil-/finanziert werden. Die dürften in der Statistik eigentlich nicht auftauchen, würden die Armutsquote aber wohl noch um einiges in die Höhe treiben. Betrachte ich beispielsweise mein Einkommen, von dem der Staat nur teilweise etwas mitbekommen könnte, muss ich leider sagen: Ich bin arm!

NoseRub – Meine ersten Gehversuche mit dezentralen sozialen Netzwerken

Sonntag, 18. Mai 2008

Nachdem ich vorgestern mal wieder eine re:publica-Review-Session gemacht habe (Dank an Markus für die Bereitstellung der Videostreams), bin ich im Panel „Die Zukunft der Social Networks“ auf ein interessantes, mir überraschenderweise bislang noch unbekanntes, Projekt von Dirk Olbertz gestoßen. Dabei handelt es sich um NoseRub, mit dem ein Ansatz für dezentrale soziale Netzwerke entwickelt wurde und weiter entwickelt wird. Das klang für mich dann so interessant, dass ich mich gestern gleich daran gemacht habe, ohne großes Vorwissen NoseRub auf meinem Server zu installieren. Nach erfolgreicher – zugegebenermaßen teilweise etwas komplizierterer – Installation, stand ich dann aber wie der sprichwörtliche Ochs vorm Berg. Gut, ich konnte mein Profil anlegen, das sah auch ganz nett aus, aber von einem Social Network konnte ich nicht viel finden. Also doch recherchieren und in die Materie einlesen.

An dieser Stelle mal ein kurzer Rundumschlag über das System: Erste Anlaufstelle war mal wieder Basic Thinking. Erkenntnis: NoseRub liegt meinem bisherigen Bild von sozialen Netzwerken – maßgeblich durch StudiVZ geprägt – wesentlich ferner, als ich erwartet hatte. Es ist so konzipiert, dass ich erstmal lediglich mein Profil hoste; soll heißen, die Informationen zu meiner Person. Gruppen, serverübergreifende Suche nach Personen, direkt über NoseRub Content erstellen, all das kennt NoseRub nicht; teilweise noch nicht. Dafür hat es aber einen anderen interessanten Ansatz, denn der Content wird über ausgelagerte Systeme bereitgestellt, so wie man das sowieso schon macht. Fotos beispielsweise bei Flickr, Text in Blogs oder per Twitter, Videos über YouTube und Links mit del.icio.us. Ich gehe dann in meinem NoseRub-Profil einfach hin, füge diese meine Accounts zu meinem Profil hinzu und NoseRub holt sich in regelmäßigen Abständen per RSS die Informationen über neue Inhalte. Diese werden dann übersichtlich kategorisiert in meinem Profil dargestellt und zu meinen Aktivitäten gebündelt. Will man sich mit anderen Leuten vernetzen, so gibt es dafür zwei Wege:

  1. Der Andere hat eine NoseRub-ID
    Das ist der einfache Fall, denn hier kommt das ganze Potenzial von NoseRub zum Tragen. Per RDF-Schema (Stichwort: FOAF) wird sein Profil, sowie seine Aktivitäten-Accounts abgeholt und in der Folge regelmäßig bei mir Aktualisiert. So habe ich, genau wie meine Aktivitäten, auch seine bei allen eingetragenen Diensten immer im Überblick. Und wenn er etwas an seinen Diensten ändert, wird das ebenfalls automatisch bei mir aktualisiert.
  2. Der Andere hat keine NoseRub-ID
    Dann wird es leider umständlicher, vereinfacht aber immer noch vieles. An dieser Stelle kann ich in meinem Profil als Kontakt anlegen, seine mir bekannten Dienste hinzufügen und habe am Ende fast den gleichen Funktionsumfang, wie im ersten Fall. Nur um die Pflege der Dienste muss ich mich selber kümmern.

Soviel zur grauen Theorie. Mit dem Wissen konnte ich dann auch schon mehr mit dem System anfangen. Hilfreich für das Grundverständnis sind auch die beiden Videostreams bei noserub.com, die Tour wollte mein VLC-Player leider ums Verrecken nicht abspielen.

Grundsätzlich sind mir dann aber doch ein paar Sachen aufgefallen, die ich schmerzlich vermisse oder, vom Konzept her anders sehen würde. Die reiße ich jetzt auch mal kurz an:

  1. OpenID
    Meine NoseRub-ID soll wohl als OpenID fungieren können, das tut sie aber leider nicht. Bis dato ist an der Stelle Schluss, an der der Server, auf dem ich mich einloggen will, auf meinen NoseRub-Account zugreifen will. Normalerweise, schätze ich mal, sollte man sich da dann einloggen bzw. den Dienst autorisieren und dann automatisch wieder zum Dienst zurück geroutet werden. Passiert bei mir leider nicht. Ich sehe dann mein Profil und an der Stelle ist von der ursprünglichen Seite nichts mehr zu sehen. Gefunden habe ich dazu im Netz auch noch nix.
  2. Globale Suchfunktion
    Im Moment empfinde ich das Projekt noch so, als wäre jeder NoseRub-Server ein eigenes Social Network. Klar, man kann sich von außen mit den Mitgliedern vernetzen, aber man kann eben noch nicht über alle Server suchen. Das erschwert es doch sehr, bestimmte Leute zu finden, gerade wenn es nicht um einen spezifischen Namen, sondern um Interessen geht. Also das, was in den landläufigen Social Networks durch Gruppen ermöglicht wurde.
  3. Usergruppenmanagement
    Man muss ja nicht für jeden Freund spezifisch festlegen können müssen, welche Dienste er von einem sehen soll. Aber eine Gruppierung von Freunden mit entsprechend konfigurierbaren Zugriffsrechten wäre doch sehr wünschenswert. Diese Funktion ist aber wohl geplant.
  4. Nachrichtensystem
    Ja, ich weiß, das gibt es eigentlich und es wird per Email realisiert. Ich würde aber gerne im Profil erfahren, wenn ich eine neue Nachricht bekommen habe. Auch das könnte man theoretisch über IMAP-Überwachung realisieren, ich will aber erstens keine Email-Adresse extra für NoseRub anlegen und zweitens nicht bei jeder Spam-Mail, die den SpamAssassin überwindet, Meldung bekommen. Da wäre ein internes Direct-Messaging-System doch sehr wünschenswert.
  5. Administrationsoberfläche
    Das wurde im NoseRub-Blog schon thematisiert und ist tatsächlich eine Erweiterung, die ich sehr gerne hätte. Grundsätzlich spiele ich zwar gerne in Configs rum, gerade bei Webanwendungen ist es aber dann doch wesentlich komfortabler, eine Adminoberfläche zu haben.

Das wäre mal das, was mir spontan einfällt. Mehr wird sicherlich noch mit der Zeit kommen. Ich werde mich auf jeden Fall weiter mit der Sache beschäftigen, denn das System macht schon einiges wesentlich einfacher. Zumal – das ist mit der wichtigste Punkt – ich Herr über mein Profil bin. Man kann sein Profil nebst aller Freunde exportieren und auf einem anderen NoseRub-Server wieder importieren. So ist es relativ einfach, beispielsweise einen öffentlichen Dienst zu verlassen, wenn man ihm nicht mehr traut, und dafür z.B. seinen eigenen Server aufzusetzen.

Blog-Post vs. wissenschaftliche Arbeit

Samstag, 17. Mai 2008

Manchmal bin ich Perfektionist. Na gut, in manchen Dingen eigentlich eher meistens. Routinen gehören dazu, Sprache ebenfalls. Darum ärgert es mich auch, wenn ich, nach dem dritten Durchlesen des vorangegangenen Posts endlich feststelle, dass ich bei Blog-Posts unterbewusst offensichtlich Regeln über den Haufen werfe, auf die ich sonst eigentlich größten Wert lege.

Zum Verständnis: Ich lege an den Post zu TV-Serien zwar keinen wissenschaftlichen Maßstab an, trotzdem habe ich einige Kriterien wissenschaftlicher Arbeiten für Texte, die ich, wo auch immer schreibe, als Norm übernommen habe. Eines davon ist die inhaltliche Geschlossenheit. Soll heißen, man beginnt in der Einleitung, selbst wenn diese nicht explizit gekennzeichnet ist, mit einer These, und greift diese im Fazit wieder auf, um den Bogen zu spannen. Nun habe ich den Artikel, bevor ich ihn veröffentlichte, etwa 3-5 Mal gelesen – teilweise in seiner Entstehungsphase, teilweise im finalen Zustand – und es fiel mir nicht auf, dass ich am Ende nicht wieder auf die Eingangsthese zurückgekommen bin; jedenfalls nicht explizit. Sowas ärgert mich, weil ich sowas, wenn ich einen gewissen Anspruch an den Autor habe – den habe ich an mich definitiv – im besten Fall rügen, im schlechtesten gar nicht erst lesen würde. Paradox daran ist, dass ich das bei wissenschaftlichen Texten quasi automatisch mache. Warum schaltet sich dieser Mechanismus also ab, sobald ich im Blog poste, obwohl ich einen ähnlichen Maßstab anlege?

So, nutzloser Post, aber das musste jetzt gerade mal raus. Sorry for that.

Wie das Fernsehen den Kampf gegen den Terror verniedlicht

Freitag, 16. Mai 2008

Es ist schon interessant, wenn man sich die Wandlung der Themen von Fernsehserien betrachtet. Der amerikanische Markt ist natürlich auch hier Vorreiter, mittlerweile haben aber auch deutsche Produktionen nachgezogen. Auch wenn man den Ursprung wohl nicht 9/11 zurechnen kann, so passte das Timing doch optimal und jedenfalls inhaltlich hat sich seit 9/11 einiges verändert. Fernsehserien behandeln zunehmend das Thema Terrorismus und vermitteln weltfremd deutlich, wie sinnvoll die immer zunehmendere Einschränkung von Freiheitsrechten ist, auf der anderen Seite wie präsent man sich seine Angst vor Terroranschlägen im Hinterkopf behalten muss.

Den Anfang machte, pünktlich nach 9/11, die Serie 24 mit Kiefer Sutherland. Hier kann man aber den Vorwurf, sie würde gezielt den Kampf gegen den Terrorismus legitimieren, aus mehreren Gründen noch nicht machen. Zum Einen wurde sie vor 9/11 gedreht, die politische Brisanz des Themas war also noch nicht absehbar. Zum Anderen werden die Antiterror-Einheiten – in der Serie die CTU – nicht unbedingt in ein besonders gutes Licht gerückt: Gegenstand der Staffeln ist jeweils ein geplanter Anschlag oder ein Attentat, dass die CTU, insbesondere Jack Bauer (Kiefer Sutherland) mit sprichwörtlich allen Mitteln zu verhindert versucht. Dabei wird vor Folterverhören nicht zurück geschreckt. Letztendlich zeichnet die Serie dadurch kein besonders positives Bild von dem fiktiven Inlandsgeheimdienst CTU.

Eine weitere Serie, Threat Matrix – Alarmstufe Rot, läuft kommenden Donnerstag im deutschen Fernsehen an. Über die Umsetzung des inhaltlichen Gegenstandes kann ich daher noch nicht viel sagen, allerdings kann man wohl das übliche erwarten. Im Mittelpunkt steht die amerikanische Homeland Security bzw. eine Spezialeinheit, die Bedrohungslagen im In- und Ausland beseitigt.

Das letzte amerikanische Beispiel – um den Rahmen nicht zu sprengen – ist die Serie E-Ring – Military Minds. Die Serie wurde ab 2005 in Amerika ausgestrahlt. Im Zentrum steht eine Abteilung des Pentagons, die sich mit Spezialoperationen befasst – meist solche, die in irgendeiner Form mit Terrorismus zusammen hängen. Soweit ich die Serie gesehen habe, stellt sie den Kampf gegen den Terror, im Gegensatz zu 24, relativ patriotisch dar. Die entsprechende Abteilung im Pentagon, bzw. das komplette Pentagon, sind die Guten, Terroristen sind die Bösen – einfach Schwarz-Weiß-Malerei.

Gut, vom amerikanischen Fernsehen nebst Hollywood ist man gewohnt, dass man sich erstens politisches Geschehen zum Inhalt nimmt, zweitens das dann meist mit übertriebenem Patriotismus umsetzt und drittens Lobbyismus so groß geschrieben wird, dass politische Vorhaben, die man eigentlich kritisch betrachten müsste, über die Medien schmackhaft gemacht werden. Realistischer kann man sagen, im betrachteten Themenkomplex internationaler Terrorismus treten die Unterhaltungsmedien überwiegend für zwei Zwecke ein:

  1. Permanente Vermittlung eines Unsicherheitsgefühles. Jeder kann jederzeit und an jedem Ort von einem gewaltigen, terroristischen Anschlag betroffen werden. Es gibt keine Sicherheit. Diese Strategie wird von der US-Regierung nachgewiesenermaßen seit 9/11 besonders durch regelmäßige Geheimdienstberichte über Bedrohungslagen im Inland und die damit verbundenen Anhebungen der Sicherheitsstufe gefahren. In den Unterhaltungsmedien wird sie fortgesetzt.
  2. Ausschließlich US-Behörden mit entsprechenden, durchaus auch menschenunwürdigen, Befugnissen sind in der Lage, die Bedrohung abzuwenden. Ein Beispiel, das in diesem Rahmen häufig in Serien auftaucht, ist der äußerst umstrittene USA PATRIOT Act.

Wie schon erwähnt, diese Einmischung der Unterhaltungsmedien in politisch umstrittenes Geschehen ist nicht neu. Die gab es durchaus auch schon vor 9/11. Allerdings sehe ich sie seit 9/11 deutlich zielgerichteter und wesentlich undifferenzierter; darin liegt das größere Problem. Nicht die Existenz, sondern die Art der Existenz ist die Crux. Interessant an fast allen amerikanischen Serien auf diesem Feld, auch den nicht aufgeführten, ist allerdings, dass die deutliche Mehrheit schon nach kurzer Zeit wieder abgesetzt wurden – 24 ist auch hier eine Ausnahme.

In Deutschland fiel mir bislang keine TV-Serie ein, die forciert in solche Richtungen ging. Sicherlich, auch hier beschäftigen sich immer mal wieder Serien mit bestimmten, aber eher tagespolitischen, Ereignissen. Sie waren aber, soweit ich mich erinnern kann, nie explizit auf genau ein politisches Reizthema ausgelegt. Die, seit einiger Zeit auf Sat 1 laufende, Serie GSG 9 – Ihr Einsatz ist ihr Leben ist daher in meinen Augen eine Novelle, die ich sehr kritisch betrachte.

Wie der Name vermuten lässt, geht es um die deutsche Antiterror-Einheit GSG 9 der Bundespolizei. Allerdings geht die Serie das Thema in einer sehr amerikanisierten Art an (in Anbetracht der Tatsache, dass ich nicht jede Folge gesehen habe, bitte ich um Korrektur, falls ich mit meinem Eindruck falsch liegen sollte): Die permanente Bedrohungslage wird zwar nicht suggeriert, dafür werden Mittel eingesetzt, die teilweise in der aktuellen politischen Diskussion um das BKA-Gesetz gründen, teilweise gegen geltendes deutsches oder internationales Recht verstoßen. Beispiele wären, beide aus der gestern gezeigten Folge, für ersteres der gleichgültige Umgang mit unrechtmäßig erworbenem Überwachungsmaterial (Stichwort: Kernbereich persönlicher Lebensgestaltung), für zweiteres das illegale Eindringen in eine ausländische Botschaft zwecks Befreiung einer mutmaßlichen Geisel, die evtl. gefoltert wird.

In welche Richtung die Interessen dabei gelenkt werden, ist mir nicht ganz deutlich geworden; zwei mögliche Interpretationsformen bieten sich: Entweder prangern die Macher ebendiese Missstände, die es nachweislich in der deutschen Realität ja gibt, bewusst an und wollen aufzeigen, welche Problematik schon ohne weitere Befugnisse besteht. Oder, und das wäre der Weg, der mir keinesfalls schmecken würde, es wird nach amerikanischem Vorbild versucht deutlich zu machen, dass gewisse zusätzliche Befugnisse einfach notwendig sind, um die Bedrohungslagen zu lösen. Ein Indiz dafür könnte sein, dass die Bedrohungslagen letztendlich gelöst werden und die unrechtmäßig angewandten Methoden einen Beitrag zur Lösung geleistet haben. Da wäre evtl. die Meinung eines kundigeren Zuschauers der Serie interessant.

Post-Rating wieder rausgeflogen

Freitag, 16. Mai 2008

Jawoll, ich bleibe doch beim wohlwollenden Blick auf kommentierende Leser. Zwei Gründe für meinen Entschluss: Erstens wird wohl auch das Rating nicht wirklich genutzt. Dafür verlängert es aber die Ladezeiten, so dass sich das Ganze in meinen Augen nicht rentiert. Zweitens, das wäre eigentlich der ausschlaggebendere Grund, habe ich übersehen, dass das Plugin ja zu sezwho telefoniert, was wohl nicht damit konform geht, dass hier nichts geloggt wird. Schließlich kann der Leser nicht darüber entscheiden, ob er die Ratings (die wohl zentral bei sezwho gespeichert werden) laden will, ob also seine Verbindungsdaten irgendwo gespeichert werden. Für den kurzen Zeitraum, den das Plugin lief, möchte ich mich in der Hinsicht entschuldigen.

Bloggen im BILD-Zeitalter

Freitag, 16. Mai 2008

Ich muss doch mal was los werden, was ich nicht sonderlich toll, geschweige denn als besonders tolles Abbild unserer Gesellschaft sehe. Wenn ich mir in meinen Statistiken so die Suchbegriffe anschaue, über die Leser auf mein Blog kommen, sehe ich da doch eine gewisse Tendenz zum Sensationsjournalismus. Muss man wirklich erniedrigende Titel oder solche, die unter die Gürtellinie gehen, haben, um Leser zu ködern?

Ganz ehrlich, ‚merkels möpse‚ waren lange Zeit mit Abstand auf Platz 1. Mittlerweile wurden sie von ‚justice stress‚ abgelöst. Aber erst, nachdem das, auf den ersten Blick gewaltverherrlichende, Video in den Mainstream-Medien Erwähnung fand und eine ausgelassene Diskussion hervorrief. Ganz weit oben ist auch noch das Tag ‚Überwachungsstaat‚, was ich zwar eher positiv sehe, trotzdem ist es plakativ.

Ist unsere Gesellschaft mittlerweile wirklich so BILD-verseucht, dass man sich bei den Titeln an ebenjenem Magazin orientieren muss, um als halbwegs namenloses Blog eine gewisse Masse Publikum auf sich zu ziehen?

Twitter schon wieder tot

Freitag, 16. Mai 2008

Da sieht man es ja wieder: Twitter verhindert sinnlose Blog-Postings. Twitter ist schon wieder tot! Und ich habe das dringende Bedürfnis, das zu posten. Alles scheiße! Ich will mein Innerstes wieder öffentlich nach außen stülpen können.

Schäuble kassiert scharfe Rüge aus Brüssel

Donnerstag, 15. Mai 2008

Unser oberster Verfassungsfeind, Innenminister Wolfgang Schäuble, hat eine scharfe Rüge vom EU-Datenschutzbeauftragten Peter Hustinx erhalten. Bezug der Rüge ist die Vernetzung der Polizeidatenbanken der EU-Mitgliedsstaaten, die Schäuble während der deutschen Ratspräsdidentschaft durchgeboxt hat. Die Vernetzung bezieht sich auf Fingerabdruck- und DNA-Datenbanken.

Erheblich daran sei, dass in den Datenbanken nicht nur die Daten von Verbrechern landen, sondern alle an Tatorten aufgenommenen Daten. An öffentlichen Tatorten kann sowas also schnell dazu führen, dass massenweise unschuldige Bürger, die nur zufällig und nicht einmal zum Zeitpunkt der Tat, am Tatort waren und dort Spuren hinterlassen haben. Das genaue Problem an der Vernetzung sei, so Hustinx, dass es keine klare Bestimmung gebe, wie mit irrelevanten Daten umgegangen werden soll. Schäubles Reaktion auf die Vorwürfe passt wieder in sein Gesamtbild:

Schäuble ließ die Vorwürfe zurückweisen. „Die von Hustinx geäußerte Kritik ist nicht nachvollziehbar“, erklärte Ministeriumssprecher Stefan Paris in Berlin. „Der Vertrag von Prüm bietet ein maßgeschneidertes Datenschutzsystem für ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Sicherheitsinteressen und Grundrechtsschutz.“

Zum Einen stellt sich wieder einmal die Frage, um wessen Sicherheitsinteressen es denn geht? Zum Anderen ist Grundrechtsschutz aus dem Munde Schäubles wohl das lächerlichste, was dem Wort passieren kann.