Wie das Fernsehen den Kampf gegen den Terror verniedlicht

Es ist schon interessant, wenn man sich die Wandlung der Themen von Fernsehserien betrachtet. Der amerikanische Markt ist natürlich auch hier Vorreiter, mittlerweile haben aber auch deutsche Produktionen nachgezogen. Auch wenn man den Ursprung wohl nicht 9/11 zurechnen kann, so passte das Timing doch optimal und jedenfalls inhaltlich hat sich seit 9/11 einiges verändert. Fernsehserien behandeln zunehmend das Thema Terrorismus und vermitteln weltfremd deutlich, wie sinnvoll die immer zunehmendere Einschränkung von Freiheitsrechten ist, auf der anderen Seite wie präsent man sich seine Angst vor Terroranschlägen im Hinterkopf behalten muss.

Den Anfang machte, pünktlich nach 9/11, die Serie 24 mit Kiefer Sutherland. Hier kann man aber den Vorwurf, sie würde gezielt den Kampf gegen den Terrorismus legitimieren, aus mehreren Gründen noch nicht machen. Zum Einen wurde sie vor 9/11 gedreht, die politische Brisanz des Themas war also noch nicht absehbar. Zum Anderen werden die Antiterror-Einheiten – in der Serie die CTU – nicht unbedingt in ein besonders gutes Licht gerückt: Gegenstand der Staffeln ist jeweils ein geplanter Anschlag oder ein Attentat, dass die CTU, insbesondere Jack Bauer (Kiefer Sutherland) mit sprichwörtlich allen Mitteln zu verhindert versucht. Dabei wird vor Folterverhören nicht zurück geschreckt. Letztendlich zeichnet die Serie dadurch kein besonders positives Bild von dem fiktiven Inlandsgeheimdienst CTU.

Eine weitere Serie, Threat Matrix – Alarmstufe Rot, läuft kommenden Donnerstag im deutschen Fernsehen an. Über die Umsetzung des inhaltlichen Gegenstandes kann ich daher noch nicht viel sagen, allerdings kann man wohl das übliche erwarten. Im Mittelpunkt steht die amerikanische Homeland Security bzw. eine Spezialeinheit, die Bedrohungslagen im In- und Ausland beseitigt.

Das letzte amerikanische Beispiel – um den Rahmen nicht zu sprengen – ist die Serie E-Ring – Military Minds. Die Serie wurde ab 2005 in Amerika ausgestrahlt. Im Zentrum steht eine Abteilung des Pentagons, die sich mit Spezialoperationen befasst – meist solche, die in irgendeiner Form mit Terrorismus zusammen hängen. Soweit ich die Serie gesehen habe, stellt sie den Kampf gegen den Terror, im Gegensatz zu 24, relativ patriotisch dar. Die entsprechende Abteilung im Pentagon, bzw. das komplette Pentagon, sind die Guten, Terroristen sind die Bösen – einfach Schwarz-Weiß-Malerei.

Gut, vom amerikanischen Fernsehen nebst Hollywood ist man gewohnt, dass man sich erstens politisches Geschehen zum Inhalt nimmt, zweitens das dann meist mit übertriebenem Patriotismus umsetzt und drittens Lobbyismus so groß geschrieben wird, dass politische Vorhaben, die man eigentlich kritisch betrachten müsste, über die Medien schmackhaft gemacht werden. Realistischer kann man sagen, im betrachteten Themenkomplex internationaler Terrorismus treten die Unterhaltungsmedien überwiegend für zwei Zwecke ein:

  1. Permanente Vermittlung eines Unsicherheitsgefühles. Jeder kann jederzeit und an jedem Ort von einem gewaltigen, terroristischen Anschlag betroffen werden. Es gibt keine Sicherheit. Diese Strategie wird von der US-Regierung nachgewiesenermaßen seit 9/11 besonders durch regelmäßige Geheimdienstberichte über Bedrohungslagen im Inland und die damit verbundenen Anhebungen der Sicherheitsstufe gefahren. In den Unterhaltungsmedien wird sie fortgesetzt.
  2. Ausschließlich US-Behörden mit entsprechenden, durchaus auch menschenunwürdigen, Befugnissen sind in der Lage, die Bedrohung abzuwenden. Ein Beispiel, das in diesem Rahmen häufig in Serien auftaucht, ist der äußerst umstrittene USA PATRIOT Act.

Wie schon erwähnt, diese Einmischung der Unterhaltungsmedien in politisch umstrittenes Geschehen ist nicht neu. Die gab es durchaus auch schon vor 9/11. Allerdings sehe ich sie seit 9/11 deutlich zielgerichteter und wesentlich undifferenzierter; darin liegt das größere Problem. Nicht die Existenz, sondern die Art der Existenz ist die Crux. Interessant an fast allen amerikanischen Serien auf diesem Feld, auch den nicht aufgeführten, ist allerdings, dass die deutliche Mehrheit schon nach kurzer Zeit wieder abgesetzt wurden – 24 ist auch hier eine Ausnahme.

In Deutschland fiel mir bislang keine TV-Serie ein, die forciert in solche Richtungen ging. Sicherlich, auch hier beschäftigen sich immer mal wieder Serien mit bestimmten, aber eher tagespolitischen, Ereignissen. Sie waren aber, soweit ich mich erinnern kann, nie explizit auf genau ein politisches Reizthema ausgelegt. Die, seit einiger Zeit auf Sat 1 laufende, Serie GSG 9 – Ihr Einsatz ist ihr Leben ist daher in meinen Augen eine Novelle, die ich sehr kritisch betrachte.

Wie der Name vermuten lässt, geht es um die deutsche Antiterror-Einheit GSG 9 der Bundespolizei. Allerdings geht die Serie das Thema in einer sehr amerikanisierten Art an (in Anbetracht der Tatsache, dass ich nicht jede Folge gesehen habe, bitte ich um Korrektur, falls ich mit meinem Eindruck falsch liegen sollte): Die permanente Bedrohungslage wird zwar nicht suggeriert, dafür werden Mittel eingesetzt, die teilweise in der aktuellen politischen Diskussion um das BKA-Gesetz gründen, teilweise gegen geltendes deutsches oder internationales Recht verstoßen. Beispiele wären, beide aus der gestern gezeigten Folge, für ersteres der gleichgültige Umgang mit unrechtmäßig erworbenem Überwachungsmaterial (Stichwort: Kernbereich persönlicher Lebensgestaltung), für zweiteres das illegale Eindringen in eine ausländische Botschaft zwecks Befreiung einer mutmaßlichen Geisel, die evtl. gefoltert wird.

In welche Richtung die Interessen dabei gelenkt werden, ist mir nicht ganz deutlich geworden; zwei mögliche Interpretationsformen bieten sich: Entweder prangern die Macher ebendiese Missstände, die es nachweislich in der deutschen Realität ja gibt, bewusst an und wollen aufzeigen, welche Problematik schon ohne weitere Befugnisse besteht. Oder, und das wäre der Weg, der mir keinesfalls schmecken würde, es wird nach amerikanischem Vorbild versucht deutlich zu machen, dass gewisse zusätzliche Befugnisse einfach notwendig sind, um die Bedrohungslagen zu lösen. Ein Indiz dafür könnte sein, dass die Bedrohungslagen letztendlich gelöst werden und die unrechtmäßig angewandten Methoden einen Beitrag zur Lösung geleistet haben. Da wäre evtl. die Meinung eines kundigeren Zuschauers der Serie interessant.


2 Meinungen zu “Wie das Fernsehen den Kampf gegen den Terror verniedlicht”

  1. tne sagt:

    Dass sich die Macher solcher Sendungen viel Gedanken über kritische politische Botschaften machen ist ziemlich unwahrscheinlich. Die haben nur Interesse an hohen Einschaltquoten.
    Beim Tatort hatte ich mehrmals den Eindruck, dass z.B. die Vorratsdatenspeicherung als Allheilmittel angepriesen wird.
    Auf den technisch nicht so versierten Zuschauer macht es sicher auch ordentlich Eindruck, was Sicherheitsbehörden so alles können:
    http://de.sevenload.com/videos/9NMjXzT-Hackerangriff-bei-Alarm-fuer-Cobra-11
    und ich erinnere mich an keine Serie, in der der Missbrauch gegebener Mittel thematisiert wird.

  2. Thomas sagt:

    Genau das finde ich so beängstigend. Wie bei GSG 9: Die Machen eine Videoüberwachung, nehmen Material auf, das sie rechtlich nicht benutzen dürfen, weisen sogar den Chef darauf hin und winken dann quasi ab. Danach kommt gleich die Verbindung mit einer neuen, heißen Spur und schon ist das Mittel offensichtlich legitimiert. Für den eher unwissenden Zuschauer eine ganz klare Sache.

    An eine Serie, die Missbrauch thematisiert, kann ich mich auch nicht erinnern. Mir schwebt da aber noch irgendwas aus den 80ern oder 90ern im Hinterkopf rum. Ich weiß zwar nicht mehr, was es war, aber ich meine, da hätte es mal irgendwas politisches gegeben, was auch im Unterhaltungsfernsehen über einen Zeitraum sehr kritisch thematisiert wurde. Muss ich nochmal drüber nachdenken, ob ich da noch drauf komme.

    Btw, Tatort finde ich schon fast verwassungswidrig. Die Öffentlich-Rechtlichen haben da eigentlich einen ganz klaren Auftrag, was politische Meinungsbildung angeht.

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