Nachbericht: Jugendstreik gegen die Bildungsreformen in Kassel

Heute war Jugendstreik in Kassel (und anderen deutschen Städten) und, wie angekündigt, sind natürlich auch einige Studenten zur Unterstützung gekommen – mich offensichtlich eingeschlossen. Streitthema war der Bildungsklau, der in vielen Ländern mittlerweile zu unzumutbaren Verhältnissen an den Schulen führt. Das G8-Konzept, die Klassengröße von 30 Schülern, natürlich am Rande wieder die Studiengebühren und einige andere Inhalte wurden bestreikt.

Los ging es, völlig überfrüht, um 9:00 Uhr für uns an der Uni. Ein Wow an mich, normalerweise schaffe ich es ja nicht mal zu Seminaren vor 12 in die Uni. Die ganze Demonstration war sternmarschähnlich konzipiert, bevor es dann zur gemeinsamen Hauptdemonstration ab dem Rathaus überging. Zu meiner Überraschung fanden sich am HoPla zwar etwa 150 bis 200 Demonstranten, aber keinerlei Polizei. Wäre die Demonstration primär studentisch gewesen, hätte das wohl ganz anders ausgesehen. Naja, dann halt ohne. Es ging also los, in ziemlich verhaltener Lautstärke, in Richtung Innenstadt. Unterwegs begegneten wir zwar einem Polizeiauto, die schenkten uns aber keinerlei Beachtung. Über den Hinweg ist sonst nicht so viel zu sagen, weil er weitestgehend unspektakulär und mit vielen Pausen bestückt war.

‚Normale‘ Züge wurden dann ab Königsplatz angenommen, als wir, weil viel zu früh, etwa 20 Minuten Pause einlegten. Denn hier kam dann auch endlich die Polizei dazu. Die Pause gestaltete sich etwas ideenlos, es war ziemlich leise, eigentlich standen wir nur so auf den Schienen rum. Einziger Höhepunkt war die biblische Teilung der Massen, um den Tram-Stau passieren zu lassen, denn die wurden um die Zeit noch nicht um die Fußgängerzone herum umgeleitet.

Gut, irgendwann ist jede Pause zu Ende, also bewegten wir uns weiter zum Rathaus. Auf dem Weg dahin dann das nächste Kuriosum: Einer der Organisatoren rannte wild durch die ‚Massen‘ und drückte jedem, der ihm im Weg stand, eine Ordnerbinde in die Hand. Offensichtlich hatte man da etwas vergessen. So wurde ich dann auch nach langer Zeit mal wieder Ordner.

Am Rathaus wandelte sich die Situation dann langsam, denn die Züge der anderen Schulen stießen zusammen. Insgesamt waren nach Polizeischätzung während der Auftaktkundgebung etwa 2500 Demonstranten anwesend, was nicht nur ein imposantes Bild auf dem Rathausplatz brachte, sondern für letzte Kasseler Verhältnisse auch ziemlich ordentlich war. Die Auftaktkundgebung gestaltete sich anfangs etwas ideenlos, zwischenzeitlich hatten man den Eindruck, auf einer Jubeldemo gelandet zu sein. Besonders daneben fand ich den Musikwagen, der uns ab jetzt begleitete, allerdings völlig demofremde bzw. -untaugliche Musik, nämlich Hip Hop spielte. Immerhin, der Hessische Rundfunk war mit einem Ü-Wagen da und auch sonst war angemessen große Medienpräsenz spürbar.

Nach der Auftaktkundgebung ging es dann über zur Hauptdemonstration. Strecke war die, die wir Studenten schon lange nicht mehr gegangen sind, nämlich Fünffensterstraße, dann Frankfurter Straße, Steinweg, vorbei an der CDU-Zentrale und über den Stern wieder durch die Fußgängerzone zurück zum Rathaus. Die 2500 bis 3000 Mann legten dann auch relativ zügig den Verkehr auf den begangenen Straßen lahm. Das Ganze lief friedlich ab, man hielt sich weitestgehend an das, was die Polizei erlaubte und wo man sich etwas darüber hinweg setzte, blieb es noch im Toleranzbereich. Sehr zur Freude halfen zahlreiche Autofahrer mit der Hupe nach, dem Zug eine ordentliche Lautstärke zu geben. Die war aber auch schon ohne die Hupen gegeben. Vor der CDU-Zentrale gab es dann einen unvermeidbaren Stopp, um den Protest da loszuwerden, wo er hingehört. Saubere Sache. Auf dem restlichen Weg bis zum Stern gab es keine besonderen Vorkommnisse, abgesehen von ein paar ‚Kindern‘, die in meinen Augen etwas zu viel an den Tram-Fenstern randalierten. Zu Bruch ging aber wohl nichts.

Am Stern dann das übliche Sit-In – mit 2500 Mann schon eine ganz andere Sache, als mit 500. Die Kreuzung wurde uns von der Polizei für 3 Minuten überlassen, an die hielt man sich auch, abgesehen vom Schwarzen Block, der mir bis dato gar nicht aufgefallen war. Aber auch die blieben in ihren Mitteln anständig und legten sich, soweit ich das mitbekommen habe, nicht mit der Polizei an. Der Weg zurück durch die Fußgängerzone war laut, so wie sich das gehört. Zurück am Rathaus gab es dann noch die kurze Abschlusskundgebung, dann wurde die Demonstration aufgelöst. Lange blieb ich auch nicht mehr, denn es sah so aus, als würde es keine Nachdemos geben. Schade eigentlich, aber was soll’s. Vielleicht beim nächsten Mal.

Bleibt wieder mal noch hinzuzufügen, dass der Rest meiner Bilder wieder bei Ipernity liegt.


6 Meinungen zu “Nachbericht: Jugendstreik gegen die Bildungsreformen in Kassel”

  1. Robert sagt:

    Du darfst nicht vergessen, dass die meisten Schüler zum ersten Mal auf einer Demo waren, die wissen noch nichts von zweiter Halbzeit und so. Aber das kommt noch ;-)

  2. Thomas sagt:

    Nöö, da mache ich ihnen auch keinen Vorwurf. Wir waren ja auch ohne zweite Halbzeit bei der CDU ;-)

  3. Robert sagt:

    Das stimmt allerdings ;-)

    Ich weiß nicht, hätte Kreisel drin sein können?

  4. Thomas sagt:

    Für Kreisel hätten wohl mehr Demo-Erprobte dabei sein müssen.. viel mehr. Schade eigentlich. Wäre auch mal wieder lustig.

    edit: Btw, im Rahmen der EM hast du wirklich merkwürdige Zeiten zu kommentieren :-P

  5. Robert sagt:

    Was ist „EM”?

  6. Thomas sagt:

    Na dieses komische Event, wegen dem alle ihre Flaggen raus hängen und mitten in der Nacht stundenlang hupend durch die Stadt sausen ;-)

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