Nachbericht: Spontandemo gegen Roland Koch in Kassel

Nach Roland Kochs Eklat am Donnerstag Abend im hessischen Landtag, war die Empörung wieder einmal groß. Erst Recht, nachdem Koch gegenüber dem Ältestenrat auch noch deutlich machte, dass er den fehlenden Passus im Gesetz zur Abschaffung der Studiengebühren in der 2. Lesung bewusst nicht angesprochen hatte und die linke Mehrheit damit wissentlich ins offene Messer laufen ließ. Der AStA Kassel reagierte prompt: Donnerstag Abend wurde zur Spontandemo für Freitag Mittag 12:00 Uhr ausgerufen. Und tatsächlich, es kamen mehr, als ich erwartet hätte.

Pünktlich um 12:00 fanden sich auf dem Vorplatz der Bibliothek etwa 150 Demonstranten ein (überwiegend Studenten). Das alleine sind jetzt nicht wirklich viele, aber dem kurzen Fototermin mit der Presse folgte der obligatorische Zug über den Campus, so dass man mit geschätzten 300 Teilnehmern den Gang durch die Innenstadt zum Rathaus angehen konnte.

Die Stimmung war gut, die Trillerpfeifen laut und die Parolen weitestgehend die, die man schon von früheren Demonstrationen kannte. Auch die Polizei machte sich gestern wenig Arbeit. Das einzige, was ich von ihnen mitbekam, war ganz zu Beginn ein Hinweis, wir sollten doch bitte die Tram-Gleise frei lassen. Passt, nehmen wir halt die Straße.

Das hielt sowieso nur bis zum Stern, denn zum Einen geht’s ab dort gezwungenermaßen über die Gleise in die Fußgängerzone, zum Anderen gab es dort auf der Kreuzung natürlich ein kurzes, traditionelles Sit-In. Im Gegensatz zu früheren Demonstrationen, besonders denen im Protestsommer 2006, hat die Polizei auch da nichts mehr gegen und man muss feststellen, die Taktik funktioniert für beide Seiten bestens. In der Hinsicht scheint es, als könnten Polizei und Demonstranten in Kassel wieder ganz gut miteinander leben.

Nun denn, weiter ging’s auf den Königsplatz. Zugegeben, dort ging unser Zug ein wenig unter – auf dem Kö ist einfach zu viel Platz. Bei einem kurzen Zwischenstopp an der Haltestelle wurde ich dann auch wieder Zeuge merkwürdiger Auffassungen mancher Rentner. Ursache: Zwei (wenn ich mich richtig erinnere) kleine Fahnen der Linken im Demonstrationszug. Gegenstand: Die Kommunisten sind natürlich auch wieder dabei. Klägliche Versuche, dem netten Mann zu erklären, dass es durchaus einen großen Unterschied zwischen KP und der Linken gibt, scheiterten natürlich. Resultat: Jedenfalls bei diesem Mann wurde über zwei Fahnen der komplette Demonstrationszug als Rote Gefahr eingestuft. Schade eigentlich, aber die Ewiggestrigen wird man in allen Lagern nicht überzeugen können.

Wir zogen also weiter durch die Fußgängerzone. Kurz vor dem Rathaus wurde dann noch der obligatorische Abschlusssprint eingelegt. Am Rathaus dann die Abschlusskundgebung mit Redebeiträgen von AStA, DGB und der Kasseler Schülerschaft, die auf ihren Schülerstreik kommenden Donnerstag aufmerksam machten. Danach wurde die Demo offiziell aufgelöst.

Ein paar wenige machten sich dann noch auf den Weg zur CDU-Zentrale, dort wurden sie aber schon freundlich von der Polizei empfangen. Bis ich ging, passierte dort nichts besonderes mehr. Polizei und Demonstranten machten sich einen netten Nachmittag – keine besonderen Vorkommnisse.

Bleibt letztendlich nur noch der Dank an die Unterstützer aus politischen und gewerkschaftlichen Lagern. Besonders hervorzuheben ist die Kasseler Schülerschaft, deren Streik wir am Donnerstag natürlich unterstützen werden. Los geht’s dann um 10:00 Uhr am Rathaus. Meine Fotostrecke ist bei Ipernity abgelegt, falls es jemanden interessiert ;-)


6 Meinungen zu “Nachbericht: Spontandemo gegen Roland Koch in Kassel”

  1. Robert sagt:

    Polizei und Studenten konnten in Kassel eigentlich immer gut leben, ich erinnere mich an nur zwei Demos, bei denen es anders war: Am 12. Juni 2006, während der WM, waren wir Studenten ja eh nicht zu Gast bei Freunden, und die einzige Demo 2007 war kurz vor Heiligendamm, da haben sie bestimmt ihre LiMo-Datenbank aktualisiert.

  2. Thomas sagt:

    Ich weiß zwar keine Daten mehr, aber gerade 2006 ist mir da insgesamt als etwas ‚heikel‘ in Erinnerung geblieben. Wobei ich betonen muss, dass ich damit nicht meinte, dass es dauernd zu Übergriffen kam. Gespannte Verhältnisse zählen für mich da auch schon und Polizei mit Riesenaufgeboten, Kampfmontur und Schlagstöcken provokant griffbereit oder in der Hand, zähle ich dazu. Ich bin da aus 2003/04 in Südhessen noch andere Verhältnisse gewohnt. Da gab es im Kern ein sehr kooperatives Verhältnis zwischen Polizei und Demonstranten, auch wenn die Nachdemos da ganz andere Ausmaße hatten.

  3. Robert sagt:

    Südhessen? Da ging’s ja 2006 so richtig rund. Ansonsten ging es. Klar hatten die auch häufig auch ihre Montur an und den Schlagstock am Gürtel, aber ich habe in Kassel eigentlich nie die behelmten Kollegen oder gar welche von der BFE gesehen. Und von denen im „Kampfanzug“ gab es auch viele, mit denen man sich abseits ganz gut unterhalten konnte – die haben ja selbst Kinder, die studieren.

  4. Thomas sagt:

    Wie gesagt, ich hatte noch den krassen Gegensatz aus 2003/04. Das brennt sich irgendwie ein.

    2006 in Kassel kann ich mich noch an genau eine solche Situation erinnern. Der Sternmarsch, ich wohnte noch an der Willi-Allee. Von der Grimm-Schule kommt eine klägliche Gruppe von etwa 50 Schülern in Richtung Rathaus gezogen. Drumrum mindestens genauso viele Polizisten, Kampfmontur, Helm mit Visier unten und mindestens jeder Zweite mit Schlagstock in der Hand. Keine Sau in dem Zug war auch nur ansatzweise aggressiv. Das sind die Momente, die prägen. Und genau wegen sowas betone ich auch immer wieder gerne, wenn die Kooperation zwischen Polizei und Demonstranten funktioniert. Auch vorteilhaft für die Polizei und vor allem sollte es genau so sein.

  5. Robert sagt:

    Achso, der Sternmarsch. Das war die einzige Demo, bei der ich nicht dabei war. Aber so gegen die WM hin waren die Cops eh total unentspannt, wahrscheinlich gefiel das ihrem Dienstherren nicht, dass es so wenig Krawalle gab. Es ist wie bei G8: Solange alles friedlich läuft, muss man sich auch noch mit Inhalten auseinandersetzen.

  6. Thomas sagt:

    Ich hatte damals dann auch beschlossen, lieber nicht hin zu gehen. War ein imposantes Bild: Wenn’s 50 Schüler in der Gruppe waren, waren es viele. Und die Polizei Mann an Mann in Vollmontur drumrum. Die hatten quasi einen permanenten Kessel gebildet. Extrem skurriles Bild. Die Schüler haben sich kaum getraut die Pfeifen zu benutzen.

    Ich weiß auch nicht, so ein bisschen makaber ist das schon, immer vor größeren Veranstaltungen solche Schlagzeilen zu provozieren. Wirft ein merkwürdiges Bild auf die Innenpolitik. Auf der anderen Seite, ist der Ruf erst ruiniert…

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