Big Brother – Nach der Staffel ist vor der Staffel

Heute neigt sich die mittlerweile 8. Staffel des RTL II Realityformats Big Brother ihrem Finale zu. Ab 21:15 Uhr werden die verbliebenen Bewohner im Rahmen der ‚grandiosen‘ Finalparty aus dem Container ziehen. Ein Grund mehr, mal wieder ein Auge auf das Konzept zu werfen.

Überraschend finde ich ja ohnehin, dass sich das Format tatsächlich immernoch zu lohnen scheint. Trotz einiger Krisenstaffeln (bestes Beispiel: Big Brother – Das Dorf) kommt doch – obschon ich mir zum Ende jeder Staffel bislang dachte, das muss doch langsam die letzte gewesen sein – immer wieder die nächste, vermeindlich letzte Staffel. Überraschend vor allem unter dem Gesichtspunkt, dass die Einnahmequellen immer deutlicher optimiert werden, was ich schon als Indiz für fehlende Rentabilität sehe. Beispiel die Telefonvotings: Anfangs konnte man immer nur für den Kandidaten anrufen, den man aus dem Haus wählen wollte. Mittlerweile sieht das anders aus: In den Pränominierungswochen kann man seinen Favoriten schützen, in den Nominierungswochen dann neben der Raus-Stimme auch noch für all diejenigen anrufen, die man lieber im Haus sehen will, um die Verhältnisse zu verschieben.

Ein anderes Beispiel, das ich schon thematisiert hatte, ist die zunehmende ‚Verekeligung‘ der Matches und persönlichen Herausforderungen: Big Brother neigt mittlerweile zum Dschungelcamp ohne Dschungel. Von Pansensuppe über Mäuseschwänzchen und tote Fliegen bis hin zu Drinks, bei denen sich die Teilnehmer vor laufender Kamera übergeben mussten, war alles dabei. Matches beinhalten zunehmend animalisches: Vogelspinnen im Gesicht, Baden in Kakerlaken oder Kopf in Heuschreckenkäfig stecken. Alles in Allem, im Gegensatz zu seinen Anfangstagen entwickelt sich Big Brother zum Ekelfernsehen, dessen Beliebtheit nur von der perversen Freude des modernen Menschen an der Demütigung anderer teilhaben zu dürfen herrührt. Das gleiche Prinzip, auf dem auch das Dschungelcamp aufgebaut ist. Ganz unweigerlich stellt sich die Frage, was für Menschen sich überhaupt auf sowas einlassen?

Interessant scheint mir auch, dass (meines Wissens, man möge mich korrigieren) in der laufenden Staffel 8 zum ersten Mal schon Wochen vor dem Finale für die kommende Staffel 9 geworben wird. Scheinbar gehen RTL II resp. Endemol die Bewerbungen aus – oder nur von Charakteren, die eine strategisch möglichst sinnvolle Zusammensetzung der Bewohner zulassen? Allerdings kann man das auf die Zukunft gesehen auch eher vernachlässigen. Wer weiß, ob Endemol in 5 Jahren überhaupt noch casten muss. Vielleicht reicht dann auch ein kurzer Anruf beim Bundesministerium des Inneren und anstelle von ‚Big Brother – Das Dorf‘ kommt halt ‚Big Brother – Das Land‘.


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