Ein (versautes) Wochenende mit der Bahn

Jaja, es war mal wieder soweit. Vergangenen Mittwoch musste ich mich gen Heimat bewegen. Als armer Student natürlich mit der Bahn und natürlich ausschließlich mit Nahverkehrszügen. Und wie üblich wurde das wieder zum Desaster. Aber von vorne.

Ausgangslage und Ziel

Mittwoch hin, Sonntag wieder zurück. Semesterticket gilt bis Treysa (NVV-Gebiet), also Anschlussticket für zwei Stationen bis Stadtallendorf (RMV-Gebiet) im RE lösen. In Stadtallendorf raus um das große Ticket fürs RMV-Gebiet zu lösen, dann mit dem ~5min später fahrenden Mittelhessenexpress runter nach Frankfurt. Auf der Rückfahrt sollte das ziemlich analog laufen. In Frankfurt das große RMV-Ticket lösen, dann in Stadtallendorf raus um die 2 Stationen Übergangsticket zu lösen, 50min warten und ab Treysa wieder per Semesterticket fahren. Soviel zum Plan.

Die Hinfahrt

Los ging es also Mittwoch mit dem RE Kassel – Frankfurt, soweit alles gut. Zwischen Wabern und Treysa kontrolliert dann der Schaffner mein Semesterticket – offensichtlich exzellent gelaunt, sonst hätte er nicht auch noch meinen Perso sehen wollen. Ehrlich, wie ich bin, sage ich dann extra, dass ich gerne ein Anschlussticket bis Stadtallendorf bei ihm lösen würde. Und schon ging der Ärger los. Das Ticket könne man nicht mehr im Zug nachlösen, war seine Antwort. Ich, natürlich total verwundert, weil das bislang nie ein Problem war, wollte mir dann mal genauer erklären lassen, wie ich denn dann nach Stadtallendorf kommen soll? Kann ja nicht die Lösung sein, dass man grundsätzlich in Treysa raus muss, um sich dort das Übergangsticket zu lösen. Und am Automaten in Kassel gibt’s jedenfalls keine Tickets ins RMV-Gebiet. Seine Antwort lief dann etwas unsicher darauf hinaus, dass ich mir das Übergangsticket in Zukunft in Kassel am NVV-Schalter lösen müsse, weil ich mindestens von Treysa bis Marburg buchen müsse, damit er mir ein Anschlussticket ausstellen könne. Missmutig meinte er dann, er dürfe das zwar eigentlich nicht und eigentlich müsse er mir ja jetzt 40 Euro wegen Schwarzfahrens berechnen (wir waren noch vor Treysa, also fuhr ich noch mit meinem Semesterticket ;-)), aber er würde mir das Anschlussticket ausstellen. Darauf verzichtete ich dann ob einer Vorahnung, was das wohl nach der Diskussion kosten würde, und stieg kurzentschlossen in Treysa aus. Dort schnell das Übergangsticket gezogen und ab in den Mittelhessenexpress, den ich eigentlich erst in Stadtallendorf besteigen wollte.

Damit war meine ursprüngliche Zeitplanung über den Haufen. In Stadtallendorf bin ich dann, wie geplant, wieder ausgestiegen. Zu meiner Überraschung wird da gerade der Gleis 1 Bahnsteig neu gebaut, so dass wir auf einem Holzbahnsteig standen. Doch dazu später mehr. Naja, wenigstens war ein RMV-Automat da, also löste ich mein großes RMV-Ticket und wartete eine Stunde auf den nächsten RE. Mit einer guten Stunde Verspätung kam ich dann also in Frankfurt resp. Groß-Gerau an; um eine weitere Bahn-stinkt-Erfahrung reicher.

Die Rückfahrt

Wenn du denkst, es geht nicht schlimmer, dann wird es garantiert noch schlimmer. Die Rückfahrt ist, wie erwähnt, eigentlich völlig unproblematisch. Allerdings hätte ich mir vielleicht vorher überlegen sollen, ob ich ausgerechnet auf der Baustelle Stadtallendorf umsteigen möchte. Ich hätte es lassen sollen.

Ein kurzer Exkurs zur Baustelle: In Stadtallendorf wird offensichtlich gerade nicht nur der Bahnhof runderneuert, sondern außerdem direkt schräg gegenüber dem Bahnhof (auf der anderen Seite der Gleise) zusätzlich ein, ich tippe auf, Industriegebiet erschlossen. Das Problem besteht nun darin, dass die Züge, die in Richtung Kassel fahren, auf Gleis 3 halten, die Richtung Frankfurt auf Gleis 1. Allerdings ist im Zuge des Umbaus die Unterführung zwischen den Gleisen geschlossen, so dass man von Gleis 3 nicht ohne etwa 1,5km Umweg zum Bahnhofsgebäude kommt. Dafür wurde ein kostenloser Shuttleservice eingerichtet, der die Fahrgäste zwischen Gleis 1 (Bahnhofsgebäude) und Gleis 3 hin und her befördert. An sich eine nette Sache. Das zweite Problem besteht nun darin, dass an Gleis 3 kein Fahrkartenautomat steht. Sowohl RMV-, als auch DB-Automat stehen ausschließlich vor dem Behelfsbahnsteig für Gleis 1. Man muss also mit dem Shuttle zu Gleis 1, dort sein Ticket lösen und wieder mit dem Shuttle zurück zu Gleis 3. Soweit zur Theorie, nun die Praxis.

Ich also in Stadtallendorf raus mit rund 40min Wartezeit. Dummerweise stellte ich erst da fest, dass sich an Gleis 3 kein RMV-Automat befindet. Also raus aus dem Bahnhofsgelände und das angekündigte Shuttle suchen. Damit wäre das Ziehen des Tickets innerhalb der 40min ja grundsätzlich noch machbar gewesen, wenn.. ja wenn die Shuttlebusse auch gekommen wären. Nach 10min Wartezeit gab ich den Plan auf und hoffte, irgendwie zu Fuß noch legal auf die andere Seite zu kommen. 30min sollten dafür ja eigentlich noch geradeso reichen, denkste.

Man macht sich also auf den Weg, dem Wegweiser folgend, der eine nahegelegene Unterführung als Fußweg empfahl. Nach 5min Wandern mit komplettem Marschgepäck (natürlich im Seesack, Trollies sind ja sowas von zu trendy) sah ich besagte Unterführung dann auch in der Ferne. Dumm nur, dass einerseits zwischen mir und ihr die umzäunte Baustelle Industriegebiet lag, ihr Eingang andererseits sowieso von einem überdimensionierten Holzbrett versperrt wurde. Damit war der ach so problemlose Fußweg plötzlich nicht mehr so ach so problemlos. Aber von sowas lässt man sich ja nicht abschrecken, also lief ich weiter die Baustelle entlang.

Nach 1,5 bis 2km kam ich dann auch tatsächlich ziemlich nass geschwitzt auf der anderen Seite der Gleise beim Bahnhof an. Meine Chancen, den geplanten Anschluss noch zu erreichen, gingen langsam gegen Null, allerdings gab es ja noch die Hoffnung, dass hier vielleicht ein Shuttle zu finden ist. Aber erstmal ab zum Ticketautomaten, wo das Drama seinen nächsten Akt fand. Der RMV-Automat stellte sich schnell als ein solcher heraus, der lediglich Tickets für das RMV-Gebiet ausspuckte. Kein Wunder, er steht ja auch an einem Gleis, von dem keine Züge aus dem RMV-Gebiet heraus fahren. Der würde mir mein Übergangsticket also nicht verkaufen. Aber da war ja noch der nette DB-Automat. Gut, da wäre das Ticket dann gleich wieder doppelt so teuer, aber zu dem Zeitpunkt war mir das dann auch ziemlich scheißegal. Also schnell Treysa in den Automaten getippt und die Fahrtmöglichkeiten ausgeben lassen. Uns siehe da, der RE, den ich gerade noch so erwischen wollte, stand sogar dabei. Dumm nur, dass in der Preisspalte nur ein müder Kommentar in Richtung „Übergangstarif im Nahverkehr. Ticket bitte am Automaten des Verkehrsverbundes lösen.“ zu lesen war. Aha, die Bahn kann mir das Ticket also nicht verkaufen und der RMV will’s nicht. Dafür bin ich also ein Mal quer durch Stadtallendorf gewandert.

Zu dem Zeitpunkt war mir dann auch alles egal. Der neue Plan war, die zwei Stationen bis Treysa einfach schwarz zu fahren. Sollte mir ein Schaffner da blöd kommen, müsste er als willkommenes Ventil herhalten. Also wieder zügig zum Shuttlepoint und, wer hätte das gedacht, wieder keins da. 10min gewartet und den geplanten Anschluss mittlerweile abgeschrieben, dann beschloss ich, dass ich wohl wieder zu Fuß gehen darf. Also die ganze Strecke nochmal zurück. An Gleis 3 kam ich dann 10min nach meinem RE und, wie mir mein Handy schnell mitteilte, denn einen Fahrplan gibt’s auf der Baustelle ja auch nicht, eine Stunde vor dem nächsten RE an. Die Wartezeit überbrückte ich mit exzessivem Rauchen und der Anmeldung und Installation der RMV-Handyticket-Software auf mein Handy. Ein letzter, gut gemeinter Versuch, doch noch an ein Ticket zu kommen. Als ich damit fertig war stellte sich natürlich heraus, dass mir die Software auch nur Tickets innerhalb des RMV-Gebietes verkauft. Aber immerhin war die Stunde rum.

Im RE kam dann das, was kommen musste. Zwischen Stadtallendorf und Neustadt kam der Schaffner. Diesmal aber wenigstens ein zwar wortkarges, aber immerhin kooperatives Exemplar. Ich erklärte ihm kurz meine Lage, dass ich in Stadtallendorf offensichtlich mangels Automaten kein Ticket bis Treysa bekomme, dass ich es per Handy auch nicht buchen kann etc. pp. Jedenfalls tippt er eine Weile lang in seinem Maschinchen rum und tauscht 3,70 Euro gegen das gewünschte Ticket. Interessanterweise ist das genau der Betrag, den ich auf der Hinfahrt am Automaten bezahlt habe. Scheinbar gibt es also doch noch Bahn’ler mit gutem Herz. Und überraschenderweise ist das fast exakt das Ticket, das man angeblich nicht mehr im Zug lösen kann.

Na dann, beim nächsten Mal werde ich wieder versuchen, mein Ticket beim Schaffner zu bekommen. Mal gucken, was ich dann erzählt bekomme.


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