Google: Freund, aber zu welchem Preis?

Die Debatte um Google gibt es ja schon lange. Letztes Jahr wurde sie einmal mehr angeheizt, als veröffentlicht wurde, das Google vermittels ihrer gesammelten Userinformationen erschreckend treffende Profile ihrer Nutzer herstellen kann. Google kann eine Suchanfrage offensichtlich auch ohne übereinstimmende IP relativ leicht einem Nutzer zuordnen.

Die Debatte nimmt kein Ende und meines Erachtens ist das auch gut so. Allerdings nimmt sie Ausmaße an, die der Realität wohl eher fern sind. Da spricht ein Herr Konken davon, dass Google Meinung machen würde und Journalisten – und dementsprechend auch jedem anderen Urheber – insofern schaden würde, als dass es Inhalte kostenlos anbieten würde, die eigentlich nicht kostenlos sind oder auch sonst an den urheberrechtlich geschützten Ergüssen der Urheber verdienen würde. Das ist in meinen Augen natürlich Schwachsinn und zeugt nur ein Mal mehr von der Unwissenheit, mit der Herr Konken seinen Kampf gegen das Internet führt.

Was allerdings weit mehr der Realität entspricht, sind die Punkte, die Sascha Lobo und Alexander Dix im oben zitierten Interview ansprechen. Google sammelt Daten; maßlos und offensiv. Jeder, der sich mit der Materie auch nur minimal beschäftigt, weiß, dass jede Suchanfrage für einen ziemlich langen Zeitraum nebst Metainformationen bei Google gespeichert und verarbeitet wird. Verarbeitet in dem Sinne, als dass sie anderen Suchanfragen oder Nutzungen der diversen Google-Dienste zugeordnet wird. Letztendlich ist es Realität, dass Google dank ihrer Angebotsvielfalt mindestens vermittels IP- und Cookie-Zuordnungen relativ leicht sehr treffende Benutzerprofile erstellen kann. Hierin liegt die Gefahr, die, abgesehen von aller Freiheitsbemühungen im Netz, unbedingt eingeschränkt gehört. Welchen Schaden solche Macht anrichten kann, da erinnere ich mich auch nur noch dunkel an einen Fall, der etwa vor einem Jahr im Zuge der Debatte um Vorratsdatenspeicherung durch die Ticker ging: Google hatte bereitwillig ohne richterlichen Beschluss Einblick in ein GoogleMail-Konto geboten. Solch leichtsinniger Umgang mit Daten darf nicht sein. Um Google da aber etwas aus der Primärschuld zu nehmen, zahlreiche ISPs hatten ähnliches ebenfalls im Laufe der Zeit getan, soweit ich mich erinnere.

Was ich primär vertrete: Google darf prinzipiell Daten sammeln, soviel sie wollen. Da kann ihnen grundsätzlich keiner was, denn die entsprechenden Dienste bieten sie zu gewissen Konditionen frei an. Google darf diese Daten von mir aus auch vernetzen (darum nutze ich außer der Suchmaschine keinen Google-Dienst ;-)), auch das kann man ihnen prinzipiell nicht verbieten. Allerdings haben die Daten bei Google zu bleiben. Es kann nicht sein, dass andere Institutionen, ob staatlich oder privat, von solch detaillierten Nutzerprofilen leichtfertig profitieren können. Die einzelnen Google-Sparten müssten in diesem Punkt getrennt gesehen werden und ebenso ihr Datenbestand. Dass das schwer fällt ist mir klar. Datenschutzrechtlich ist es aber zwingend notwendig. Daten dürften nur teilverfremdet (beispielsweise ohne Cookie-Informationen, damit eine Zuordnung über die IP hinaus nicht möglich ist) herausgegeben werden. Sonst kann ich mir auch gleich bereitwillig einen Bundestrojaner auf meinem Rechner installieren (wenn es denn eine Linux-Version des Parasiten gibt).

Letztendlich bleibt zu sagen, Google ist vielleicht im Wortsinn der Global Player schlechthin. Jeder Mensch benutzt es, mindestens die Suchmaschine. Daraus resultieren Daten, die schier undenkbare Auswertungsmöglichkeiten ermöglichen. Daraus resultiert in gewissem Sinne Macht. Aber Macht ist immer mit Verantwortung verbunden. Und die hat Google in der Vergangenheit nicht immer bewiesen. Man (ich) hofft auf Besserung und nutzt weiterhin nur die Suchmaschine ;-)


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