Abmahnungen und ihre Vorstufen

Abmahnungen aus den wahnwitzigsten Gründen machen ja gerade wieder die Runde im Netz. Nachdem ich mir nun einige Zeit zum Nachdenken genommen habe, möchte ich dazu auch nochmal meinen Senf abgeben. Im Kern geht es um das Abmahnverhalten allgemein, speziell um einen mich betreffenden Fall, der zwar bis dato nicht bis zur Abmahnung kam, mich aber trotzdem nach wie vor aus unterschiedlichen Gründen beschäftigt. Ich werde ihn so abstrakt wie möglich schildern, um eine Zuordnung im Interesse der „geschädigten“ Person zu vermeiden. Grundsätzlich ist das hier im Nachhinein auch ein Versuch, der entsprechenden Person, auch wenn ich nicht davon ausgehe, dass sie diesen Post jemals lesen wird, verständlich zu machen, warum ich mir bei der Äußerung damals nicht viel Böses dachte.

Gut, fangen wir langsam fast an. Vorweg schicken möchte ich nochmals die förmliche Entschuldigung dafür, dass mein Humor sich offensichtlich nicht mit dem der betroffenen Person (im Folgenden anonymisiert Herr A. A.) gedeckt hat. Unter diesem Umstand sehe ich nach wie vor ein, dass man sich angegriffen fühlen kann, auch wenn ich mich nicht angegriffen fühlen würde. Das corpus delicti dreht sich, um nun endlich zu beginnen, um eine prinzipiell öffentliche Äußerung meinerseits über den Namen des Hern A. A., in der ich seinen Namen als Scherznamen bezeichnete und in der Folge mein Verblüffen ausdrückte, dass der Name nicht geändert wurde, obwohl das sicherlich rechtlich möglich gewesen wäre. Die Tatsache, dass ich entsprechende Äußerung tat, lag grundsätzlich schon in der Annahme begründet, wenn jemand diesen Namen bis dato nicht geändert hat, müsse er hinsichtlich seines Namens ein ziemlich großes Selbstbewusstsein haben und somit über solchen Äußerungen stehen.

Nun, rund zwei Wochen nach der Äußerung rief mich Herr A. A. aber nun an. Per Festnetz, ich vergaß nachzufragen, wo er die Nummer eigentlich her hätte, auch wenn ich ihm die Recherche über die DENIC nicht übel genommen hätte; es hätte mich einfach interessiert, denn im Telefonbuch sollte ich nicht stehen. Da das Ganze aber nicht über meine Domain stattfand, hätte die Abfrage der Daten über die DENIC grundsätzlich gegen die Nutzungsbedingungen der DENIC für die WHOIS-Funktion verstoßen. Wurscht, ich rechne ja damit, dass man meine Daten dort sucht.

Er rief mich also an und teilte mir hörbar erbost mit, dass ich die entsprechende Äußerung beseitigen und mir in Zukunft Gedanken über das, was ich so von mir gebe machen solle. Grundproblem war, dass die besagte Äußerung beim Googlen des Namens von Herrn A. A. mittlerweile auf der ersten Seite erschien – kann ich mir nicht erklären, denn so populär bin weder ich noch die Äußerung. Herr A. A. argumentierte damit, dass dieses Suchergebnis auf der ersten Seite im Grunde schädigend für seinen Beruf wäre. Na gut, ich löschte sie also. An dieser Stelle sei ein Dank an Herrn A. A. dafür angebracht, dass er mich direkt kontaktiert hat, statt gleich eine Abmahnung in Auftrag zu geben.

Jetzt muss ich aber im Nachhinein auch einen anderen Punkt erwähnen: Stand heute (und anders sah es zum Zeitpunkt des Anrufs auch nicht aus) findet man per Google auf den Namen des Herrn A. A. auf den ersten zwei Ergebnisseiten genau sieben Hits, die sich auch beruflich im weitesten Sinne (Erwähnungen in Veröffentlichungen) auf seinen Namen beziehen. Ein weiterer Großteil stammt von StayFriends und Personensuchmaschinen. Auf der zweiten Seite beginnen schon die Einträge, die sich nicht mehr auf die Kombination von Vor- und Nachnamen beziehen, sondern nur einen der beiden behandeln. Eine persönliche Homepage oder ähnliches ist nicht in den Suchergebnissen.

Auch wenn ich, wie gesagt, nachvollziehen kann, dass Herr A. A. den Wortwitz bzgl. der Namenskombination selber nicht witzig findet, muss ich doch mal eines sagen: Wer in dem Maße nichts für sein Suchprofil bei Google tut, braucht sich nicht zu wundern, wenn unausgegorene Äußerungen, wie meine, die von kaum einem Menschen gelesen werden, plötzlich ganz oben in den Hits auftauchen. Also bitte, wenn ich ein beruflich-sauberes Google-Profil haben will, dann ist da mindestens ein Eintrag drin, der auf irgendwas berufliches verweist. Sei das nun ein XING-Profil oder, wie bei bspw. Wissenschaftlern üblich, der Hit auf die Mitarbeiterseite der jeweiligen Fach-/Arbeitsgruppe der Hochschule. Sogar Diplomanden, die nur irgendwo ganz unten im Arbeitsgruppen-Staff auftauchen, kriegen den Hit ohne Zutun auf Seite 1 bei Google, wenn ihr Name sonst nicht groß im Netz auftaucht.

Was ich damit sagen will: Wenn der berufliche Status auf den ersten beiden Ergebnisseiten von Google nicht auftaucht und stattdessen StayFriends & Co. gefunden werden, sehe ich absolut keine schlüssige Argumentation, ein schwarz-humoristischer Hit könnte der Reputation schaden. Denn dann legt man offensichtlich so wenig Wert auf sein Google-Profil, dass dieses grundsätzlich irrelevant ist.

Aber zum Bogen zu Abmahnungen. Ich habe keine Ahnung, ob mich Herr A. A. allein aufgrund dieser scherzhaften Äußerung hätte abmahnen können, ich will es auch eigentlich gar nicht wissen. Was mich aber grundsätzlich am deutschen Recht stört ist, dass er überhaupt davon ausging, mich abmahnen zu können. Wegen einer unsinnigen Bemerkung, die, so schätze ich Google ein, nur aus einem Grund auf Seite 1 der Hits erschien: Der Name des Herrn A. taucht so selten im Netz auf, dass sogar eine unpopuläre Äußerung wie meine, die weniger als 100 Leute gelesen haben, nach ganz oben kommt. Da kann ich nur sagen, wenn ich beruflich sinnvolle Hits auf Seite 1 sehen will, muss ich auch was dafür tun. Und wenn man Sachen abmahnen kann, die in Zusammenhängen auftreten, auf die man offensichtlich wenig Wert legt, dann läuft im Abmahnrecht noch mehr falsch, als ich bislang dachte, und es wäre mal mehr als höchste Zeit, dass die Politik da im 21. Jahrhundert ankommt.


2 Meinungen zu “Abmahnungen und ihre Vorstufen”

  1. rauskucker sagt:

    Ich hatte ja irgendwie damit gerechnet, daß als Belohnung für das Lesen dieses doch recht langen Textes am Ende ein Hinweis darauf winken würde, wie denn nun dieser so unglaublich komische Name lautet.

  2. Thomas sagt:

    Den gibt es selbstverständlich nicht. Darum steht eingangs ja auch, dass ich das so anonymisiert wie möglich texte, um der entsprechenden Person nicht zu nahe zu treten. Würde ich vielleicht wagen, wenn ich die voraussichtlich nötige Kohle hätte, aber selbst da wäre ich mir nicht sicher. Letztendlich ging es ja auch nicht um die Person hinter dem Namen, sondern um die rechtliche Lage an sich.

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