Versicherungspolitik

Ich habe schon des öfteren darüber nachgedacht, mir eine private Rechtsschutzversicherung abzuschließen. Das würde sich auch wirklich anbieten, weil ich ‚kleinere‘, meist vertragsrechtliche Probleme wie ein Magnet anzuziehen scheine. Beispielsweise verschwinden bei mir fast regelmäßig Kündigungen, die ich sogar mit Rückschein geschickt habe. Im konkreten Fall waren zwei Kündigungen in einem Umschlag und eine sollte nicht angekommen sein (sehr logisch übrigens, großer Mobilfunkanbieter, den es mittlerweile unter seinem damaligen Namen nicht mehr gibt). Auch Kündigungen, die ausdrücklich per Email (signiert) erwünscht waren und mit Lesebestätigung rausgingen, kamen angeblich nicht an (die Lesebestätigung wurde mir aber geschickt).

Sowas zieht dann grundsätzlich einen Rattenschwanz an Mahnungen, Gegenmahnungen, dadurch Portokosten und psychischen Stress durch diese ’schwebenden Verfahren‘ mit sich; ich habe ja jetzt auch nicht wirklich das Geld, das zu bezahlen, was da teilweise im Raum stand. Gut, bislang haben alle irgendwann klein beigegeben, was aber mitunter mal 9 Monate dauern konnte. Kurzum, es ist nervenaufreibend. Da läge ein Rechtsschutz nahe. Einfach den Vorgang weitergeben und sich um kaum etwas Sorgen machen müssen. Zumal der Briefbogen einer Sozietät meist schon Wunder bewirkt. Ganz davon abgesehen blogge und twittere ich ja auch noch halbwegs regelmäßig und nehme stellenweise auch kein besonderes Blatt vor den Mund. Eigentlich verwundert es mich selber, dass ich mir bislang noch keine Abmahnung eingefangen habe.

Da ist dann aber genau der Haken: Abmahnungen werden vom Rechtsschutz nicht abgedeckt. Und warum? Weil sie ein unkalkulierbares Risiko sind. Und warum? Weil das deutsche Recht eine so unmögliche Abmahnpolitik ermöglicht, dass für die Kosten fast schon verständlicherweise keiner in die Bresche springen will.

Im Gegenzug muss man dann aber auch fragen, wozu man eigentlich einen Rechtsschutz braucht, wenn die Fälle, die einen am problemlosesten wirtschaftlich ruinieren können, nicht abgedeckt werden?

Ähnliche Erfahrungen habe ich mit Berufsunfähigkeitsversicherungen gemacht. Der eine oder andere mag es wissen, ich hatte in 2004 einen schweren Motorradunfall (unverschuldet), der mich eine Niere gekostet hat. Damals war ich noch Student in Darmstadt, hatte mir vorher also über eine BU wenig Gedanken gemacht. Nach dem Unfall rückte das Thema in den Fokus, allerdings primär nicht wegen Spätfolgen. Es war ein Unfall auf dem Weg zur Arbeit, insofern wird er sowieso von der entsprechenden Berufsgenossenschaft bzw. wegen unverschuldet von der Haftpflicht des Unfallverursachers abgedeckt.

Wir versuchten damals also, Angebote von diversen großen Versicherern einzuholen. Letztendlich lief es darauf hinaus, dass ich im besten Fall eine BU abschließen könnte, die durch den Unfall so viele Ausschlussklauseln hat, dass sie zu 95% niemals zahlen müsste. Die meisten Versicherer wollten mir erst gar kein Angebot machen, was in dem Fall die ehrlichere Variante war. Allerdings stellt sich dann doch die Frage, wozu das System BU überhaupt gut sein soll, wenn es nur „risikolos“ abgeschlossen werden kann?

Ganz ehrlich, bei einer BU wird jeder Fliegenschiss an Vorschädigung (Wirbelsäulenfehlstellungen sind das beste Beispiel) aufgenommen und zieht in der Folge einen mächtigen Kuhfladen an Klauseln, die nicht unter den Versicherungsschutz fallen, nach sich.

Liebe Versicherer. Ich will mich doch gerade wegen möglicher Risiken versichern. Wenn ich wüsste, dass ich kerngesund wäre und nicht berufsunfähig würde, bräuchte ich auch keine Versicherung. Im Falle der BU besonders interessant, weil diverse Möglichkeiten, berufsunfähig zu werden, ja sowieso von anderen Versicherungen abgedeckt werden (Bsp. Arbeitsunfälle).

Gut, zurück zu den Rechtsschutzversicherungen. Neugierig, wie ich üblicherweise bin, habe ich also versucht, mich in einem ersten Rundumschlag im Netz über die Qualität zahlreicher Versicherer schlau zu machen. Primär interessant sind für mich die Punkte Kulanz in der Abwicklung und Modularität der Policen. Leider ließ sich in diesem ersten Rundumschlag kein einziger Versicherer finden, der sich in puncto Regulierung wirklich positiv hervor getan hätte. In der Hinsicht gab ich also auf und gab die Qualitätsfrage an einen Anwalt weiter. Der muss ja wissen, mit welchen Versicherern sie keine Probleme haben.

Die Sache mit der Modularität schwebt bis dahin so im Raum. Ganz ehrlich, wozu soll ich ein Rundum-Sorglos-Paket abschließen, wenn ich für mich sagen kann, dass ich Verkehrs-, Miet-, Arbeits- und Co.-rechtsschutz definitiv nicht brauche? Ich bezahle doch keine zwei, drei oder vier Leistungen, wenn ich nur eine davon haben will. Ich meine, ich sehe ein, dass das Versicherungswesen grundsätzlich eine Mischkalkulation ist. Aber selbst die sollte eigentlich auch funktionieren, wenn jeder das versichern kann, was er braucht. Funktioniert bei anderen Versicherungsarten ja auch.


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