#Aufschrei – Ein Kommentar

Einleitend: Eine Diskussion, die – sicherlich ob ihres netzaffinen Charakters – nicht die Gesamtgesellschaft einschließt, hat über ein Hashtag den ebenso netzaffinen Grimme Online Award gewonnen. Meinen erneuten Glückwunsch dazu. Vor allem, weil es eben etwas, für Preisverleihungen so untypisches wie eine Diskussion ist. Das an sich ist bemerkenswert.

Leider hat die Geschichte ihre Schattenseiten. Das Thema ist sicher relevant – ich biete mal Angriffsfläche – das wird jeder halbwegs gesund denkende Mensch verstehen. Letztendlich geht es aus meiner Sicht um Angst und Unsicherheit, vorwiegend um ersteres. Angst ist indiskutabel. Mir kann die Ursache noch so wenig in mein Weltbild passen, löst sie bei jemand anderem Angst aus, ist das so und das lässt sich weder relativieren noch wegdiskutieren. Leider ist das eine der Schattenseiten, die besonders meine Geschlechtsgenossen in dieser Diskussion oft übersehen.. im besten Fall.

Die andere „Schattenseite“ sehe ich darin, dass es in jeder Diskussion Andersdenkende gibt. Im Optimalfall kann man mit ihnen reden, in normalem Ton. Nicht moderierte Diskussionen bieten allerdings auch denen, die von normalem Ton wenig halten, und Trollen beste Bühnen. Und – das geht an beide Seiten – auf solche Leute einzugehen, schadet immer der Sache und geht immer nach Hinten los. Es liefert denjenigen implizit ihre Pseudoargumente. Und in jeder unmoderierten (und auch in mancher moderierten) Diskussion gibt es Radikale, die es am Besten zu ignorieren gilt, gerade online, denn anders kann man ihnen die Lust an der Radikalität nicht nehmen.

Ich, für meinen Teil, kann den #Aufschrei verstehen. Was ich nicht verstehen kann, sind die Geschlechtsgenossen, die die Ursache dafür bieten und sich auch noch verteidigen. Ich wiederhole gerne, Angst und Unsicherheit sind subjektiv und de facto existent, man kann sie allein ob ihrer Natur nicht wegdiskutieren. Und ebenso gibt es den #Aufschrei auf männlicher Seite und auch der wurde zugelassen. Feministisch-extremistisch ist damit an sich vom Tisch. Genauso haben Männer konstruktiv mit diskutiert und wurden nicht verrissen, auch der Vorwurf der radikalen Männerfeindlichkeit ist damit für mich vom Tisch. Wer konstruktiv ohne Vorurteil diskutieren wollte, der konnte und kann es. Konstruktiv endet aus meiner Sicht, und ich denke, das ist gesund, eben an dem Punkt, an dem Angst relativiert wird, da kann ich dann auch die andere Seite verstehen. Auch wenn die sich sicher auch nicht immer angemessen gerade auf solche (möglicherweise unwissenden/versehentlichen) Grenzgänger gestürzt hat.

Letztendlich wurde eine Diskussion auf breiterer Basis aufgegriffen, bei der es mich an sich beschämt, dass sie notwendig ist. Und notwendig ist sie nach wie vor. Nicht nur auf Seiten bedrängter Frauen, auch Männer können Opfer werden. Am Ende des Tages geht es doch „nur“ darum, dem Mitmenschen mit einem Mindestmaß an Respekt zu begegnen, das gerade einmal ein wenig Nachdenken erfordert, ihm/ihr dafür aber einen Riesenbatzen Lebensqualität beschert.

P.S.: Hier wird aus meiner Sicht übrigens auch nichts relativiert – Stichwort: Vergewaltigungen. Es ging um 140-Zeichen-Kommunikation. Man kann das Hashtag natürlich auch auf den Einzelfall runterdetaillieren, dann werden sie aber so speziell und lang, dass die 140 Zeichen nichtmal für das Hashtag reichen.


Hier gibt's keine Meinungsfreiheit!