Telefonterror a la IM Leipzig

Ich komme ja bekanntlich (glaube ich) aus der Ecke Soziologie. Umfragen, hier speziell telefonische, sind mir also kaum ein Dorn im Auge. Die meisten Institute – ob Meinungs- oder Marktforschung – halten sich bei Telefonbefragungen durchaus auch an die üblichen Standards, die dafür sorgen sollen, dass ebendiese nicht zum Telefonterror werden. Leider gibt es immer schwarze Schafe, die die ganze Branche in Verruf bringen und seriöse Befragungen erschweren. Das IM Leipzig (Institut für Marktforschung GmbH Leipzig) ist ganz offensichtlich ein solcher Kandidat, wie ich seit mittlerweile ziemlich Langem leidvoll feststellen darf.

Angefangen hat alles vor mehr als einem Jahr, genau kann ich mich kaum noch erinnern. Plötzlich bekam ich Anrufe von der Nummer +493419950255 auf meinem Festnetzanschluss. Konnte ich nicht als bekannt zuordnen, also wurden die ignoriert. Wenig später ging es dann auch auf meinem Handy los. Da wurde ich schon hellhöriger, denn meine Handynummer ist eigentlich sehr begrenzt und ausgewählt verteilt.. aus gutem Grund. Auf dem Handy habe ich mich darauf beschränkt, die Nummer zu sperren. Damit war da erstmal Ruhe. Auf meinem Festnetzanschluss fehlt mir diese Möglichkeit; jedenfalls eine schnelle, unkomplizierte Variante. Hinzu kam, dass die Anrufe zwar stoßweise extrem penetrant auftraten (früh morgens, abends nach 20 Uhr, teilweise 10x am Tag), allerdings war dann wieder wochenlang Ruhe. Nach kurzer Googlelei stellte sich dann auch heraus, dass IM Leipzig für dieses penetrante Verhalten durchaus bekannt sind, da die Initialanrufe aber wohl automatisiert durchgeführt werden und nur prüfen sollen, ob die Nummer existiert, ging ich einfach davon aus, wenn ich nie abhebe, stellt der Wählcomputer das dann auch irgendwann fest. Falsch gedacht, macht er nie.

Vorgestern Abend hatte ich nach einem wieder mal unverschämt späten Anruf dann die Nase voll. IM Leipzig bekam eine signierte Mail mit Auskunftsanforderung gemäß § 34 BDSG und Nutzungswiderspruch gemäß § 28, Abs. 4 BDSG. Fristsetzung ganz ordentlich auf 14 Tage, man ist ja kein Unmensch. Email auch nur, weil man’s ja erstmal versuchen kann. Kost‘ nix und vielleicht reicht’s ja.

Nun, offensichtlich reicht’s nicht. Bis jetzt kam zwar noch keine Antwort (verstehe ich sogar, die Mail ist ja erst 2 Tage da), dafür kamen auf Festnetz und Handy heute die nächsten Anrufe.

Jetzt kann sich der geneigte Leser denken, geh doch einfach dran und sag, was du willst, du Depp. Und tatsächlich, an dem Punkt bin ich seit heute auch. Normalerweise widern mich Telefon-, genau wie Haustürgespräche, bei denen die Gegenseite sich nur per Abbruch des Gesprächs (Auflegen, Haustür vor der Nase zuhauen) davon überzeugen lässt, dass man sie (nach fünfmaligem, deutlichem Hinweis, dass man nicht ins Geschäft kommen wird) wirklich loswerden will, an. Daher vermeide ich solche Gespräche, wo es geht. An der Haustür, indem ich gar nicht erst öffne. Am Telefon, indem ich eigentlich nur Anrufe mir bekannter Nummern entgegen nehme und unbekannte Nummern erst durch Google und Co. jage.

Nun, beim nächsten Anruf werde ich hinsichtlich der IM Leipzig wohl eine Ausnahme machen und sie deutlich darauf hinweisen, dass sie eine Mail von mir haben (die, wie ich mir ziemlich sicher bin, natürlich nie eingetroffen ist). Daraufhin wird es die Mail nochmal postalisch per Einschreiben geben. Und wenn dann immernoch nicht Ruhe sein sollte.. nun, dann muss halt der Landesdatenschutzbeauftragte nebst Bundesnetzagentur ran. Irgendwann ist’s ja auch mal gut.


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