Kram von März 2015

Deutschland und die (griechischen) Reparationsforderungen – Ein moralisches Armutszeugnis

Mittwoch, 18. März 2015

Im Moment muss man ja leider alles, was auch nur ansatzweise mit Griechenland zu tun hat und hier medial verbreitet wird, äußerst kritisch hinterfragen. Nachdem ich mich über die Kommentare bei immer mehr der namhaften Onlineportale unserer Leitmedien zunehmend erschreckt aufrege, habe ich mir die Reparationsforderungen der Griechen mal etwas weniger oberflächlich betrachtet. Und nach allem, was ich da bisher gefunden habe, schäme ich mich immer mehr für Deutschland. Traurig aber wahr.

Um das mal geschichtlich aufzuarbeiten, wie es sich für mich bisher herleitet: Nach dem Zweiten Weltkrieg haben die vier Siegermächte (USA, Frankreich, Großbritannien, UdSSR) im Potsdamer Abkommen – stellvertretend für alle anderen Nationen, in denen unsere Vorfahren im Laufe des Naziregimes gewütet haben – u.a. festgelegt, dass die Reparationsforderungen de facto gestundet werden, bis es einen Friedensvertrag mit Deutschland gibt. Der Friedensvertrag wurde an eine gesamtdeutsche Lösung geknüpft, gestundet wurde also bis zu einer Wiedervereinigung.

In der Zwischenzeit hat diese Regelung uns (in der Bundesrepublik) das Wirtschaftswunder ermöglicht. Andererseits wurde das Thema Reparationen von den griechischen Regierungen (ob auch von anderen Drittnationen, in denen wir gewütet haben, habe ich jetzt nicht recherchiert) immer wieder auf die Tagesordnung gebracht und von unserer jeweiligen Regierung mit Verweis auf das Postdamer Abkommen zurückgewiesen. Wir waren ja noch geteilt und einen formellen Friedensvertrag gab es noch nicht, denn der war ja an die Wiedervereinigung geknüpft. So weit, so rechtens; sieht man davon ab, dass die Drittstaaten nie ein Mitspracherecht beim Potsdamer Abkommen hatten.

Als dann die Wiedervereinigung anstand, und damit ein Friedensvertrag, versammelten sich erneut die vier Siegermächte und BRD und DDR und handelten ein Vertragswerk zur endgültigen Regelung aus. Pikant: Das Ding wurde nie Friedensvertrag genannt. Man bastelte den Zwei-plus-Vier-Vertrag, als Statusvertrag, was ihn automatisch für Drittnationen bindend machte, obwohl die nie etwas dazu sagen konnten, und beschloss darin u.a., dass keine Reparationsforderungen mehr geltend gemacht werden. Dazu beschloss man, dass ein gesonderter Friedensvertrag, der auch so heißt, nicht mehr notwendig wäre, weil der Zwei-plus-Vier-Vertrag ja schon alles regelte, was ein Friedensvertrag regeln würde.

Jetzt haben also vier Siegermächte, die Deutschland zu Beginn der Besatzung sowieso schon technologisch und personell (im Rahmen der Spitzenwissenschaft) ‚geplündert‘ hatten (bekanntestes Beispiel Raketenprogramm) unter sich beschlossen, dass alle anderen, im WWII von Nazideutschland besetzten Staaten keine Ansprüche mehr auf Entschädigung haben. Und das Ganze geht so weit, dass sogar die Forderungen nach Rückzahlung von Besatzungskrediten (=Zwangskredite), die ja genaue, belegbare Forderungen ausweisen, mit Verweis auf den Zwei-plus-Vier- oder auch das Fehlen eines Friedensvertrages, der auch genau so heißt, abgeschmettert werden.

Ich will das mal vollkommen losgelöst von Schuldenkrise und EU-Subventionen sehen. Beides hat mit den Forderungen nichts zu tun. Die Schuldenkrise nicht, weil die Griechen die Reparationsforderungen turnusmäßig schon seit mehr als einem halben Jahrhundert stellen, und hinsichtlich der der EU-Subventionen, weil die ein genereller Ausgleich, nicht extra für die Griechen sind. Wenn man’s genau nehmen würde, bräuchten wir sowieso, seit es den Euro gibt, eine Schuldenunion

AT LAST, SIR TERRY, WE MUST WALK TOGETHER.

Donnerstag, 12. März 2015

So begann sie also, die Mitteilung in vier Teilen über den viel zu frühen Tod eines der wirklich großen Schreiberlinge unserer Zeit.

AT LAST, SIR TERRY, WE MUST WALK TOGETHER.
Terry took Death’s arm and followed him through the doors and on to the black desert under the endless night.
(…)
The End.

(Quelle: https://twitter.com/terryandrob/status/576036599047258112, https://twitter.com/terryandrob/status/576036726046646272, https://twitter.com/terryandrob/status/576036888190038016)

Meine Wenigkeit trauert wirklich selten. Normalerweise habe ich ein recht pragmatisches Verhältnis zum Tod. Heute nicht. Mit Terry Pratchett geht mir einer der wenigen Autoren verloren, die es wie kein anderer verstanden, Worte in Bilder zu verwandeln. Einer, der nicht mit der Brechstange Missstände anprangerte, sondern sie liebevoll in seiner eigenen Welt aufzuzeigen versuchte… und das mit bemerkenswertem Erfolg. Und nicht zuletzt ein großartiger Menschenfreund an sich.

Terry Pratchett hat mich inspiriert und mir einen Maßstab gesetzt, den ich wohl nie erreichen werde. Damit kann ich leben. Seine Bücher werden weiterleben. Trotzdem hat mindestens meine Welt heute einen großen Menschen verloren. Die Lücke, die er hinterlässt, wird, wenn überhaupt, schwer zu füllen sein.

Dieses eine Mal, TOD, wäre es doch möglich gewesen, die Lebensuhr umzudrehen. Deine Freude hättest du auch hier weiter mit ihm haben können.