Übersehene Lehren aus der Eurokrise: 3. Deutschland ist nicht der Mittelpunkt der Welt

Wolfgang Schäuble würde das sicher nach außen hin nicht anders sehen, innerlich aber wahrscheinlich schon. Deutschland mag der größte Zahler, sowohl in der EU, als auch in der Eurogruppe und damit auch hinsichtlich Griechenlands sein, der Mittelpunkt der Welt sind wir deshalb aber nicht.

Ich wiederhole das gerne nochmal: Uns geht es verdammt gut. Wir profitieren wie kein anderer Euro-Staat vom Euro. Doch wir profitieren auf Kosten der schwächeren Euro-Staaten, denn irgendwo kommt unser Exportgewinn und -überschuss her. Was wir haben, fehlt anderen.

Schlimm genug, dass sich die Regierung Merkel als Regierung der EU aufspielt. Doch damit reichte es nicht. Nein, wir mussten die inoffizielle Regierungsgewalt auch noch an die Finanzminister abgeben. Passt perfekt zu Merkels Paradoxon der „marktkonformen Demokratie“, hat mit Demokratie aber dummerweise gar nichts mehr zu tun. Erst recht, wenn der Machtempfänger sich im Inland mit der Schwarzen Null rühmt, die es um jeden Preis zu erhalten gilt. Die EU, insbesondere die Eurogruppe, bleibt eine Solidargemeinschaft. Anders kann sie langfristig nicht funktionieren. Und das Langfristige war doch irgendwann in grauer Vorzeit mal das Ziel.

Wir machen sicher viel richtig in Deutschland, jedenfalls wenn man diesen marktkonformen Maßstab als Basis nimmt. Trotzdem haben wir die Weisheit nicht mit Löffeln gefressen. Unser Weg opfert die kurz- und mittelfristig Volkswirtschaften eines ganzen Kontinents. Insofern sollten wir uns zurückhalten, wenn es um Belehrungen geht. Liebe Regierung, wenn ihr schon „unsere Freunde“ mit allen Mitteln ausnehmen wollt, schreibt ihnen wenigstens nicht vor, wie sie so wie wir werden könnten. Mit Solidargemeinschaft hat das nichts zu tun. Davon ab ist es faktisch unmöglich, alle Volkswirtschaften – und vor allem die aktuell schwächsten – zu Wachstumsgewinnern a la Deutschland zu machen. Wie gesagt, irgendwo muss der Gewinn herkommen.


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