Teilzentrum der Ordnung für ‘3x Daumen hoch’

#Aufschrei – Ein Kommentar

Sonntag, 23. Juni 2013

Einleitend: Eine Diskussion, die – sicherlich ob ihres netzaffinen Charakters – nicht die Gesamtgesellschaft einschließt, hat über ein Hashtag den ebenso netzaffinen Grimme Online Award gewonnen. Meinen erneuten Glückwunsch dazu. Vor allem, weil es eben etwas, für Preisverleihungen so untypisches wie eine Diskussion ist. Das an sich ist bemerkenswert.

Leider hat die Geschichte ihre Schattenseiten. (mehr …)

Sat.1 entdeckt mit „Ihre Wahl“ Twitter

Montag, 24. August 2009

Sat.1 ist heute mit dem Polit-Format „Ihre Wahl – Die Sat.1-Arena“ gestartet. Inhalt ist in diesen Zeiten natürlich der Wahlkampf, also ein bzw. im Verlauf der Sendung leider mehrere Politiker, die sich den mehr oder weniger kritischen Fragen der Moderatoren stellen müssen. Gut, mag man jetzt sagen, kennen wir schon, ARD, ZDF und RTL bringen solche Formate im Wahlkampf ja auch. Aber Sat 1 hat diesmal etwas anders gemacht.

Bislang waren solche Formate weitestgehend von den Fragen der Moderatoren gelenkt. Im Optimalfall konnte der Zuschauer seine Fragen im Voraus per Telefon/SMS/Mail stellen, ob die dann wirklich in die Sendung kamen, kann ich nicht sagen. Sat.1 nahm nun Webcam-Fragen (oder eher per Webcam aufgenommene Clips) und, und das ist der bemerkenswerte Punkt, Fragen per Twitter ins Konzept auf. Vor allem letzteres ein Kommunikationsweg, bei dem die Fragen erst im Laufe der Sendung eintrafen. Um kurz auszuweichen, ich singe hier kein Loblied, nur weil mein Tweet in der Sendung gezeigt wurde bzw. sogar der erste gezeigte war. Ich finde die Entwicklung toll. Zumal die Menschen hinter dem Account diesen nicht nur als Kanal für Fragen, sondern interaktiv auch für Verbesserungsvorschläge/Kritiken u.ä. nutzen.

Sowas würde ich mir in erster Linie von den Öffentlich-Rechtlichen wünschen, für deren Sommerinterviews ich zahlen muss. Na gut, nachdem Sat.1 ja mit in der Sendergruppe sitzt, die das TV-Duell der Kanzlerkandidaten veranstaltet, gibt es da ja noch Hoffnungen. Aber unabhängig davon wäre es wirklich schön, wenn auch die ÖR das Potenzial beispielsweise von Twitter anerkennen würden.

Ich will Sat.1 jetzt auch nicht in alle Himmel loben. Einiges ist nach der Premiere sicherlich verbesserungswürdig. An erster Stelle würde ich, bei dem imposanten Aufruf zur Beteiligung, die Sendedauer von einer Stunde sehen. Zwei Stunden müssten da auf jeden Fall drin sein, wenn ich allein die Anzahl der ’seriösen‘ Tweets als Maß nehme, die nicht bis in die Sendung kamen. Generell würde ich das Interview weniger durch die Moderatoren gestalten lassen, wenn so viel konstruktiver Rückstrom aus der Zuschauerschaft kommt. Außerdem würde ich ‚die Arena‘ auf einen Politiker beschränken und die Sendezeit auf zwei Stunden erweitern. Aber, wie gesagt, es war die erste Sendung. Insofern ändert sich ja vielleicht was. Man muss ja nicht annehmen, dass Sat.1 mit einem solchen Rücklauf rechnen musste. Ich hoffe dann mal auf nächste Woche und freue mich erstmal, dass Sat.1 sein Sendungskonzept ein wenig geöffnet hat.

Von volksnahen Piraten und ursprünglicher Politik

Mittwoch, 05. August 2009

Man kann von Parteien, gerade in Wahljahren, denken, was man will. Man kann auch von der relativ jungen Piratenpartei denken, was man will. Aber manchmal treffen gerade die jungen, von denen man es am wenigsten erwarten würde, genau ins Schwarze der Politik.

Es kommt nicht häufig vor, dass ich mich von politischen Parteien mal richtig gut verstanden fühle. In Wahljahren erst Recht nicht, denn da schwebt über jeder ihrer Aktionen das Reden-ist-Silber-Schweigen-ist-Gold-Damokles-Schwert. Jede Aktion, jedes Wort, ob es von einem Protagonisten oder einem politischen Niemand kommt, fällt grundsätzlich erstmal in den Polarisierungstopf. Nicht ohne Grund, denn das Meiste ist ja auch reine Polarisierung zwecks Stimmenfang. Mit ursprünglicher Politik hatte das meist wenig zu tun.

Um kurz die besagte ursprüngliche Politik zu erläutern: Grundsätzlich einfach definiert. Politik hat für das Volk gemacht zu sein. Das vermisst man seit Jahren leider zunehmend. Viele Parteien berufen sich mehr und mehr auf ihre Profile. Letztendlich ist keine dabei, die man wirklich wählen kann, weil man immer einen Mix aus mehreren Parteien braucht, um auch nur in den simpelsten Angelegenheiten seine Meinung vertreten zu wissen. Leider, oder auch Gott sei Dank, denn dann würden die Wahlzettel noch komplizierter, als sie sowieso schon sind, lässt das Wahlrecht von Bund und Ländern sowas nicht zu.

Darum ist die Aktion, die sich die Münsterer Piraten zu ihrem Wahlkampfauftakt einfielen ließen, um so erwähnenswerter. Man zog nicht los und stellte stur Plakate auf, auf denen die eigenen, beschränkten (wertfrei zu betrachten) Wahlkampfparolen zu lesen waren. Nein, man zog mit Nahezu-Blanco-Plakaten durch die Innenstadt und bat die Bürger, die Plakate mit ihren politischen Wünschen zu beschriften. Und diese Plakate sollen dann auch für den Wahlkampf aufgestellt werden. Dies schafft nicht nur Bürgernähe, was grundsätzlich immer gut ist. Nein, es bietet einer jungen Partei, die sich noch nicht felsenfest profiliert hat, auch eine Chance, die die alteingesessenen Parteien wahrscheinlich nicht mehr ergreifen können. Man kann sich nach den Wünschen der potenziellen Wähler, aber auch der jeden anderen Bürgers profilieren. Die Aktion offenbart eine Chance, sich die politischen Wünsche einer breiten Masse zum Programm zu machen, so dass man für diese klar wählbar wird. Zumal die meisten Wünsche, die ich bislang gelesen habe, relativ grundsätzlich und daher relativ einfach unter der bisherigen Parteiausrichtung vereinbar sind. Bürgerrechte und die zusätzlichen, die ein Sozialstaat mit sich bringt, sind das Hauptthema.

Und ein weiterer Punkt verdeutlicht, wie grundsätzlich diese Aktion ist: Sogar Mitglieder aus den anderen politischen Lagern nahmen bereitwillig teil und beschrifteten Plakate mit ihren Wünschen (so beispielsweise OB-Kandidat Wolfgang Heuer (SPD) und Mitglieder der Grünen).

Abschließend möchte ich sagen, die Piratenpartei war und ist für mich bislang keine als Volkspartei wählbare Alternative gewesen. Das Image der Nerd- und Geek-Partei hängt ihr halt irgendwie noch hinterher. Sie vertritt in wesentlichen Punkten, besonders im Hinblick auf Datenschutz, schon lange genau meine Ansichten. Das schenkt ihr grundsätzlich mal eine der beiden Stimmen, weil mir das Thema ziemlich wichtig ist und es bei den restlichen, etablierten Parteien weitestgehend missachtet scheint. Alles in Allem halte ich sie aber für sehr jung und im Kern noch nicht weit genug entwickelt, um sich den Aufgaben einer Volkspartei zu stellen. Man möge mir in Piratenkreisen verzeihen.

Alles in Allem könnte aber genau diese Kampagne, wenn sie denn in mehr Städten so durchgeführt würde, dazu führen, dass die Piraten meine volle Unterstützung erhalten. Denn für bürgernahe/ursprüngliche Politik bin ich immer zu haben.

Der geniale Wahnsinn hat eine Straße

Dienstag, 28. Juli 2009

Obwohl mitten in der Nacht, dieser Post als Homage auf eine Homage muss noch sein. Quentin Tarantino, der genialste aller genialen Regisseure, hat am – nun gestrigen – Abend seine eigene Straße in Potsdam-Babelsberg bekommen. Zur Enthüllung des Schildes zeigte er sich persönlich. Tarantino ist damit der erste Straßennamengeber auf dem Babelsberg-Gelände, dem dies möglich war. Denn bislang gibt es keinen, dem diese Ehre zu Lebzeiten teil wurde.

Ganz subjektiv freue ich mich über diesen Punkt umso mehr, denn Tarantino ist schon seit seinen ersten filmischen Stunden der genialste Regisseur und einer der besten Drehbuchautoren für mich. Insofern erfreut mich dieser Schritt in Babelsberg umso mehr.

Werbung auf den Punkt

Montag, 27. Juli 2009

Es ist doch immer wieder schön zu sehen, wenn neben all dem Lobbyismus zwischendurch auch mal lustig-kritische Werbung aus der Wirtschaft kommt. Das dachte man sich wohl auch bei Sixt, als man sich für dieses äußerst gelungene Werbebanner auf der eigenen Homepage entschied.

sixt_werbung

Tja, Frau Schmidt, damit muss man wohl leben können. Und drei Daumen hoch an Sixt für dieses politkritisch-satirische Sahnestückchen. So sollte Werbung in einer Demokratie öfter aussehen.

(via Henrik Greger)

Noch der ‚Nachruf‘ an Wiedeking

Montag, 27. Juli 2009

Ja, ich weiß, in ein links der Mitte orientiertes Blog gehört sowas eigentlich gar nicht, aber so weit Realist bin ich dann doch noch.

Die Tage musste mit Wendelin Wiedeking der einzige Manager eines großen Unternehmens, den ich respektiere, seinen Platz räumen.. und das bedaure ich sehr. Vor allem, weil er medial abgesägt wurde. Sicherlich hat er seinen Teil dazu beigetragen – die älteren Pläne, VW zu kaufen, waren für ein Unternehmen wie Porsche nicht der sinnvollste Weg.

Trotzdem erinnere ich mich gerne an Umfragen. Der Mann war noch vor einem Jahr der, mit 60 Mio Euro im Jahr, bestverdienendste Manager in Deutschland und gleichzeitig der Einzige, dem die breite Masse das Geld gegönnt hat. Wiedeking war einfach gut in dem, was er, speziell mit Porsche, gemacht hat. Wiedeking war einer, den sogar seine (untergebenen) Arbeiter ehrlich und nicht aus reinen Hierarchiegründen respektiert haben. Der letzte Beweis dafür ist die bewegende Abtrittsfeier der letzten Tage.

Seine Entscheidung, die (für deutsche Verhältnisse) Rekordabfindung von 50 Mio Euro komplett in Deutschland zu Versteuern und die Hälfte sogar noch sozialen Projekten zu spenden, führt diese Moral des bewussten Managers fort. Er hätte wesentlich mehr von seinem Geld haben können. An solchen Menschen könnten sich die meisten Manager mal ein Beispiel nehmen.