Teilzentrum der Ordnung für ‘BILDungslücke’

Übersehene Lehren aus der Eurokrise: 2. Pressefreiheit ist nicht nur ein Recht

Freitag, 10. Juli 2015

Wenn man eines an der gesamten Eurokrise wunderbar aufzeigen kann, dann das wirklich schändliche Versagen der Presse als vierte Gewalt und welche erschreckenden Folgen sich daraus ergeben.

Angeführt durch die Springer-Gruppe sind spätestens seit der Wahl von Syriza quasi alle Leitmedien – egal ob Print, Online oder TV – auf den Anti-Kurs aufgesprungen. Unter dem Siegel des Grundrechts „Pressefreiheit“ wurde ein ganzes Volk zu faulen, schmarozenden Noch-Europäern höchstens zweiter Klasse degradiert. Differenzierte Nachrichtenbeiträge oder Kommentare fristeten plötzlich ein Schattendasein. Alleine an den Userkommentaren bei den Onlinemedien hätte man schon früh erkennen können, dass man ein Gespenst herauf beschwört, das hierzulande aus gutem Grund seit 70 Jahren weggesperrt war.

Dabei war es vollkommen gleichgültig, wem eigentlich mit Steuermilliarden der Hintern gepampert wurde (hauptsächlich nicht-griechischen Banken), wer hauptsächlich für die fehlgeleitete Politik in Griechenland verantwortlich war (vor allem die konservativen und sozialdemokratischen Brüder-im-Geiste-Regierungen unserer Regierungsparteien der letzten Jahrzehnte und nicht Syriza) und, vor allem, dass es am Ende des Tages vollkommen egal ist, wer an was Schuld hat, wenn plötzlich ein großer Teil eines Landes vollkommen verarmt. Das Mantra, Griechenland wäre das einzige Krisenland, in dem die Austeritätspolitik nicht funktioniert hätte und das müsse natürlich an den faulen, schmarozenden Griechen liegen, hält sich ja bis heute.

Fakt ist, alle Euro-Länder, die in die Krise gerutscht sind, haben bis auf Griechenland zwar positive Bilanzen, dafür aber plötzlich mindestens 20% Arbeitslosenquote mit wesentlich höherer Jugendarbeitslosenquote. Fakt ist auch, alle Länder, die unter den EFSF geschlüpft sind, haben nur positive Bilanzen, weil die EZB mit ihrer Geldpolitik dafür sorgt. Nähme man die EZB aus der Rechnung raus, wären diese Länder genauso am Ende, wie es Griechenland ist.

Darüber differenziert aufzuklären wäre eigentlich Aufgabe der Presse. Die Pressefreiheit ist nicht grundlos ein Grundrecht. Das ist wichtig, damit der demokratische Meinungsbildungsprozess funktionieren kann. Pressefreiheit wird aber dann unheimlich gefährlich, wenn die Presse nicht mehr differenziert oder, wie es die Springer-Gruppe spätestens seit Anfang des Jahres tut, rechtspopulistisch berichtet. Dann ist der Weg frei für menschenverachtende Meinungsmache (ja, man könnte es Volksverhetzung nennen). Dann ist der Auftrag, der mit der Pressefreiheit verbunden ist, schlimmstmöglich verfehlt. Und dann wird die Presse extrem gefährlich.

Edit: Das moralisch Schlimmste ist übrigens, dass Tsipras jetzt auch noch dafür kritisiert wird, dass er mit dem Reformvorschlag das Referendum quasi ad absurdum führt. Nachdem man monatelang daran gearbeitet hat, ihn in eine Position zu bringen, in der er gar nichts anderes mehr machen kann. Sicher hat Syriza auch viel falsch gemacht, ich habe selber oft genug verständnislos mit dem Kopf geschüttelt. Aber ihm jetzt scheinheilig vorzuwerfen, dass er das Referendum weitestgehend missachtet, weil er dazu gezwungen wird, ist das unterste, zu dem „unabhängige“ Presse noch greifen kann. Absolut widerlich!

Übersehene Lehren aus der Eurokrise: 1. Die Transferunion

Dienstag, 07. Juli 2015

Immer diese Bäh-Wörter. In diese Kategorie fällt wohl, neben dem Super-Bäh-Wort „Schuldenschnitt“, auch die Transferunion. Warum sollten wir fleißigen Deutschen auch für die faule Südeuropäer aufkommen? So oder so ähnlich würde dieser Tage wohl meine Bewerbung bei „einem großen, deutschen Boulevardmagazin“ (O-Ton @ARD_BaB vom 05. Juli 2015) aussehen, wenn ich nicht noch ein winziges bisschen Reststolz hätte.

Trotzdem, die Krise um Griechenland lehrt uns, was schlaue Menschen schon in der Vergangenheit propagierten: Die EU, resp. die Euro-Gruppe, kann ohne Transferunion nicht funktionieren. Und, verdammt nochmal, ich muss nicht VWL studiert haben, um zu verstehen, warum das tatsächlich so ist.

Transferunionen sind allgegenwärtig, wo einzelne Wirtschaften sich zusammen schließen. In Deutschland heißt das Länderfinanzausgleich. Und der ist wichtig. In einer Währungsunion gibt es immer wirtschaftlich stärkere und schwächere Regionen. Die stärkeren profitieren von den schwächeren, denn die Importe der Letzteren sind die Exporte der Ersteren. Bezogen auf die EU ist Deutschland als Exportweltmeister der wirtschaftliche Schädling schlechthin für die schwächeren Länder, denn unser Gewinn wird u.a. genau von denen bezahlt. In einer Wirtschaftsunion in der Größe der EU kann schlichtweg nicht jeder Teilnehmer mehr ex- als importieren. Es existiert eine Menge X an Geld, um die konkurrieren die einzelnen Volkswirtschaften resp. Länder. Und wir sind nunmal gut aufgestellt und greifen einen Großteil davon ab.

Wollen wir ein Europa, das solidarisch zusammensteht, brauchen wir die Umverteilung. Wir müssen die volkswirtschaftlich schwächeren Länder der Euro-Gruppe mit unserem Gewinn stärken, um als kontinentaler Verbund stark zu bleiben.

Gewinn, Wettbewerb und Wachstum sind nicht alles. Vor allem dürfen sie in einem Friedensprojekt, das die EU mal sein sollte, nicht alles sein. Werden sie es doch, ist die EU nur noch ein plumpes Freihandelsabkommen, das den starken Exportländern auf Kosten ihrer sog. Partner zu ihrem Gewinn nutzen soll. Das kann langfristig keinen Frieden sichern.

WELT ONLINE und CCC und NSA-Affäre: Ein Kommentar zu einem Kommentar

Dienstag, 04. Februar 2014

Ich bin ja wirklich sowas von inaktiv, das ist kaum zu übertreffen. Doch nun hat es Hr. Krauel, seines Zeichens Chefkommentator der WELT, tatsächlich geschafft. Mit einem Kommentar zur Anzeige von CCC, Internationaler Liga für Menschenrechte e.V. und Digitalcourage e.V. hinsichtlich des Verhaltens zahlreicher staatlicher Institutionen in der NSA-Affäre, der vor Populismus und zurecht gebogenen Fakten nur so strotzt. Dass so etwas überhaupt veröffentlicht wird, macht mir den Schritt doch wesentlich leichter, WELT ONLINE in Zukunft aus meinem Feedreader zu verbannen, nachdem mich das neuerliche ’20 Artikel pro Monat‘-Limit schon zur Genüge verärgert hat.

Krauel nimmt sich hier die Forderung nach Informationsfreiheit aus der Hackerethik, wendet diese auf das massenhafte Abschöpfen von Daten an und zieht daraus den Schluss, der CCC biege sich die Informationsfreiheit so zurecht, wie es ihm gerade am nützlichsten in den Kram passt. Mehr noch, letztendlich verrate der CCC mit der Anzeige seine eigenen Prinzipien.

Was Hr. Krauel dabei übersieht, ist so offensichtlich, dass man ihm fast nur Absicht unterstellen kann, womit der Vorwurf des Populismus postwendend zurück gegeben werden kann: „Alle Informationen müssen frei sein“, sagt die Hackerethik, genau wie „Öffentliche Daten nützen, private Daten schützen“, soweit legt er die Fakten noch dar. Und im Prinzip ist damit auch alles gesagt.. nur eben nicht für Krauel. Denn nun folgt die Frage: „Ach so. Und wer bestimmt in der Internetwelt, was öffentlich ist und was privat?„. Die Antwort ist eigentlich ganz einfach: Was ich öffentlich zugängig über mich ins Netz stelle, das ist öffentlich. Alles andere ist privat. Noch eindeutiger wird es mit Metadaten, die so einfach gar nicht erfasst werden können. Es wird wohl kaum ein klarer Verstand behaupten, die Informationen, wann ich wem eine SMS mit welchem Inhalt geschickt habe, wäre keine private Information. Bis staatliche Stellen solche Informationen überhaupt erfassen dürfen, muss hierzulande nicht grundlos ein begründeter Verdacht bestehen. Zudem beleuchtet die Hackerethik sogar, wie genau sie die Forderung sieht: „Der Zugang zu Computern und allem, was einem zeigen kann, wie diese Welt funktioniert, sollte unbegrenzt und vollständig sein.“ (Hervorhebung durch den Autor). Nicht einmal Hr. Krauel wird wohl behaupten, die Informationen, wann er wem eine Email geschickt, mit wem er telefoniert, was er auf Google gesucht oder wann er zuletzt einen unliebsamen Kommentarentwurf welchen Inhalts verworfen hat, würde auch nur irgendwem bei der Beantwortung der Frage, wie die Welt (nicht DIE WELT ;-)) funktioniert, helfen.

Einen weiteren Punkt missachtet Hr. Krauel zusätzlich und den kann man eigentlich nicht übersehen: Die privaten Informationen, die massenhaft abgeschöpft werden, werden auch dadurch, dass die Geheimdienste sie abschöpfen können, nicht zu öffentlichen. Allein schon, weil eben nur ein paar wenige ‚privilegierte‘ Institutionen und Unternehmen überhaupt die technischen Möglichkeiten haben/hätten, sie in diesem Maße abzuschöpfen.

Man darf von der Klage sicher halten, was man will. Ich persönlich befürworte sie. Nicht weil ich glaube, dass sie auch nur ansatzweise Erfolg haben wird, sondern weil sie ein Thema, das von der Politik sträflichst gemieden wird, wo es nur geht, auf der Agenda hält resp. auf eine neue Ebene hebt. Wenn sie die Politik nur zwingt, endlich mal Klartext zu reden, hätte sie schon so viel erreicht, dass sie sich gelohnt hätte. Was ich nicht befürworte, ist die Forderung nach einer Aussage Snowdens im Rahmen des angestrebten Prozesses. Alleine auf Grund der Tatsache, dass er in EU-Luftraum und auf deutschem Boden in keinster Weise sicher wäre.

Neues aus der Tram – Ganz Schön Feist

Mittwoch, 22. Juli 2009

Da war ich doch eben mal wieder mit der Tram unterwegs. Und, wer hätte das gedacht, es gibt wieder was zu berichten. Heute geht es um provokante auffällige T-Shirts. Von den Dingern habe ich aus früheren Zeiten noch so einige im Schrank. Mein persönlicher Liebling, das „Du willst immer nur Ficken“-Shirt.

Lange hatte ich es nicht an bzw. nur unter einem Pulli. Heute war es mal wieder soweit. Und prompt fanden sich wieder einige Mitmensch-Exemplare, die sich gar königlich an diesem Umstand erfreuten.

Ich stehe also in der Tram – Sitzplätze überlässt mal ja bekanntlich besser im Voraus schon den Älteren – da ging der Spass los. Drei Mitbürger – männlich, um die 50 Jahre alt, zwischen 100 und 150kg schwer, also Typ deutscher Nordstadtbewohner – wurden auf mein Shirt aufmerksam. Offensichtlich wieder auf dem üblichen Wege, unten steht „Ficken“, also lese ich mir mal alles durch. Um den anderen die Lesearbeit vermeindlich zu ersparen, liest einer erstmal laut vor, was denn auf dem Shirt steht. Daraufhin werden die anderen beiden noch interessierter und lesen ihrerseits ebenfalls dem ersten nochmal laut vor, was er eben vorlas. Dann amüsiert man sich nochmal kurz in der Runde über den ersten Teil des Shirts (Du willst immer nur Ficken), gegebenenfalls mokieren sich nun Vierte, meist jenseits der 70 Jahre, über diesen allzu obszönen Spruch, den öffentlich zu tragen ja eine Unverschämtheit sei.

Ist dies passiert, wird die Freude unserer ersten drei ‚Entdecker‘ plötzlich gebremst. Man unterhält sich wesentlich leiser, denn nun hat man den zweiten Teil des Shirts (Ganz Schön Feist) bemerkt und sogar schon gelesen. Eifrig wird im Nahezu-Flüsterton darüber diskutiert, was dieser denn bedeuten könnte, vor allem im Hinblick auf den ersten Teil. Meist kommt man zu keinem Ergebnis, also widmet man sich verschämt wieder den eigenen Problemen. Früher habe ich solche Exemplare dann gerne aufgeklärt, mittlerweile macht das keinen Spass mehr, denn irgendwann wird das doch langweilig.

Um das Ganze nun aufzulösen (es soll ja tatsächlich Menschen geben, die Ganz Schön Feist nicht kennen), Ganz Schön Feist ist eine a capella Combo, Du willst immer nur Ficken der Titel eines ihrer, zugegebenermaßen schon in die Jahre gekommenen, Lieder und das Shirt habe ich mir vor geschätzten 13 Jahren bei ihrem Konzert in meinem Heimatort Worfelden geleistet. Und ja, es macht immer wieder Spass, das Shirt zu tragen ;-)

Beckstein und die U-Bahn-Schläger

Mittwoch, 09. Juli 2008

Da habe ich doch gestern Nacht wieder nicht schlecht gestaunt, als das RTL Nachtjournal lief. Hintergrund war das Urteil gegen die beiden U-Bahn-Schläger von München, bzw. die von der CSU geforderte Abschiebung der beiden Täter nach Absitzen ihrer Haftstrafen von 12 und 8 Jahren. In diesem Zusammenhang war folgendes Statement von Herrn Beckstein zu hören:

„Wer das ganze Instrumentarium der Jugendhilfe erfolglos durchlaufen hat und dann ohne einen vernünftigen Anlass und ohne Anstand mit dem Kopf eines anderen Menschen Fußball spielt, so jemand hat in Deutschland nichts zu suchen.“

Einleitend: Die beiden Täter kommen ursprünglich aus Griechenland und der Türkei, also einem EU-Mitgliedsstaat und einem Anwärter. Schlimm genug, dass Herr Beckstein mit der Aussage „so jemand hat in Deutschland nichts zu suchen.“ Deutschland schon über Griechenland und die Türkei stellt. Noch schlimmer wird es dann aber dadurch, dass mindestens Griechenland als EU-Mitglied auch für deutsche Verhältnisse weit genug westlich entwickelt sein muss, bei der Türkei existieren da bekanntermaßen einige Kritikpunkte, die scheinen mir in diesem Punkt aber nicht besonders relevant. Beckstein hierarchisiert also drei europäische Staaten, die sich international auf einer Ebene begegnen, auf der Ebene der westlichen Entwicklung der Gesellschaft. Bravo, Herr Beckstein, total daneben!

Respekt, RTL II News!

Dienstag, 08. Juli 2008

Ich weiß gerade nicht so genau, ob ich erschreckt, verblüfft oder begeistert sein soll. Wie vorhin schon ausgebreitet, gab’s ja gerade das Big Brother Finale. Das Jahreshighlight schlechthin. Na gut, dank Frauenunterstützung war es dann doch eher anstrengend, aber darum geht’s ja gerade auch gar nicht.

Viel interessanter, direkt im Anschluss kamen die RTL II Latenews. RTL II News.. ne? Also die, bei denen die Top-News in etwa so aussehen: In Afrika verhungern die Kinder, islamistische Terroristen fliegen zwei Passagierflugzeuge in die Twin Towers – Top News bei RTL II: Angelina Jolie hat sich die Titten machen lassen (man erinnere sich an „die süßen Tierbabys“ (OK, nicht RTL II)). Also bin ich schon mit einer gewissen Erwartungshaltung in die News gegangen.

Wenn auf ARD und ZDF die G8 afrikanische Kinder verhungern lassen, Kalifornien abbrennt und die EU komische Sachen beschließt, muss auf RTL II die Top News natürlich Isi, die Gewinnerin von Big Brother sein. Und um so überraschter war ich, als davon und von jeglichem anderen Klatsch kein Wort fiel. Weder in den Top News, noch in der ganzen restlichen Sendung. Nicht schlecht, RTL II. Wir machen doch nicht etwa Ambitionen, seriös zu werden?

Ich versprech’s..

Mittwoch, 28. Mai 2008

Gesetzt den Fall, ich schaffe es, bei meiner aktuellen Hausarbeit eine 1.x zu schreiben, schreibe ich ein Buch darüber, wie man in 3-7 Tagen eine Hausarbeit mit höchstmöglichem Ergebnis schreibt (Literaturrecherche inklusive).

Zum Hintergrund: Ich wurde schon des öfteren (mehr im Scherz) gefragt, ob ich nicht Workshops/Lerngruppen zu dem Thema anbieten will. Ich habe bislang alle meine Hausarbeiten – und das sind viele, ich studiere ja leider auf B.A. – in 3-7 Tagen geschrieben. Dabei waren maximal 3 Tage Schreibzeit inbegriffen, aber das waren Ausnahmen. Normalerweise habe ich eine reine Schreibzeit von zwei Tagen. Bislang, und das ist der Grund für die Anfragen, ist immer eine Note im 1.x-Bereich rausgekommen.

Im Hinblick darauf, dass da einige persönliche Strategien dahinter stecken, dazu noch etwas ausgenutzte angewandte Psychologie, gibt das Thema einiges her. Und weil ich das Geld die Reputation gut brauchen kann, würde ich das notfalls völlig uneigennützig in einfach verständliche Worte fassen. Wenn’s kein Verlag drucken will, wird’s halt als eBook unter CC-Lizenz veröffentlicht. Wäre zwar etwas schade, weil für die Arbeit nix materielles rum kommt, aber was soll’s.

Also, erinnert mich, falls die aktuelle Hausarbeit, bei der ich zusätzlich vor dem Problem stehe, dass ich keine Hypothese bearbeiten soll, die schon im Seminar behandelt wurde – ich war genau ein Mal da -, eine 1.x schreibe.

Tante Google braucht man nur, wenn man kein Forum hat

Montag, 26. Mai 2008

Eigentlich stehe ich ja nicht so auf GBO-Style-Geblogge, aber manchmal kann ich mich dann auch nicht mehr halten. Wenn Tante Google schon nicht hilft (bzw. nicht gefragt wird), kann man es ja wenigstens im Community-Forum versuchen. Dann sollte man aber wenigstens lesen können:

[ Mo | 21:14 ] DieAnne-Marie: FSB 1000 MHz (2.0GT/s), Dual Channel, DDR400, wenn das in meiner motherboardbeschreibung steht, was für ein RAM brauch ich dann?
[ Mo | 21:17 ] Igno: Stinknormale, alte DDRs (PC3200)
[ Mo | 21:17 ] DieAnne-Marie: 096MB [!sic] DDR2 (1000) PC2-8000 DIMM 240-Pin Kit (2 x 2048MB) OCZ Kit geht das?
[ Mo | 21:19 ] Igno: Nein, das sind DDR2er

Oh Mann, da macht Tech-Support ja wieder richtig Spaß.

A tribute to Douglas Adams

Sonntag, 25. Mai 2008

Ups, fast verschwitzt, aber Anne hat mich nochmal gerettet: Heute ist ja Towel-Day. Also schnell das Handtuch geholt. Wäre ja beschämend, würde ich den Gedenktag an Douglas Adams, der die Vorlage für den wohl besten Science-Fiction-Streifen aller Zeiten gab, verpassen. In diesem Sinne, das wird noch alles in Tränen enden.

Diätenstreit: Geld regiert die Welt

Donnerstag, 22. Mai 2008

Gerade haben CDU und SPD dafür gesorgt, dass das Ansehen der Politiker in Deutschland wieder etwas steigt, da sprintet die CSU nach vorne und demonstriert uns, wie Politik wirklich gemacht wird. Zur Erinnerung: Die Fraktionsspitzen von CDU und SPD hatten bekannt gegeben, dass die Diätenerhöhung für Bundestagsabgeordnete doch nicht kommen wird, weil man den Bürgern die Erhöhung nicht vermitteln könne. Dann zog Bundeskanzlerin Merkel mit ihrem Kabinett nach, die Ministerdiäten sollten auch nicht erhöht werden. Ein anständiger Schritt.

Heute kam dann aber CSU-Landesgruppenchef Peter Ramsauer und disqualifizierte sich auf ganzer Linie für das parlamentarisch-demokratische Dasein in Deutschland: Er droht damit, zukünftige Gesetzesvorhaben im Bundestag zu blockieren, wenn die Diätenerhöhung gestoppt bleibt. Ach so! Der Herr Ramsauer und die hinter ihm stehenden Kameraden sind also käuflich? Gibst du mir nicht noch mehr Geld, blockiere ich deine Politik. Na vielen Dank für diese äußerst aufschlussreiche Lehrstunde zum Thema ‚Parlamentarische Demokratie in der Praxis‘. Das Armutszeugnis schlechthin für die CSU.

NoseRub – Meine ersten Gehversuche mit dezentralen sozialen Netzwerken

Sonntag, 18. Mai 2008

Nachdem ich vorgestern mal wieder eine re:publica-Review-Session gemacht habe (Dank an Markus für die Bereitstellung der Videostreams), bin ich im Panel „Die Zukunft der Social Networks“ auf ein interessantes, mir überraschenderweise bislang noch unbekanntes, Projekt von Dirk Olbertz gestoßen. Dabei handelt es sich um NoseRub, mit dem ein Ansatz für dezentrale soziale Netzwerke entwickelt wurde und weiter entwickelt wird. Das klang für mich dann so interessant, dass ich mich gestern gleich daran gemacht habe, ohne großes Vorwissen NoseRub auf meinem Server zu installieren. Nach erfolgreicher – zugegebenermaßen teilweise etwas komplizierterer – Installation, stand ich dann aber wie der sprichwörtliche Ochs vorm Berg. Gut, ich konnte mein Profil anlegen, das sah auch ganz nett aus, aber von einem Social Network konnte ich nicht viel finden. Also doch recherchieren und in die Materie einlesen.

An dieser Stelle mal ein kurzer Rundumschlag über das System: Erste Anlaufstelle war mal wieder Basic Thinking. Erkenntnis: NoseRub liegt meinem bisherigen Bild von sozialen Netzwerken – maßgeblich durch StudiVZ geprägt – wesentlich ferner, als ich erwartet hatte. Es ist so konzipiert, dass ich erstmal lediglich mein Profil hoste; soll heißen, die Informationen zu meiner Person. Gruppen, serverübergreifende Suche nach Personen, direkt über NoseRub Content erstellen, all das kennt NoseRub nicht; teilweise noch nicht. Dafür hat es aber einen anderen interessanten Ansatz, denn der Content wird über ausgelagerte Systeme bereitgestellt, so wie man das sowieso schon macht. Fotos beispielsweise bei Flickr, Text in Blogs oder per Twitter, Videos über YouTube und Links mit del.icio.us. Ich gehe dann in meinem NoseRub-Profil einfach hin, füge diese meine Accounts zu meinem Profil hinzu und NoseRub holt sich in regelmäßigen Abständen per RSS die Informationen über neue Inhalte. Diese werden dann übersichtlich kategorisiert in meinem Profil dargestellt und zu meinen Aktivitäten gebündelt. Will man sich mit anderen Leuten vernetzen, so gibt es dafür zwei Wege:

  1. Der Andere hat eine NoseRub-ID
    Das ist der einfache Fall, denn hier kommt das ganze Potenzial von NoseRub zum Tragen. Per RDF-Schema (Stichwort: FOAF) wird sein Profil, sowie seine Aktivitäten-Accounts abgeholt und in der Folge regelmäßig bei mir Aktualisiert. So habe ich, genau wie meine Aktivitäten, auch seine bei allen eingetragenen Diensten immer im Überblick. Und wenn er etwas an seinen Diensten ändert, wird das ebenfalls automatisch bei mir aktualisiert.
  2. Der Andere hat keine NoseRub-ID
    Dann wird es leider umständlicher, vereinfacht aber immer noch vieles. An dieser Stelle kann ich in meinem Profil als Kontakt anlegen, seine mir bekannten Dienste hinzufügen und habe am Ende fast den gleichen Funktionsumfang, wie im ersten Fall. Nur um die Pflege der Dienste muss ich mich selber kümmern.

Soviel zur grauen Theorie. Mit dem Wissen konnte ich dann auch schon mehr mit dem System anfangen. Hilfreich für das Grundverständnis sind auch die beiden Videostreams bei noserub.com, die Tour wollte mein VLC-Player leider ums Verrecken nicht abspielen.

Grundsätzlich sind mir dann aber doch ein paar Sachen aufgefallen, die ich schmerzlich vermisse oder, vom Konzept her anders sehen würde. Die reiße ich jetzt auch mal kurz an:

  1. OpenID
    Meine NoseRub-ID soll wohl als OpenID fungieren können, das tut sie aber leider nicht. Bis dato ist an der Stelle Schluss, an der der Server, auf dem ich mich einloggen will, auf meinen NoseRub-Account zugreifen will. Normalerweise, schätze ich mal, sollte man sich da dann einloggen bzw. den Dienst autorisieren und dann automatisch wieder zum Dienst zurück geroutet werden. Passiert bei mir leider nicht. Ich sehe dann mein Profil und an der Stelle ist von der ursprünglichen Seite nichts mehr zu sehen. Gefunden habe ich dazu im Netz auch noch nix.
  2. Globale Suchfunktion
    Im Moment empfinde ich das Projekt noch so, als wäre jeder NoseRub-Server ein eigenes Social Network. Klar, man kann sich von außen mit den Mitgliedern vernetzen, aber man kann eben noch nicht über alle Server suchen. Das erschwert es doch sehr, bestimmte Leute zu finden, gerade wenn es nicht um einen spezifischen Namen, sondern um Interessen geht. Also das, was in den landläufigen Social Networks durch Gruppen ermöglicht wurde.
  3. Usergruppenmanagement
    Man muss ja nicht für jeden Freund spezifisch festlegen können müssen, welche Dienste er von einem sehen soll. Aber eine Gruppierung von Freunden mit entsprechend konfigurierbaren Zugriffsrechten wäre doch sehr wünschenswert. Diese Funktion ist aber wohl geplant.
  4. Nachrichtensystem
    Ja, ich weiß, das gibt es eigentlich und es wird per Email realisiert. Ich würde aber gerne im Profil erfahren, wenn ich eine neue Nachricht bekommen habe. Auch das könnte man theoretisch über IMAP-Überwachung realisieren, ich will aber erstens keine Email-Adresse extra für NoseRub anlegen und zweitens nicht bei jeder Spam-Mail, die den SpamAssassin überwindet, Meldung bekommen. Da wäre ein internes Direct-Messaging-System doch sehr wünschenswert.
  5. Administrationsoberfläche
    Das wurde im NoseRub-Blog schon thematisiert und ist tatsächlich eine Erweiterung, die ich sehr gerne hätte. Grundsätzlich spiele ich zwar gerne in Configs rum, gerade bei Webanwendungen ist es aber dann doch wesentlich komfortabler, eine Adminoberfläche zu haben.

Das wäre mal das, was mir spontan einfällt. Mehr wird sicherlich noch mit der Zeit kommen. Ich werde mich auf jeden Fall weiter mit der Sache beschäftigen, denn das System macht schon einiges wesentlich einfacher. Zumal – das ist mit der wichtigste Punkt – ich Herr über mein Profil bin. Man kann sein Profil nebst aller Freunde exportieren und auf einem anderen NoseRub-Server wieder importieren. So ist es relativ einfach, beispielsweise einen öffentlichen Dienst zu verlassen, wenn man ihm nicht mehr traut, und dafür z.B. seinen eigenen Server aufzusetzen.

Blog-Post vs. wissenschaftliche Arbeit

Samstag, 17. Mai 2008

Manchmal bin ich Perfektionist. Na gut, in manchen Dingen eigentlich eher meistens. Routinen gehören dazu, Sprache ebenfalls. Darum ärgert es mich auch, wenn ich, nach dem dritten Durchlesen des vorangegangenen Posts endlich feststelle, dass ich bei Blog-Posts unterbewusst offensichtlich Regeln über den Haufen werfe, auf die ich sonst eigentlich größten Wert lege.

Zum Verständnis: Ich lege an den Post zu TV-Serien zwar keinen wissenschaftlichen Maßstab an, trotzdem habe ich einige Kriterien wissenschaftlicher Arbeiten für Texte, die ich, wo auch immer schreibe, als Norm übernommen habe. Eines davon ist die inhaltliche Geschlossenheit. Soll heißen, man beginnt in der Einleitung, selbst wenn diese nicht explizit gekennzeichnet ist, mit einer These, und greift diese im Fazit wieder auf, um den Bogen zu spannen. Nun habe ich den Artikel, bevor ich ihn veröffentlichte, etwa 3-5 Mal gelesen – teilweise in seiner Entstehungsphase, teilweise im finalen Zustand – und es fiel mir nicht auf, dass ich am Ende nicht wieder auf die Eingangsthese zurückgekommen bin; jedenfalls nicht explizit. Sowas ärgert mich, weil ich sowas, wenn ich einen gewissen Anspruch an den Autor habe – den habe ich an mich definitiv – im besten Fall rügen, im schlechtesten gar nicht erst lesen würde. Paradox daran ist, dass ich das bei wissenschaftlichen Texten quasi automatisch mache. Warum schaltet sich dieser Mechanismus also ab, sobald ich im Blog poste, obwohl ich einen ähnlichen Maßstab anlege?

So, nutzloser Post, aber das musste jetzt gerade mal raus. Sorry for that.