Teilzentrum der Ordnung für ‘Grummeliges’

»Das ist ja jetzt so ’ne Masche von ›denen‹«

Donnerstag, 18. August 2016

Eigentlich ist dieses Blog ja unverkennbar ziemlich eingeschlafen. Eigentlich wartet es auch schon lange darauf, abgeschaltet zu werden. Eigentlich ist da auch schon lange ein Nachfolger geplant, mit deutlich gelegentlicherem Konzept. Also warum hier mal wieder was posten? Die Antwort ist doof, aber simpel: Weil es nötig ist und der Nachfolger halt noch nicht existiert.

Gestern war ich beim Open-Air des hr-Sinfonieorchesters in Frankfurt. Eine beinahe rundum gelungene Veranstaltung mit hervorragenden Musikern, gemütlichem Publikum und ganz ohne Dresscode. Doch eine Szene, für die die Veranstalter und Mitwirkenden natürlich nichts konnten, trübte mir das Vergnügen. Und nachdem die meine Hirnwindungen heute immernoch beschäftigt, darf die Welt ausführlicher als auf Twitter an ihr teilhaben.

Ich hatte meinen Platz am Bahndamm gefunden, um mich herum gemütliches Publikum. Neben mir ein geschätzt 11 bis 13-jähriger Junge in Begleitung eines Erwachsenen. Soweit kein Problem, die Stimmung war gut. Der Junge ging zwischendurch spielen, tat halt, was alle Kids in dem Alter so machen. Als der Beginn der Konzerte näher rückte und das Veranstaltungsgelände schon ziemlich gut gefüllt war, ging sein Begleiter Getränke holen, der Junge sollte auf den Sitzplatz aufpassen.

Viel Zeit verging nicht, da bahnte sich ein Mann im gehobenen Alter seinen Weg zu dem gerade freien Fleckchen Grün und machte sich daran, es zu besetzen. Der Junge wies ihn wirklich freundlich darauf hin, dass der Platz besetzt sei – was man durchaus auch an dem zurückgelassenen Sitzkissen hätte erkennen können. Der Mann begann zu diskutieren: Er sehe hier aber niemanden, der Platz sei aber jetzt frei, kurzum, der Junge habe Pech gehabt, er werde sich jetzt hier hin setzen. Im Laufe des »Gesprächs« wurden zwei Dinge deutlich: Der Junge wusste sich bald nicht mehr zu helfen (und blieb trotzdem freundlich), der Herr glaubte ihm kein Wort, weiter noch, er sah in ihm niemanden, den er ernst nehmen müsste.

An dem Punkt wurde es mir dann zu bunt und ich bin dem Jungen zur Seite gesprungen, denn aus dem, was der Herr so von sich gab, wurde bis dahin schon recht deutlich, warum genau er den Jungen nicht ernst nahm. Das Problem: Der Junge war vieles – nett, höflich, unaufdringlich, kurzum, ein gut erzogenes Kind – aber wirklich alles andere als weiß.

Ich bestätigte ihm merklich genervt, dass der Junge tatsächlich in Begleitung unterwegs ist und ebendiese gerade Getränke hole. Das schien wenigstens halbwegs zu wirken, denn der Mann stockte in seinem Besetzungsbemühen. Natürlich aber nicht, ohne sich zu der Rechtfertigung zu entblöden:

»Das ist ja jetzt so ’ne Masche von ›denen‹.«

Rückblickend betrachtet hätte ich ihn an der Stelle wahrscheinlich argumentativ stellen sollen. Wer genau sind denn seiner Meinung nach ›die‹? Wenn’s ans ausgesprochene Farbe bekennen geht, wird das besorgte Volk [!sic] ja oft recht kleinlaut. Welche Masche denn überhaupt? Weltmeister im Plätze zur Unzeit mit Gegenständen reservieren ist doch eigentlich eher sein Milieu. Wie moralisch überlegen ist es eigentlich, ein Kind, dass sich kaum zu wehren weiß, offenbar nur weil es die falsche Hautfarbe hat, wegen eines beschissenen Sitzplatzes mit mäßiger Sicht auf die Veranstaltung, dermaßen respektlos zu behandeln? Wo gerade seine Generation doch so gerne die Verrohung der Jugend beklagt.

Hätte ich vielleicht machen sollen. Habe ich aber nicht. Stattdessen habe ich ihm recht deutlich an den Kopf geworfen, dass er idiotischen Rassismus von sich gibt und sich verziehen soll. Warum? Weil ich es erstens sowas von Leid bin, Arschlöchern dieser Sorte ihre kleine Welt zu erklären. Es nervt tierisch und fordert mir viel zuviel Zurückhaltung ab, wenn sie dann auch noch versuchen, ihr Verhalten zu ›rechtfertigen‹. Und zweitens kann ich Konfrontationen der Art überhaupt nicht ab. In meiner kleinen Welt existiert für die keine Notwendigkeit. Da lässt man seine Mitmenschen in Frieden. Und auf Kinder geht man schonmal gar nicht los. Erst recht nicht, wenn sie einem so offensichtlich unterlegen sind. Ist schön in meiner kleinen Welt. Dumm nur, dass ich die zwischendurch verlassen muss und dann natürlich immer irgendwelchen Dummbeuteln begegne.

Wenn der Postmann nicht mehr klingelt

Donnerstag, 23. Juli 2015

Zugegeben, der Titel ist etwas überspitzt. Auch in diesem Fall wird natürlich weiterhin ein Postmann – genauer Paketzusteller der DHL – klingeln, doch hier geht es eben um DEN Postmann. Und der wird voraussichtlich ab 4. August nicht mehr im 4500-Seelen-Dorf Worfelden – nicht ganz zufällig mein Heimatdorf – im beschaulichen Südhessen klingeln.

Nun könnte man sagen, wen juckt’s? Überall im Lande werden Paketzusteller versetzt. Und das mal außen vor, was interessiert mich die Randmeinung einer zwar erheblichen Gruppe innerhalb von 4500, doch es bleiben eben nur so wenige.

Um die Aufregung zu verstehen, muss man sich ein wenig mit der paketzustellerischen Geschichte Worfeldens befassen. Denn Helmut Becker – der zu versetzende Paketzusteller – ist hier nicht irgendwer. Der 56-jährige stellt nun seit 28 Jahren in Worfelden die Paketpost zu. Längst ist er ein fester Bestandteil der Dorfgemeinschaft. Ich persönlich kann mich an keinen anderen Paketzusteller erinnern; wen wundert’s, als er hier anfing, war ich gerade einmal sieben Jahre alt. Im Dorf kennt ihn an sich jeder als den immer freundlichen Postmann des Vertrauens, der er ist. Das geht so weit, dass ihm sogar Haustürschlüssel anvertraut werden, damit Pakete trotz Abwesenheit zugestellt werden können. Helmut Becker ist eben genau der Gegenentwurf zur zunehmend schlechten Presse, die sein Arbeitgeber in letzter Zeit immer häufiger erntet.

Unverständlich ist auch, weshalb sich die DHL in der Sache so quer stellt. Denn Becker soll keineswegs ans andere Ende der Welt oder gar in einen anderen Unternehmensbereich versetzt werden. Im Rahmen der Neustrukturierung der Zustellbezirke soll er in Zukunft im ~10km entfernten Mörfelden-Walldorf Pakete zustellen, den hiesigen Zustellbezirk übernimmt wohl ein bedauernswerter moderner Lohnsklave der DHL Delivery. Ein Tausch ist nicht möglich, so die Post, wieso, das bleibt unbeantwortet. Nachvollziehbar ist es nicht wirklich.

Bemerkenswert ist aber auch, dass die DHL – auch wenn die Sache noch so klein ist – scheinbar um jeden Preis keine positive Presse ernten will. Hier könnte man mit einer, wie ich finde, einfachsten Maßnahme für gute Laune sorgen. Die Geschichte expandiert zunehmend aus dem Lokalen ins Überregionale – neben dem Hessischen Rundfunk und Hit Radio FFH berichten auch zahlreiche landesweite Zeitungen und Magazine, wie Stern, Focus, WELT und BILD (Schande über mich, eine Verlinkung). Bürger Worfeldens haben bereits zwei Kundgebungen mit jeweils 200+ 200-500 (Korrektur nach Einschätzung der hessenschau) Teilnehmern abgehalten, 2000 Unterschriften wurden für den Verbleib Beckers im Dorf gesammelt (wohlgemerkt von ~4500, von denen ein Teil noch, ein anderer nicht mehr schreiben kann). Becker selber ist bescheidener und zutiefst gerührter Gast auf den Kundgebungen, erntet aber von der Post nur Androhungen disziplinarischer Maßnahmen, wohl weil auch er in dieser Sache mit der Presse spricht.

Nach der heutigen Kundgebung, zu der auch Bürgermeister Andreas Rotzinger und MdEP Arne Gericke als Redner erschienen, hofft man in Worfelden weiter auf ein Einlenken oder wenigstens Gesprächsbereitschaft der Post. Nach deren bisherigem Gehabe zur Sache, ist die Hoffnung allerdings nicht besonders groß. Gespannt ist man trotzdem. Vielleicht bemerkt die Presseabteilung der Post ja doch noch, dass man hier ganz leicht ziemlich gute Presse in eigener Sache machen könnte. Vielleicht weiß man da aber auch schon gar nicht mehr, was das eigentlich ist.

Worfelden wird Helmut Becker jedenfalls nicht unbemerkt ziehen lassen; den Postmann, der in manchen Häusern nicht einmal klingeln musste und der ab 4. August in Worfelden wohl gar nicht mehr klingelt.

Spionage, BND, die Presse und Berlin

Montag, 27. April 2015

Jaja, ein Titel alleine aus Buzzwords ist nicht schön. Manchmal lässt er sich aber nicht vermeiden. Und manchmal muss man auch mit unfairen Mitteln kämpfen, wenn die Gegenseite zu stark oder, wie in diesem Fall, so lethargisch agiert, dass sie alles um sich herum einschläfert.

Der BND hat also Wirtschaftsspionage im Auftrag der NSA betrieben. Und nicht genug, er tat das ggü. europäischen Unternehmen mit deutscher Beteiligung. Immer noch nicht genug? Mindestens die Kanzleramtsminister seit 2008 wussten Bescheid.

Trotzdem wählt Deutschland laut ZDF Politbarometer seit Wochen immer noch deutlich mehrheitlich die aktuelle Regierungskoalition und vor allem unsere Teflonmutti, die sich zu absolut nichts auch nur ansatzweise positionieren kann, solange es noch keine Mehrheitsmeinung gibt.

Um das mal in aller Deutlichkeit zu sagen: Was der BND mit Wissen des Kanzleramtes seit 2008 getan hat, erfüllt den Tatbestand des Landesverrats. Das ist keine popelige Lapalie und weit weg von „Freundschaftsdiensten“ oder solchen im Rahmen des nirgendwo niedergeschriebenen Supergrundrechts Sicherheit. Es ist schlicht kriminell und wurde von zahlreichen Regierungen, allesamt unter der Führung von unserer aktuellen Kanzlerin, scheinbar wissentlich gebilligt. Und um ihr gerecht zu werden, das hat auch nichts mehr mit der „kapitalismuskonformen Demokratie“ – ein Unwort, für das Frau Merkel ebenfalls schon vor Gericht gehört hätte, denn es stellt die Menschenwürde hinter die Wirtschaft – zu tun. Diese Regierung gehört aus dem Amt gejagt. Nicht nur das, danach gehört sie vor Gericht gestellt und ordentlich verurteilt. Wozu ist eigentlich die Bundesanwaltschaft gut? Ach so, die ist weisungsgebunden. Wie praktisch.

In dem Punkt wäre im Übrigen die Presse, als vierte Gewalt im Staate, aufgerufen, weit unangenehmer zu sein, als sie momentan mit aller Gewalt zu Vermeiden versucht. Das wäre hilfreich. Dann würde die Sonntagsfrage wahrscheinlich auch nicht mehr ausfallen, wie sie seit Monaten, wenn nicht Jahren, ausfällt.

Deutschland ist eine Bananenrepublik! Dass aus unserem, eigentlich ziemlich guten Grundgesetz, mal so was werden könnte. Es ist zum Würgen!

Islamisierung – Fail

Montag, 15. Dezember 2014

Pegida, Frigida (Heute Show! :D), whatever, ihr habt ein geringfügiges Rad ab! Ganz ehrlich, Islamismuskritik ist das Eine, die rechtsextreme Generalisierung aber was ganz anderes.

Islamismus ist Abzulehnen, da stehe ich überraschend ganz bei euch. Der Islamismus, um es vorsichtig zu sagen, lehnt unsere Art zu Leben ab, unsere Staatsform, religiösen Orientierung und weiß Gott – oder Allah – was noch alles. Der Islamismus hat nichts mit den christlich religiösen Grundsätzen gemein, die auch der Islam mit uns teilt.

Aber die Generalisierung auf den Islam ist Schwachsinn und vor allem zutiefst menschenverachtend. In unserem Land herrscht Religionsfreiheit. Wir ‚Ureinwohner‘ bauen hier Kirchen, Moslems können genauso mit Fug und Recht Moscheen bauen. Zugegebenermaßen, der rufende Immam verliert auch in meiner Wahrnehmung in Puncto Ignorierbarkeit gegen das konsequente, christliche Glockengeläut. Aber wenn man’s genau nimmt, mag ich beides nicht. Beides macht Lärm, beides kann einen wecken. Der Immam ist nach meinem Empfinden trotzdem leiser als das Geläut, dass sich im schlimmsten Fall rund um die Uhr alle 15min in Erinnerung hält und zum Gottesdienst gerne auch um neun Uhr morgens alles auspackt, was es zu bieten hat. Drauf geschissen.

Wir holen uns seit Jahrzehnten Gastarbeiter ins Land, viele davon mit islamischem Hintergrund, die sind mittlerweile in zweiter oder dritter Generation Deutsche, fühlen sich als Teil des Landes, und sind trotzdem schon die ganze Zeit Moslems. Fraglos hat sich gerade in Ballungsräumen teilweise eine Schattenjustiz etabliert, die es zu bekämpfen gilt. Doch trotz allem muss man Islam und Islamismus trennen.

Hassprediger gehören weg gesperrt bis ausgewiesen; wenn’s nach mir ginge, aber auf beiden Seiten. Blöd, dass man keine Deutschen ausweisen kann. Denn genau das würde uns die aktuellen Demos ersparen. Die faschistischen Hassprediger wären längst weg.

Herrgott – und Allah – wir leben wunderbar mit Moslems, seit Jahrzehnten. Und der Islam ist natürlich, wie alle anderen Religionen, die hier vertreten sind, ein Teil Deutschlands. Fanatismus ist in allen Religionen trotzdem eine andere Geschichte und ein Randphänomen. Und dieses Randphänomen musst bekämpft werden. Dazu gehören im übrigen auch Rechtsextreme – allerdings auch ihre Nachbarn von Links. Gewalt kann kein Mittel der Überzeugung sein!

Aufreger – Wenn du nicht mehr wie gewollt funktionierst

Donnerstag, 13. November 2014

Was mir tatsächlich gerade mal wieder so richtig auf die Nerven geht: Psychologie. Der nutzloseste Kropf gesellschaftskorrigierenden Bullshits, den unser elend fortschrittliches System in die Welt gekotzt hat.

Sorry allen Psychologen, muss trotzdem gesagt werden: Ein Mensch ist nicht funktionsuntüchtig, wenn er aus der wirtschaftsorientierten Ausbeutung seiner selbst mit einem Burnout rausgeht. Auch nicht, wenn er gar nicht so weit kommt und depressiv wird. Und wenn er in der Grundschule Scheiße bauen will oder sich unterfordert fühlt, ist er auch nicht hyperaktiv.

Ein Mensch ist primär Mensch. Er bringt gewisse Eigenschaften mit, er erlernt einige, andere kann nicht jeder Mensch erlernen. Selbst ein Autist ist ein Mensch, der die Welt erheblich bereichern kann, auch wenn ihm das möglicherweise meilenweit am Allerwertesten vorbei geht. Das mag der Wirtschaft nicht passen, das wiederum muss aber niemanden jucken. Die Wirtschaft ist nicht Maxime und Lebenszweck des Menschen. Ganz im Gegenteil, die Wirtschaft ist mittlerweile Selbstzweck. Eine traurige Entwicklung, die alles andere als ein gutes Zeichen für das Selbstverständnis des Menschen ist. Noch schlimmer, dass er eine pseudowissenschaftliche Disziplin entwickelt hat, die ihm in den schlimmsten Lebenssituationen genau das Gegenteil unter dem Vorwand von Krankheiten einredet.

Nachtrag in eigener Sache: Nochmal HTTPS

Samstag, 21. Juni 2014

Jaja, es war wieder ruhig. Gibt auch kaum neues. Ausgenommen einen eher ärgerlichen Punkt.

Irgendwer hat es doch tatsächlich gewagt, meinen Server zu kompromittieren. Resultat ist: Alles wird gerade neu aufgesetzt und in dem Zug wird dann auch die SSL-Umstellung ad hoc durchgezogen. Alle Zertifikate, die auf meinem Server genutzt werden, sind ab sofort von Sonic Lux‘ CA ausgestellt. Damit Users Browser, Mailclients und wat weiß ich was nicht unnötig meckern müssen, gibt’s die CA auch hier zum Download. Im Archiv liegt das Ding als PEM für nahezu alles und als CRT für Android. Damit ist dann alles wieder gut.. naja, fast alles ;)

#Aufschrei – Ein Kommentar

Sonntag, 23. Juni 2013

Einleitend: Eine Diskussion, die – sicherlich ob ihres netzaffinen Charakters – nicht die Gesamtgesellschaft einschließt, hat über ein Hashtag den ebenso netzaffinen Grimme Online Award gewonnen. Meinen erneuten Glückwunsch dazu. Vor allem, weil es eben etwas, für Preisverleihungen so untypisches wie eine Diskussion ist. Das an sich ist bemerkenswert.

Leider hat die Geschichte ihre Schattenseiten. (mehr …)

Diablo III installiert – Das DoD schnüffelt mit

Donnerstag, 13. Juni 2013

Da habe ich doch gestern nicht schlecht gestaunt, als ich mein Projekt „Diablo III unter Linux“ mal wieder angegangen bin – diesmal sogar mit mehr oder minder großem Erfolg. Der geneigte Diablo-III-Spieler weiß sicherlich, dass Blizzard im Installer ein P2P-„Feature“ auf Basis von BitTorrent implementiert hat, so dass die Daten schneller verteilt werden können sollen (netter Satz ;-)). So weit, so gut.

Nun scheint aber genau in diesem Punkt – jedenfalls fällt mir kein anderer sinnvoller ein – ein unschöner Hund begraben zu sein. Denn just war der Download der doch recht knackigen Datenmenge abgeschlossen, wurde plötzlich mein Upstream komplett ausgelastet. Nun sollte man denken, das sei ja normal, P2P beinhaltet ja eben auch die Weiterverteilung der Daten. Allerdings war der Installer zu diesem Zeitpunkt bereits geschlossen. Ein kurzer Blick auf den Netzwerkverkehr mit Tcpdump und eine schnelle Whois-Abfrage und ich staunte noch mehr: Das amerikanische Verteidigungsministerium (DoD Network Information Center (DNIC)) resp. eine von ihm registrierte IP schien mich nicht nur zu scannen, bei der Auslastung des Upstreams lag der Verdacht nahe, dass es sich konsequent Daten bei mir zog. Also die Kollegen erstmal fix mittels iptables rausgeschmissen, dann ging es an die Nachforschung.

Tante Google erklärte dann recht freigiebig, dass das DoD hinsichtlich BitTorrents offenbar ziemlich aktiv ist. Finde ich jetzt nicht unbedingt toll, aber was erwartet man in Zeiten von PRISM noch Großes von der Vorzeigedemokratie. Mein Kernproblem aber wurde dadurch nicht gelöst: Wie kann das DoD bei mir Daten ziehen, wenn der Installer und damit BitTorrent gar nicht mehr aktiv ist? Mal ganz davon abgesehen, dass es eine grandiose Frechheit ist, dass ich mich bei Installation eines Spiels, das ich mir legal gekauft habe und legal mit dem Standardinstaller installieren will, von rechtsstaatsfeindlichen Schnüfflern ausspionieren lassen muss!

Was und wie genau gezogen wurde, konnte ich nicht reproduzieren. Dafür hatte ich sie zu schnell ausgesperrt. In der Konsequenz sind nun alle IP-Netze, die das DoD registriert hat, direkt in meinem Router in beide Richtungen gesperrt. Bis jetzt ist mein Upstream jedenfalls nicht mehr ungewöhnlich ausgeschlagen.

Ursula, da willst du nicht hin

Mittwoch, 19. August 2009

Ausgangslage: Die Reaktionen auf diesen Mitschnitt einer Rede unserer Bundesministerin Ursula von der Leyen, der laut YouTube am 17.08. diesen Jahres in Sulzbach (Saar) aufgenommen wurde. Ansehen, dann weiterlesen.

https://lifein.chaosmos.de/wp-content/uploads/2009/08/zensursula-170809-internetsperren.flv
(Quelle: YouTube, via netzpolitik.org)

Was kam Ihnen im Laufe der Betrachtung zwingend in den Kopf? Lief auch Ihnen der sprichwörtliche kalte Schauer über den Rücken? Stellten sich die Nackenhaare, sofern vorhanden, mehrheitlich auf? Sollte dem so sein, denken Sie kurz darüber nach, warum diese Reaktionen bei Ihnen eingetreten sind. Und jetzt dürfen Sie weiterlesen.

Gut, diejenigen, denen bis jetzt noch nichts aufgefallen sein sollte, mögen bitte kurz dieses Blog verlassen und bei Holgi vorbei gucken. Und am Besten auch gleich seinen Kommentar (#9) lesen. Damit sollte nun der Grundstock für diesen Post gelegt sein.

Eins noch vorweg: Zu Kinderpornographie haben wir alle die gleiche Meinung. Die gehört mit schärfsten Mitteln geahndet. Und um das nochmal kurz klar zu stellen: Schärfste Mittel bedeutet, sie erstens im Internet zu löschen, nicht nur lokal (auf Deutschland bezogen) zu sperren, und zweitens die Hintermänner weltweit zu verfolgen und ihrer rechtmäßigen Strafe zuzuführen.

Dies vorweg, weil sich dieser Post nicht mit dem Thema Kinderpornographie beschäftigen soll, sondern mit der Rhetorik, die Frau von der Leyen im besagten Video an den Tag legt. Wenn man das Thema der Rede mal ganz außer Acht lässt und nur Rhetorik der Bundesministerin und Reaktion des Publikums betrachtet; was kommt einem in den Sinn?

Ich mache es einfach: Ursula von der Leyen könnte bei Joseph Goebbels gelernt haben. Und die Zuhörer, soweit man das sehen kann, zu großen Teilen jenseits der 50, bei ihren Eltern, die sie lange Zeit nach dem Krieg und teilweise bis heute noch ach so dafür verachten, dass sie nichts von dem mitbekommen haben wollen, was unter den Nazis so angestellt wurde. Würde ich mich mit Stimmenresampling auskennen, ich würde das Video nehmen und die Stimme der Bundesministerin so weit wandeln, bis sie der von Goebbels oder Hitler möglichst nahe kommt. Wenn das hilft, die Parallelen in der Rhetorik besser erkennbar zu machen. Sie sind erschreckend.

Ich möchte an dieser Stelle dann auch darauf hinweisen, dass ich Frau von der Leyen garantiert nicht mit den Taten der NS-Regierung vergleichen oder in Verbindung bringen will. Es geht nachwievor nur um einen erschreckenden Vergleich der Rhetorik.

Das erschreckendste ich aber, dass die Anwesenden darauf stehen und ihr das auch noch glauben. Sicher, wenn ich jemanden habe, der meinetwegen 50+ Jahre alt ist und zum Internet keinen besonderen Bezug hat, und dem vorsetze, dass das Internet völlig problemlosen Zugang zu Kinderpornographie liefert – das sitzt. Wenn ich dazu noch Tatsachen verdrehe, insoweit dass die geplanten DNS-Sperren das ultimative Mittel wären und man diese auch noch schnell umsetzen könnte. Das Schöne an der Debatte ist ja, dass die Gegenseite (aus von der Leyens Sicht) das Mittel der Wahl anbietet: Nicht sperren, sondern die Seiten/Bilder/Videos gleich löschen, weil sie dann wirklich weg wären. Aber das wäre international ja wieder viel zuviel Aufwand, also lösen wir das Problem lieber national und missbrauchen die sowieso schon misshandelten Kinder ein zweites Mal – diesmal im Sinne des westlich-demokratischen Rechtsstaates.

Ursula, meinen Respekt vor dir (entschuldigen Sie bitte das Duzen, Frau von der Leyen), weil du ein Thema gefunden hast, mit dem du in der CDU-Stammwählerschaft (die übrigens in der Form in absehbarer Zeit aussterben wird) super Stimmen fangen kannst. Aber willst du dich wirklich argumentativ und rhetorisch in einer Reihe mit Goebbels, Hitler und einigen schlechten Kopien aus dem rechts- und linksextremen Lager sehen? Ist das das, was du erreichen willst?

Und auf der anderen Seite, CDU-Wähler, ist das das, was ihr wählen wollt? Die Partei, die die Rhetorik des Joseph Goebbels der Neuzeit zulässt? Denkt mal drüber nach, welche Vorwürfe ihr euren Eltern gemacht habt. Jedenfalls denen, die noch den echten bzw. seinen Zögling gewählt haben…

Was nervt: Twitter

Donnerstag, 06. August 2009

Also ehrlich: Ich hab ja Verständnis für Downtimes wegen DoS-Angriffen. Auch dafür, dass Seiten dann nicht richtig laufen, weil an ihnen gearbeitet werden muss. Alles kein Problem, weil der Betreiber da grundsätzlich ja nicht viel für kann.

Aaaber: Seit 21:18 Uhr (MESZ) empfange ich zwar wunderbar Tweets, twitter.com funktioniert auch, offensichtlich kann jeder Hinz tweeten.. ABGESEHEN VON MIR!!! Egal ob per Web oder über Clients, vom PC aus oder übers Handy, ich krieg ums Verrecken keinen Tweet raus und das stinkt mir jetzt mal gewaltig!

So, das musste jetzt mal sein.

Medien und die deutsche Niederlage

Donnerstag, 12. Juni 2008

Ich kann es nicht leiden. Absolut nicht. Wirklich. Kaum verliert die deutsche Mannschaft, wird alles schlecht gemacht. „Warum hat heute nichts funktioniert, was gegen Polen so gut funktioniert hat?“. Ja warum denn nicht? Nicht, weil die deutsche Mannschaft grundsätzlich schlecht gespielt hat. Nein, weit gefehlt, aber das ist halt die einfachste Lösung. Genau wie der Grundvorwurf, dass das 2:0 ein grober Fehler Lehmanns war.

Völliger Schwachsinn. Warum es heute nicht geklappt hat, war eine ganz andere Geschichte. Nicht schlechtes Spiel der Deutschen, sondern eine wirklich grandiose Vorbereitung der Kroaten. Denn die haben es in Perfektion geschafft, unser eigentlich sehr eigenes Spielsystem binnen kürzester Zeit perfekt zu adaptieren. Das Stören tief in der gegnerischen Hälfte, perfekte Raumdeckung (gegen Polen standen wir immer richtig, heute waren es die Kroaten) und damit einhergehend, das Verhindern von Zwei-Stürmer-Kontern durch die Mitte. Warum wir besonders ersteres so fest im System verankert haben? Weil die Verteidigung unser Problemkind ist, ohne einen Spieler namentlich zu nennen. Es ist die ganze Abwehr. Und gegen Polen haben wir das Spiel wunderbar ins vordere Mittelfeld verlagert, so dass die Abwehr wenig zu tun hatte. Wenn das einer adaptiert, ist es klar, dass das Spiel automatisch weiter in unsere Hälfte verlagert wird.

Ach, und a propos Lehmann: Der Mann hat bis jetzt noch keinen Fehler gemacht. Eine Unsicherheit am Anfang vom ersten Spiel, aber das war konsequenzlos und alles. Kann man nicht einfach mal aufhören, erstmal in jedem fragwürdigen Tor einen Fehler Lehmanns zu sehen?!

Über die rote Karte für Schweini, den Depp, würde ich jetzt eigentlich auch noch gerne was schreiben, aber das lasse ich besser und nehm noch einen Schluck ;-)

Kluft zwischen Arm und Reich wird größer

Sonntag, 18. Mai 2008

Morgen wird er offiziell vorgelegt, heute hat Bundesarbeitsminister Scholz gegenüber der BamS einen Ausblick gegeben: Der Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung. Die NETZEITUNG und SPIEGEL Online berichten über die überwiegend ernüchternden Ergebnisse. Demnach gelten 13% der Bundesbürger als arm, was nach EU-Definition einem Nettoeinkommen von weniger als 60% des mittleren Einkommens entspricht, effektiv 781 Euro. Weitere 13% befinden sich in der prekären Lage, durch Sozialleistungen vor dem Abrutschen in die Armut bewahrt zu werden. Insbesondere erschreckt Scholz aber der Anteil derer, die sich trotz Erwerbsarbeit in der prekären Lage befinden. Daraus folgt, nicht unberechtigterweise, wieder der Ruf nach Mindestlöhnen. Einzige positive Tendenz zeichnet sich bei den Rentnern ab, bei denen nur 2,3% auf Grundsicherung angewiesen seien.

Interessant wäre für mich jetzt eigentlich noch zu wissen, was mit beispielsweise Studenten ist, die durch ihre Eltern teil-/finanziert werden. Die dürften in der Statistik eigentlich nicht auftauchen, würden die Armutsquote aber wohl noch um einiges in die Höhe treiben. Betrachte ich beispielsweise mein Einkommen, von dem der Staat nur teilweise etwas mitbekommen könnte, muss ich leider sagen: Ich bin arm!