Teilzentrum der Ordnung für ‘Life live’

»Das ist ja jetzt so ’ne Masche von ›denen‹«

Donnerstag, 18. August 2016

Eigentlich ist dieses Blog ja unverkennbar ziemlich eingeschlafen. Eigentlich wartet es auch schon lange darauf, abgeschaltet zu werden. Eigentlich ist da auch schon lange ein Nachfolger geplant, mit deutlich gelegentlicherem Konzept. Also warum hier mal wieder was posten? Die Antwort ist doof, aber simpel: Weil es nötig ist und der Nachfolger halt noch nicht existiert.

Gestern war ich beim Open-Air des hr-Sinfonieorchesters in Frankfurt. Eine beinahe rundum gelungene Veranstaltung mit hervorragenden Musikern, gemütlichem Publikum und ganz ohne Dresscode. Doch eine Szene, für die die Veranstalter und Mitwirkenden natürlich nichts konnten, trübte mir das Vergnügen. Und nachdem die meine Hirnwindungen heute immernoch beschäftigt, darf die Welt ausführlicher als auf Twitter an ihr teilhaben.

Ich hatte meinen Platz am Bahndamm gefunden, um mich herum gemütliches Publikum. Neben mir ein geschätzt 11 bis 13-jähriger Junge in Begleitung eines Erwachsenen. Soweit kein Problem, die Stimmung war gut. Der Junge ging zwischendurch spielen, tat halt, was alle Kids in dem Alter so machen. Als der Beginn der Konzerte näher rückte und das Veranstaltungsgelände schon ziemlich gut gefüllt war, ging sein Begleiter Getränke holen, der Junge sollte auf den Sitzplatz aufpassen.

Viel Zeit verging nicht, da bahnte sich ein Mann im gehobenen Alter seinen Weg zu dem gerade freien Fleckchen Grün und machte sich daran, es zu besetzen. Der Junge wies ihn wirklich freundlich darauf hin, dass der Platz besetzt sei – was man durchaus auch an dem zurückgelassenen Sitzkissen hätte erkennen können. Der Mann begann zu diskutieren: Er sehe hier aber niemanden, der Platz sei aber jetzt frei, kurzum, der Junge habe Pech gehabt, er werde sich jetzt hier hin setzen. Im Laufe des »Gesprächs« wurden zwei Dinge deutlich: Der Junge wusste sich bald nicht mehr zu helfen (und blieb trotzdem freundlich), der Herr glaubte ihm kein Wort, weiter noch, er sah in ihm niemanden, den er ernst nehmen müsste.

An dem Punkt wurde es mir dann zu bunt und ich bin dem Jungen zur Seite gesprungen, denn aus dem, was der Herr so von sich gab, wurde bis dahin schon recht deutlich, warum genau er den Jungen nicht ernst nahm. Das Problem: Der Junge war vieles – nett, höflich, unaufdringlich, kurzum, ein gut erzogenes Kind – aber wirklich alles andere als weiß.

Ich bestätigte ihm merklich genervt, dass der Junge tatsächlich in Begleitung unterwegs ist und ebendiese gerade Getränke hole. Das schien wenigstens halbwegs zu wirken, denn der Mann stockte in seinem Besetzungsbemühen. Natürlich aber nicht, ohne sich zu der Rechtfertigung zu entblöden:

»Das ist ja jetzt so ’ne Masche von ›denen‹.«

Rückblickend betrachtet hätte ich ihn an der Stelle wahrscheinlich argumentativ stellen sollen. Wer genau sind denn seiner Meinung nach ›die‹? Wenn’s ans ausgesprochene Farbe bekennen geht, wird das besorgte Volk [!sic] ja oft recht kleinlaut. Welche Masche denn überhaupt? Weltmeister im Plätze zur Unzeit mit Gegenständen reservieren ist doch eigentlich eher sein Milieu. Wie moralisch überlegen ist es eigentlich, ein Kind, dass sich kaum zu wehren weiß, offenbar nur weil es die falsche Hautfarbe hat, wegen eines beschissenen Sitzplatzes mit mäßiger Sicht auf die Veranstaltung, dermaßen respektlos zu behandeln? Wo gerade seine Generation doch so gerne die Verrohung der Jugend beklagt.

Hätte ich vielleicht machen sollen. Habe ich aber nicht. Stattdessen habe ich ihm recht deutlich an den Kopf geworfen, dass er idiotischen Rassismus von sich gibt und sich verziehen soll. Warum? Weil ich es erstens sowas von Leid bin, Arschlöchern dieser Sorte ihre kleine Welt zu erklären. Es nervt tierisch und fordert mir viel zuviel Zurückhaltung ab, wenn sie dann auch noch versuchen, ihr Verhalten zu ›rechtfertigen‹. Und zweitens kann ich Konfrontationen der Art überhaupt nicht ab. In meiner kleinen Welt existiert für die keine Notwendigkeit. Da lässt man seine Mitmenschen in Frieden. Und auf Kinder geht man schonmal gar nicht los. Erst recht nicht, wenn sie einem so offensichtlich unterlegen sind. Ist schön in meiner kleinen Welt. Dumm nur, dass ich die zwischendurch verlassen muss und dann natürlich immer irgendwelchen Dummbeuteln begegne.

Wenn der Postmann nicht mehr klingelt

Donnerstag, 23. Juli 2015

Zugegeben, der Titel ist etwas überspitzt. Auch in diesem Fall wird natürlich weiterhin ein Postmann – genauer Paketzusteller der DHL – klingeln, doch hier geht es eben um DEN Postmann. Und der wird voraussichtlich ab 4. August nicht mehr im 4500-Seelen-Dorf Worfelden – nicht ganz zufällig mein Heimatdorf – im beschaulichen Südhessen klingeln.

Nun könnte man sagen, wen juckt’s? Überall im Lande werden Paketzusteller versetzt. Und das mal außen vor, was interessiert mich die Randmeinung einer zwar erheblichen Gruppe innerhalb von 4500, doch es bleiben eben nur so wenige.

Um die Aufregung zu verstehen, muss man sich ein wenig mit der paketzustellerischen Geschichte Worfeldens befassen. Denn Helmut Becker – der zu versetzende Paketzusteller – ist hier nicht irgendwer. Der 56-jährige stellt nun seit 28 Jahren in Worfelden die Paketpost zu. Längst ist er ein fester Bestandteil der Dorfgemeinschaft. Ich persönlich kann mich an keinen anderen Paketzusteller erinnern; wen wundert’s, als er hier anfing, war ich gerade einmal sieben Jahre alt. Im Dorf kennt ihn an sich jeder als den immer freundlichen Postmann des Vertrauens, der er ist. Das geht so weit, dass ihm sogar Haustürschlüssel anvertraut werden, damit Pakete trotz Abwesenheit zugestellt werden können. Helmut Becker ist eben genau der Gegenentwurf zur zunehmend schlechten Presse, die sein Arbeitgeber in letzter Zeit immer häufiger erntet.

Unverständlich ist auch, weshalb sich die DHL in der Sache so quer stellt. Denn Becker soll keineswegs ans andere Ende der Welt oder gar in einen anderen Unternehmensbereich versetzt werden. Im Rahmen der Neustrukturierung der Zustellbezirke soll er in Zukunft im ~10km entfernten Mörfelden-Walldorf Pakete zustellen, den hiesigen Zustellbezirk übernimmt wohl ein bedauernswerter moderner Lohnsklave der DHL Delivery. Ein Tausch ist nicht möglich, so die Post, wieso, das bleibt unbeantwortet. Nachvollziehbar ist es nicht wirklich.

Bemerkenswert ist aber auch, dass die DHL – auch wenn die Sache noch so klein ist – scheinbar um jeden Preis keine positive Presse ernten will. Hier könnte man mit einer, wie ich finde, einfachsten Maßnahme für gute Laune sorgen. Die Geschichte expandiert zunehmend aus dem Lokalen ins Überregionale – neben dem Hessischen Rundfunk und Hit Radio FFH berichten auch zahlreiche landesweite Zeitungen und Magazine, wie Stern, Focus, WELT und BILD (Schande über mich, eine Verlinkung). Bürger Worfeldens haben bereits zwei Kundgebungen mit jeweils 200+ 200-500 (Korrektur nach Einschätzung der hessenschau) Teilnehmern abgehalten, 2000 Unterschriften wurden für den Verbleib Beckers im Dorf gesammelt (wohlgemerkt von ~4500, von denen ein Teil noch, ein anderer nicht mehr schreiben kann). Becker selber ist bescheidener und zutiefst gerührter Gast auf den Kundgebungen, erntet aber von der Post nur Androhungen disziplinarischer Maßnahmen, wohl weil auch er in dieser Sache mit der Presse spricht.

Nach der heutigen Kundgebung, zu der auch Bürgermeister Andreas Rotzinger und MdEP Arne Gericke als Redner erschienen, hofft man in Worfelden weiter auf ein Einlenken oder wenigstens Gesprächsbereitschaft der Post. Nach deren bisherigem Gehabe zur Sache, ist die Hoffnung allerdings nicht besonders groß. Gespannt ist man trotzdem. Vielleicht bemerkt die Presseabteilung der Post ja doch noch, dass man hier ganz leicht ziemlich gute Presse in eigener Sache machen könnte. Vielleicht weiß man da aber auch schon gar nicht mehr, was das eigentlich ist.

Worfelden wird Helmut Becker jedenfalls nicht unbemerkt ziehen lassen; den Postmann, der in manchen Häusern nicht einmal klingeln musste und der ab 4. August in Worfelden wohl gar nicht mehr klingelt.

Alles neu, macht nicht ganz der Mai

Sonntag, 09. November 2014

Ach ja, ruhig ist’s wieder. Ich würds ja kreative Pause nennen, aber, nun ja, das setzt irgendwie ein gewisses Maß an Kontinuität voraus. Also bleibts bei Normalität.

Wie dem auch sei, Kurzform: Server neu, Studium einmal mehr abgebrochen (Semesterticket, ich vermisse dich jetzt schon), hallooo elendes Erwebsleben. Nun komme bloß niemand auf dumme Gedanken, ich gehe natürlich keiner geregelten Arbeit nach. Wo kämen wir denn da hin? Stattdessen bringe ich mich mental gerade in die richtige Stimmung, um einen Roman zu gebähren. Jaja, brotlose Kunst, im wahrsten Sinne des Wortes, aber was soll man machen? Irgendwann muss ich die Realitäten meines Lebens akzeptieren. Die liegen nunmal in der Schreiberei.

Insofern, mal ein kurzer Abriss über das letzte Jahr, damit auch der Laden hier wieder auf dem Stand ist:

  • Wir sind Weltmeister – Yay.. und Glückwunsch, goldene Generation. Wurde auch Zeit.
  • Große Koalition – Große Enttäuschung. Andererseits, wer hätte von unserem weichgespülten ‚Alles-Mitte‘-Politikerpack auch ersthaft was erwartet. Ein Armutszeugnis für unser schönes Land.
  • Wolf Biermann – Großes Kino, auch wenn ich grundsätzlich ein Freund der Linken bin. Das war immerhin mal die unterhaltsamste Bundestagssitzung seit Langem.
  • Amerikanische Serienwelt – Viel gutes neues, ein trauriges Ende. Californication hätte in jedem Fall noch weiter laufen müssen.
  • Sturm & Stieglitz – Großer Kampf. So ganz ehrlich. Auch wenn Sat1 endlich mal kapieren könnte, dass wir eine stolze Nationalhymne haben, die nicht von irgendwelchen Castingshowhäschen in ‚Fick mich, ich bin sooo geil‘-Manier gehaucht werden dürfte. Ernsthaft, das grenzt an Körperverletzung.
  • Meine Prospektverteiler – Lernt verdammt nochmal endlich Lesen! ‚Keine Werbung‘ heißt tatsächlich, dass ich den Papiermüll nicht brauche!
  • O² & telefonterroristische Konsorten – Wöllte ich, dass ihr mich telefonisch mit euren tollen neuen Angeboten belästigt, würde ich keinen Onlinevertrag, bei dem ihr den Support ausdrücklich auf Online verlagert, abschließen. Wenn ich mich nur online melden soll, tut mir den Gefallen und macht das umgekehrt endlich auch.
  • Krankenkassen – Seit Jahren verändert sich an meinem Einkommen nix und jedes Jahr wollt ihr das wieder detailliert in Papierform von mir bekommen. Können wir uns nicht darauf einigen, dass ich euch Bescheid gebe, wenn ich plötzlich im Lotto gewonnen habe? Wobei das ein relativ unwahrscheinlicher Fall ist, dafür müsste ich ja Lotto spielen.
  • Welt im Allgemeinen – Staub! Wirklich, wie lange brauchst du noch mit deiner Evolution, bis der Unsinn endlich weg ist. Kein Schwein braucht Staub!
  • Ach, ja, NSA & Co. – Leckt mich!

In diesem Sinne, zurück in die Stimmungsausgestaltung. Möglicherweise liest man mal wieder öfter was von mir. Auch wenn ich mittlerweile zu dem Schluss gekommen bin, dass der ganze ‚Web 2.0‘-Quatsch eigentlich nur eine riesige, belanglose Qual ist. Da wird der geneigte Leser, der es bis hier durchgehalten hat, sicher zustimmen. Aber was soll’s, man geht ja mit der Zeit.

Telefonterror a la IM Leipzig

Samstag, 08. März 2014

Ich komme ja bekanntlich (glaube ich) aus der Ecke Soziologie. Umfragen, hier speziell telefonische, sind mir also kaum ein Dorn im Auge. Die meisten Institute – ob Meinungs- oder Marktforschung – halten sich bei Telefonbefragungen durchaus auch an die üblichen Standards, die dafür sorgen sollen, dass ebendiese nicht zum Telefonterror werden. Leider gibt es immer schwarze Schafe, die die ganze Branche in Verruf bringen und seriöse Befragungen erschweren. Das IM Leipzig (Institut für Marktforschung GmbH Leipzig) ist ganz offensichtlich ein solcher Kandidat, wie ich seit mittlerweile ziemlich Langem leidvoll feststellen darf.

Angefangen hat alles vor mehr als einem Jahr, genau kann ich mich kaum noch erinnern. Plötzlich bekam ich Anrufe von der Nummer +493419950255 auf meinem Festnetzanschluss. (mehr …)

Wenn man sonst nichts hat.. Kartenzahlung

Montag, 10. August 2009

Manche Mitmenschen unbekannter Natur scheinen ja wirklich überhaupt keine Sorgen zu haben. Also wirklich so überhaupt keine, dass sie die Zeit finden, die banalsten Sachen an ihren Mitmenschen zu kritisieren. So geschehen eben an der Edeka-Schnellkasse.

Mein Anliegen, ich brauchte eine neue Dose Tabak. Dank kundenfeindlicher Verteilung von Geldautomaten der Kasseler Bank (VoBa) im Norden der Stadt, bezahle ich meist mit EC-Karte. So auch heute. Gerade wollte ich meine PIN eintippen, da viel dem Kunden hinter mir ein, dass er dazu jetzt unbedingt seinen unqualifizierten Senf abgeben musste.

„Tabak mit EC-Karte bezahlen“ (man denke sich den belustigt-abfälligen Tonfall)

Meine Antwort natürlich in etwa, warum auch nicht. Die freundliche Kassiererin reagierte analog. Und schon hatte er offensichtlich nichts mehr zu sagen.

Wenn dieses mitteilungsbedürftige Exemplar wüsste, was ich sonst noch so mit Karte bezahle. Ganz ehrlich, 13,95 Euro liegen ja grundsätzlich wenigstens schonmal über der fiktiven/früheren 10-Euro-Grenze für Kartenzahlungen. Davon mal ganz abgesehen, es kostet ja nichts und ist weit komfortabler als der mit Münzen prallvolle Geldbeutel. Und mal davon noch ganz abgesehen, es ist doch verdammt nochmal mein Bier, wie ich welche Einkäufe bezahlen will!

Erwähnenswert wäre vielleicht schlussendlich noch, dass ich meine PIN mittlerweile so schnell eintippe, dass meine Kartenzahlung wesentlich schneller abgewickelt war, als seine Barzahlung. Soviel also dazu.

Ein (versautes) Wochenende mit der Bahn

Montag, 03. August 2009

Jaja, es war mal wieder soweit. Vergangenen Mittwoch musste ich mich gen Heimat bewegen. Als armer Student natürlich mit der Bahn und natürlich ausschließlich mit Nahverkehrszügen. Und wie üblich wurde das wieder zum Desaster. Aber von vorne.

Ausgangslage und Ziel

Mittwoch hin, Sonntag wieder zurück. Semesterticket gilt bis Treysa (NVV-Gebiet), also Anschlussticket für zwei Stationen bis Stadtallendorf (RMV-Gebiet) im RE lösen. In Stadtallendorf raus um das große Ticket fürs RMV-Gebiet zu lösen, dann mit dem ~5min später fahrenden Mittelhessenexpress runter nach Frankfurt. Auf der Rückfahrt sollte das ziemlich analog laufen. In Frankfurt das große RMV-Ticket lösen, dann in Stadtallendorf raus um die 2 Stationen Übergangsticket zu lösen, 50min warten und ab Treysa wieder per Semesterticket fahren. Soviel zum Plan.

Die Hinfahrt

Los ging es also Mittwoch mit dem RE Kassel – Frankfurt, soweit alles gut. Zwischen Wabern und Treysa kontrolliert dann der Schaffner mein Semesterticket – offensichtlich exzellent gelaunt, sonst hätte er nicht auch noch meinen Perso sehen wollen. Ehrlich, wie ich bin, sage ich dann extra, dass ich gerne ein Anschlussticket bis Stadtallendorf bei ihm lösen würde. Und schon ging der Ärger los. Das Ticket könne man nicht mehr im Zug nachlösen, war seine Antwort. Ich, natürlich total verwundert, weil das bislang nie ein Problem war, wollte mir dann mal genauer erklären lassen, wie ich denn dann nach Stadtallendorf kommen soll? Kann ja nicht die Lösung sein, dass man grundsätzlich in Treysa raus muss, um sich dort das Übergangsticket zu lösen. Und am Automaten in Kassel gibt’s jedenfalls keine Tickets ins RMV-Gebiet. Seine Antwort lief dann etwas unsicher darauf hinaus, dass ich mir das Übergangsticket in Zukunft in Kassel am NVV-Schalter lösen müsse, weil ich mindestens von Treysa bis Marburg buchen müsse, damit er mir ein Anschlussticket ausstellen könne. Missmutig meinte er dann, er dürfe das zwar eigentlich nicht und eigentlich müsse er mir ja jetzt 40 Euro wegen Schwarzfahrens berechnen (wir waren noch vor Treysa, also fuhr ich noch mit meinem Semesterticket ;-)), aber er würde mir das Anschlussticket ausstellen. Darauf verzichtete ich dann ob einer Vorahnung, was das wohl nach der Diskussion kosten würde, und stieg kurzentschlossen in Treysa aus. Dort schnell das Übergangsticket gezogen und ab in den Mittelhessenexpress, den ich eigentlich erst in Stadtallendorf besteigen wollte.

Damit war meine ursprüngliche Zeitplanung über den Haufen. In Stadtallendorf bin ich dann, wie geplant, wieder ausgestiegen. Zu meiner Überraschung wird da gerade der Gleis 1 Bahnsteig neu gebaut, so dass wir auf einem Holzbahnsteig standen. Doch dazu später mehr. Naja, wenigstens war ein RMV-Automat da, also löste ich mein großes RMV-Ticket und wartete eine Stunde auf den nächsten RE. Mit einer guten Stunde Verspätung kam ich dann also in Frankfurt resp. Groß-Gerau an; um eine weitere Bahn-stinkt-Erfahrung reicher.

Die Rückfahrt

Wenn du denkst, es geht nicht schlimmer, dann wird es garantiert noch schlimmer. Die Rückfahrt ist, wie erwähnt, eigentlich völlig unproblematisch. Allerdings hätte ich mir vielleicht vorher überlegen sollen, ob ich ausgerechnet auf der Baustelle Stadtallendorf umsteigen möchte. Ich hätte es lassen sollen.

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Neues aus der Tram – Ganz Schön Feist

Mittwoch, 22. Juli 2009

Da war ich doch eben mal wieder mit der Tram unterwegs. Und, wer hätte das gedacht, es gibt wieder was zu berichten. Heute geht es um provokante auffällige T-Shirts. Von den Dingern habe ich aus früheren Zeiten noch so einige im Schrank. Mein persönlicher Liebling, das „Du willst immer nur Ficken“-Shirt.

Lange hatte ich es nicht an bzw. nur unter einem Pulli. Heute war es mal wieder soweit. Und prompt fanden sich wieder einige Mitmensch-Exemplare, die sich gar königlich an diesem Umstand erfreuten.

Ich stehe also in der Tram – Sitzplätze überlässt mal ja bekanntlich besser im Voraus schon den Älteren – da ging der Spass los. Drei Mitbürger – männlich, um die 50 Jahre alt, zwischen 100 und 150kg schwer, also Typ deutscher Nordstadtbewohner – wurden auf mein Shirt aufmerksam. Offensichtlich wieder auf dem üblichen Wege, unten steht „Ficken“, also lese ich mir mal alles durch. Um den anderen die Lesearbeit vermeindlich zu ersparen, liest einer erstmal laut vor, was denn auf dem Shirt steht. Daraufhin werden die anderen beiden noch interessierter und lesen ihrerseits ebenfalls dem ersten nochmal laut vor, was er eben vorlas. Dann amüsiert man sich nochmal kurz in der Runde über den ersten Teil des Shirts (Du willst immer nur Ficken), gegebenenfalls mokieren sich nun Vierte, meist jenseits der 70 Jahre, über diesen allzu obszönen Spruch, den öffentlich zu tragen ja eine Unverschämtheit sei.

Ist dies passiert, wird die Freude unserer ersten drei ‚Entdecker‘ plötzlich gebremst. Man unterhält sich wesentlich leiser, denn nun hat man den zweiten Teil des Shirts (Ganz Schön Feist) bemerkt und sogar schon gelesen. Eifrig wird im Nahezu-Flüsterton darüber diskutiert, was dieser denn bedeuten könnte, vor allem im Hinblick auf den ersten Teil. Meist kommt man zu keinem Ergebnis, also widmet man sich verschämt wieder den eigenen Problemen. Früher habe ich solche Exemplare dann gerne aufgeklärt, mittlerweile macht das keinen Spass mehr, denn irgendwann wird das doch langweilig.

Um das Ganze nun aufzulösen (es soll ja tatsächlich Menschen geben, die Ganz Schön Feist nicht kennen), Ganz Schön Feist ist eine a capella Combo, Du willst immer nur Ficken der Titel eines ihrer, zugegebenermaßen schon in die Jahre gekommenen, Lieder und das Shirt habe ich mir vor geschätzten 13 Jahren bei ihrem Konzert in meinem Heimatort Worfelden geleistet. Und ja, es macht immer wieder Spass, das Shirt zu tragen ;-)

Neues aus der Tram – Männermode

Montag, 20. Juli 2009

Tramfahrten eignen sich ja bekanntlich wunderbar, um zwischendurch mal wieder über die Frage nach dem Sinn des Lebens, des Universums und des ganzen Rests nachzudenken. Klar, prinzipiell ist die schon gelöst, darum denke ich dann meistens mehr über die Eigenarten der Menschen, die sich so um mich herum aufhalten, nach.

So auch heute, als ein ca. 17-jähriger Fahrgast meine Aufmerksamkeit erlangen konnte. Kurze Beschreibung: Schlank, blond, braun gebrannt, mit drei, ich nenne sie mal vorsichtig Schicksen im Gepäck. Bekleidet ist er mit einer weitestgehend normalen Hose und einem pinken Männertop (nennt man die Dinger so) mit neongrünem Kragen. Eben letzteres brachte mich nun zwangsläufig mal wieder zu den Fragen: Wer hat sich diesen metrosexuellen Look ausgedacht? Wer findet sowas modisch UND zieht sowas auch noch in der Öffentlichkeit an? Und was will mir eine solche Person damit über sich sagen? Man sagt ja, Kleider machen Leute, aber mal ganz ehrlich, was für Leute machen denn bitte solche Kleider?

Bis ich die Antworten gefunden habe, werde ich wohl noch oft Tram fahren müssen.

Semesterferien und ihre Tücken

Samstag, 05. Juli 2008

Warum habe ich das eigentlich nicht schon erwartet? Eigentlich sollte ich mich doch mittlerweile gut genug kennen. Schließlich ist das jede Semesterferien die gleiche Prozedur.

Kaum geht der Uni-Zwang, kommt meine Bastelwut. Eigentlich habe ich ja noch gar nicht die Massen an Zeit, aber die nächsten Hausarbeiten liegen subjektiv noch weit genug in der Zukunft. Also wird wieder gebastelt. Diesmal ist es ein – jedenfalls auf die Zukunft gesehen – hoffentlich größeres Ding. Trifft sogar genau den Zahn der Zeit, wenn man die überwiegende Politikverdrossenheit der deutschen Blogosphäre als Maß nimmt. Aber es bringt eben auch wieder einen Haufen Arbeit mit sich. Naja, gucken wir mal, wie schnell ich sein werde ;-)

Warum ich das so informationslos mitteile? Weil ich darum heute wieder nichts gebloggt habe. Wobei da auch noch meine laufende Aklimatisierung mit hinein spielt. Aber das ändere ich in den nächsten Tagen.. hoffentlich. Immerhin habe ich heute wieder einigermaßen ordentlich Feedreader gelesen. Das weckt die Hoffnung.

Nachbericht: Jugendstreik gegen die Bildungsreformen in Kassel

Donnerstag, 12. Juni 2008

Heute war Jugendstreik in Kassel (und anderen deutschen Städten) und, wie angekündigt, sind natürlich auch einige Studenten zur Unterstützung gekommen – mich offensichtlich eingeschlossen. Streitthema war der Bildungsklau, der in vielen Ländern mittlerweile zu unzumutbaren Verhältnissen an den Schulen führt. Das G8-Konzept, die Klassengröße von 30 Schülern, natürlich am Rande wieder die Studiengebühren und einige andere Inhalte wurden bestreikt.

Los ging es, völlig überfrüht, um 9:00 Uhr für uns an der Uni. Ein Wow an mich, normalerweise schaffe ich es ja nicht mal zu Seminaren vor 12 in die Uni. Die ganze Demonstration war sternmarschähnlich konzipiert, bevor es dann zur gemeinsamen Hauptdemonstration ab dem Rathaus überging. Zu meiner Überraschung fanden sich am HoPla zwar etwa 150 bis 200 Demonstranten, aber keinerlei Polizei. Wäre die Demonstration primär studentisch gewesen, hätte das wohl ganz anders ausgesehen. Naja, dann halt ohne. Es ging also los, in ziemlich verhaltener Lautstärke, in Richtung Innenstadt. Unterwegs begegneten wir zwar einem Polizeiauto, die schenkten uns aber keinerlei Beachtung. Über den Hinweg ist sonst nicht so viel zu sagen, weil er weitestgehend unspektakulär und mit vielen Pausen bestückt war.

‚Normale‘ Züge wurden dann ab Königsplatz angenommen, als wir, weil viel zu früh, etwa 20 Minuten Pause einlegten. Denn hier kam dann auch endlich die Polizei dazu. Die Pause gestaltete sich etwas ideenlos, es war ziemlich leise, eigentlich standen wir nur so auf den Schienen rum. Einziger Höhepunkt war die biblische Teilung der Massen, um den Tram-Stau passieren zu lassen, denn die wurden um die Zeit noch nicht um die Fußgängerzone herum umgeleitet.

Gut, irgendwann ist jede Pause zu Ende, also bewegten wir uns weiter zum Rathaus. Auf dem Weg dahin dann das nächste Kuriosum: Einer der Organisatoren rannte wild durch die ‚Massen‘ und drückte jedem, der ihm im Weg stand, eine Ordnerbinde in die Hand. Offensichtlich hatte man da etwas vergessen. So wurde ich dann auch nach langer Zeit mal wieder Ordner.

Am Rathaus wandelte sich die Situation dann langsam, denn die Züge der anderen Schulen stießen zusammen. Insgesamt waren nach Polizeischätzung während der Auftaktkundgebung etwa 2500 Demonstranten anwesend, was nicht nur ein imposantes Bild auf dem Rathausplatz brachte, sondern für letzte Kasseler Verhältnisse auch ziemlich ordentlich war. Die Auftaktkundgebung gestaltete sich anfangs etwas ideenlos, zwischenzeitlich hatten man den Eindruck, auf einer Jubeldemo gelandet zu sein. Besonders daneben fand ich den Musikwagen, der uns ab jetzt begleitete, allerdings völlig demofremde bzw. -untaugliche Musik, nämlich Hip Hop spielte. Immerhin, der Hessische Rundfunk war mit einem Ü-Wagen da und auch sonst war angemessen große Medienpräsenz spürbar.

Nach der Auftaktkundgebung ging es dann über zur Hauptdemonstration. Strecke war die, die wir Studenten schon lange nicht mehr gegangen sind, nämlich Fünffensterstraße, dann Frankfurter Straße, Steinweg, vorbei an der CDU-Zentrale und über den Stern wieder durch die Fußgängerzone zurück zum Rathaus. Die 2500 bis 3000 Mann legten dann auch relativ zügig den Verkehr auf den begangenen Straßen lahm. Das Ganze lief friedlich ab, man hielt sich weitestgehend an das, was die Polizei erlaubte und wo man sich etwas darüber hinweg setzte, blieb es noch im Toleranzbereich. Sehr zur Freude halfen zahlreiche Autofahrer mit der Hupe nach, dem Zug eine ordentliche Lautstärke zu geben. Die war aber auch schon ohne die Hupen gegeben. Vor der CDU-Zentrale gab es dann einen unvermeidbaren Stopp, um den Protest da loszuwerden, wo er hingehört. Saubere Sache. Auf dem restlichen Weg bis zum Stern gab es keine besonderen Vorkommnisse, abgesehen von ein paar ‚Kindern‘, die in meinen Augen etwas zu viel an den Tram-Fenstern randalierten. Zu Bruch ging aber wohl nichts.

Am Stern dann das übliche Sit-In – mit 2500 Mann schon eine ganz andere Sache, als mit 500. Die Kreuzung wurde uns von der Polizei für 3 Minuten überlassen, an die hielt man sich auch, abgesehen vom Schwarzen Block, der mir bis dato gar nicht aufgefallen war. Aber auch die blieben in ihren Mitteln anständig und legten sich, soweit ich das mitbekommen habe, nicht mit der Polizei an. Der Weg zurück durch die Fußgängerzone war laut, so wie sich das gehört. Zurück am Rathaus gab es dann noch die kurze Abschlusskundgebung, dann wurde die Demonstration aufgelöst. Lange blieb ich auch nicht mehr, denn es sah so aus, als würde es keine Nachdemos geben. Schade eigentlich, aber was soll’s. Vielleicht beim nächsten Mal.

Bleibt wieder mal noch hinzuzufügen, dass der Rest meiner Bilder wieder bei Ipernity liegt.

Das merkwürdige Verhalten alter Leute in Trams

Mittwoch, 11. Juni 2008

Es gibt ja so manche Benimmregel, die in der Theorie zwar absolut berechtigt ist, in der Praxis aber merkwürdige Ausmaße annimmt. Mein Liebling ist da die Regel, älteren Menschen in Trams und Bussen des Vorzug beim Sitzplatzanspruch zu geben. In Kassel sollte das erst Recht selbstverständlich sein, denn der Fahrstil vieler Tram-Fahrer ist so kein bisschen rentnerfreundlich. Und wer will schon die nette Oma durch die Tram fliegen sehen?

Nun bin ich prinzipiell Verfechter dieser Regel, kritisiere auch die Jugend von heute, die sich zunehmend nicht mehr an sie hält und biete meinen Platz immer freundlich an, wenn denn Not am Manne sein sollte. Und genau das ist aber das Problem, denn viele ältere Leute scheinen sich ihr Verständnis der Regel so weit pervertiert zu haben, dass sie nun auch bei genügend freien Plätzen darauf warten, dass ihnen ein besetzter angeboten wird. Und den bekommen sie von mir nicht – erst Recht nicht, wenn sie, auf ihrem Weg zu mir, schon 3 freie Plätze passiert haben.

So geschah es auch heute wieder, dass ich mich an meiner Haltestelle in die nicht einmal halb volle Bahn setzte. Es dauerte nur eine Haltestelle, dann stieg eines der angesprochenen Exemplare ein, bahnte sich seinen Weg durch die halbe Bahn, um dann vor mir zum Stehen zu kommen. Der Doppelsitz neben mir war ebenso frei, wie zwei Einzelsitze vor und einer hinter mir. Doch diese alte Dame hatte nichts besseres zu tun, als sich demonstrativ vor meinem Platz zu platzieren und mich von nun an bis zur Uni immer wieder mit bösen Blicken zu strafen.

Wie konnte ich ihr meinen Platz nur nicht anbieten? Denk mal drüber nach, Ommi!

EM-Nachwirkungen

Montag, 09. Juni 2008

Meine Mitbewohnerin heute Morgen um etwa 10:30 Uhr (!!!) zwischen ihrem Zimmer und der Toilette zu ihrer Katze:

„Oh Ipek, ich bin total betrunken. Verpiss dich!“