Kram getagged mit ‘Big Brother’

Spionage, BND, die Presse und Berlin

Montag, 27. April 2015

Jaja, ein Titel alleine aus Buzzwords ist nicht schön. Manchmal lässt er sich aber nicht vermeiden. Und manchmal muss man auch mit unfairen Mitteln kämpfen, wenn die Gegenseite zu stark oder, wie in diesem Fall, so lethargisch agiert, dass sie alles um sich herum einschläfert.

Der BND hat also Wirtschaftsspionage im Auftrag der NSA betrieben. Und nicht genug, er tat das ggü. europäischen Unternehmen mit deutscher Beteiligung. Immer noch nicht genug? Mindestens die Kanzleramtsminister seit 2008 wussten Bescheid.

Trotzdem wählt Deutschland laut ZDF Politbarometer seit Wochen immer noch deutlich mehrheitlich die aktuelle Regierungskoalition und vor allem unsere Teflonmutti, die sich zu absolut nichts auch nur ansatzweise positionieren kann, solange es noch keine Mehrheitsmeinung gibt.

Um das mal in aller Deutlichkeit zu sagen: Was der BND mit Wissen des Kanzleramtes seit 2008 getan hat, erfüllt den Tatbestand des Landesverrats. Das ist keine popelige Lapalie und weit weg von „Freundschaftsdiensten“ oder solchen im Rahmen des nirgendwo niedergeschriebenen Supergrundrechts Sicherheit. Es ist schlicht kriminell und wurde von zahlreichen Regierungen, allesamt unter der Führung von unserer aktuellen Kanzlerin, scheinbar wissentlich gebilligt. Und um ihr gerecht zu werden, das hat auch nichts mehr mit der „kapitalismuskonformen Demokratie“ – ein Unwort, für das Frau Merkel ebenfalls schon vor Gericht gehört hätte, denn es stellt die Menschenwürde hinter die Wirtschaft – zu tun. Diese Regierung gehört aus dem Amt gejagt. Nicht nur das, danach gehört sie vor Gericht gestellt und ordentlich verurteilt. Wozu ist eigentlich die Bundesanwaltschaft gut? Ach so, die ist weisungsgebunden. Wie praktisch.

In dem Punkt wäre im Übrigen die Presse, als vierte Gewalt im Staate, aufgerufen, weit unangenehmer zu sein, als sie momentan mit aller Gewalt zu Vermeiden versucht. Das wäre hilfreich. Dann würde die Sonntagsfrage wahrscheinlich auch nicht mehr ausfallen, wie sie seit Monaten, wenn nicht Jahren, ausfällt.

Deutschland ist eine Bananenrepublik! Dass aus unserem, eigentlich ziemlich guten Grundgesetz, mal so was werden könnte. Es ist zum Würgen!

Alles neu, macht nicht ganz der Mai

Sonntag, 09. November 2014

Ach ja, ruhig ist’s wieder. Ich würds ja kreative Pause nennen, aber, nun ja, das setzt irgendwie ein gewisses Maß an Kontinuität voraus. Also bleibts bei Normalität.

Wie dem auch sei, Kurzform: Server neu, Studium einmal mehr abgebrochen (Semesterticket, ich vermisse dich jetzt schon), hallooo elendes Erwebsleben. Nun komme bloß niemand auf dumme Gedanken, ich gehe natürlich keiner geregelten Arbeit nach. Wo kämen wir denn da hin? Stattdessen bringe ich mich mental gerade in die richtige Stimmung, um einen Roman zu gebähren. Jaja, brotlose Kunst, im wahrsten Sinne des Wortes, aber was soll man machen? Irgendwann muss ich die Realitäten meines Lebens akzeptieren. Die liegen nunmal in der Schreiberei.

Insofern, mal ein kurzer Abriss über das letzte Jahr, damit auch der Laden hier wieder auf dem Stand ist:

  • Wir sind Weltmeister – Yay.. und Glückwunsch, goldene Generation. Wurde auch Zeit.
  • Große Koalition – Große Enttäuschung. Andererseits, wer hätte von unserem weichgespülten ‚Alles-Mitte‘-Politikerpack auch ersthaft was erwartet. Ein Armutszeugnis für unser schönes Land.
  • Wolf Biermann – Großes Kino, auch wenn ich grundsätzlich ein Freund der Linken bin. Das war immerhin mal die unterhaltsamste Bundestagssitzung seit Langem.
  • Amerikanische Serienwelt – Viel gutes neues, ein trauriges Ende. Californication hätte in jedem Fall noch weiter laufen müssen.
  • Sturm & Stieglitz – Großer Kampf. So ganz ehrlich. Auch wenn Sat1 endlich mal kapieren könnte, dass wir eine stolze Nationalhymne haben, die nicht von irgendwelchen Castingshowhäschen in ‚Fick mich, ich bin sooo geil‘-Manier gehaucht werden dürfte. Ernsthaft, das grenzt an Körperverletzung.
  • Meine Prospektverteiler – Lernt verdammt nochmal endlich Lesen! ‚Keine Werbung‘ heißt tatsächlich, dass ich den Papiermüll nicht brauche!
  • O² & telefonterroristische Konsorten – Wöllte ich, dass ihr mich telefonisch mit euren tollen neuen Angeboten belästigt, würde ich keinen Onlinevertrag, bei dem ihr den Support ausdrücklich auf Online verlagert, abschließen. Wenn ich mich nur online melden soll, tut mir den Gefallen und macht das umgekehrt endlich auch.
  • Krankenkassen – Seit Jahren verändert sich an meinem Einkommen nix und jedes Jahr wollt ihr das wieder detailliert in Papierform von mir bekommen. Können wir uns nicht darauf einigen, dass ich euch Bescheid gebe, wenn ich plötzlich im Lotto gewonnen habe? Wobei das ein relativ unwahrscheinlicher Fall ist, dafür müsste ich ja Lotto spielen.
  • Welt im Allgemeinen – Staub! Wirklich, wie lange brauchst du noch mit deiner Evolution, bis der Unsinn endlich weg ist. Kein Schwein braucht Staub!
  • Ach, ja, NSA & Co. – Leckt mich!

In diesem Sinne, zurück in die Stimmungsausgestaltung. Möglicherweise liest man mal wieder öfter was von mir. Auch wenn ich mittlerweile zu dem Schluss gekommen bin, dass der ganze ‚Web 2.0‘-Quatsch eigentlich nur eine riesige, belanglose Qual ist. Da wird der geneigte Leser, der es bis hier durchgehalten hat, sicher zustimmen. Aber was soll’s, man geht ja mit der Zeit.

Nachtrag in eigener Sache: Nochmal HTTPS

Samstag, 21. Juni 2014

Jaja, es war wieder ruhig. Gibt auch kaum neues. Ausgenommen einen eher ärgerlichen Punkt.

Irgendwer hat es doch tatsächlich gewagt, meinen Server zu kompromittieren. Resultat ist: Alles wird gerade neu aufgesetzt und in dem Zug wird dann auch die SSL-Umstellung ad hoc durchgezogen. Alle Zertifikate, die auf meinem Server genutzt werden, sind ab sofort von Sonic Lux‘ CA ausgestellt. Damit Users Browser, Mailclients und wat weiß ich was nicht unnötig meckern müssen, gibt’s die CA auch hier zum Download. Im Archiv liegt das Ding als PEM für nahezu alles und als CRT für Android. Damit ist dann alles wieder gut.. naja, fast alles ;)

Nachtrag in eigener Sache: HTTPS

Mittwoch, 05. Februar 2014

Eine Info, die dank konsequenter Inaktivität zwar bisher ausfiel, trotzdem aber einer Erwähnung bedarf, da sie Verwirrung stiften könnte: Seit mitte November letzten Jahres ist alles, was über meinen Webserver gehostet wird, nur noch verschlüsselt per HTTPS erreichbar. Aktuell ist das für die chaosmos.de-Dienste noch nicht so verwirrend, da das Zertifikat hier noch von CAcert ausgestellt wird. Deren Root-CAs muss zwar leider nach wie vor händisch integriert werden, scheint aber wenigstens vertrauenerweckend. Bezogen werden können sie hier, dann meckert auch der jeweilige Browser nicht mehr.

An dieser Stelle wird sich allerdings mittelfristig eine Änderung ergeben, die dann etwas mehr Verwirrung stiften könnte. Früher oder später wird, wie schon andere meiner Domains, auch chaosmos.de mit all ihren Diensten auf eigene Zertifikate umsteigen. Dies einerseits aus paranoiden Aspekten, andererseits aus Gründen besserer Administrierbarkeit, die sonst leider nur von kostenpflichtigen Anbietern geboten werden. Ausgebende ‚Stelle‘ ist hier sonic-lux.net, ein persönlicher Freund, die entsprechende Root-CA findet sich u.a. hier. Wenn es zu dieser Umstellung, die leider mit einem nicht ganz unerheblichen Arbeitsaufwand verbunden sein wird, kommt, wird nochmal frühzeitig auf die Schritte, die in diesem Zuge relevant sein werden, hingewiesen.

WELT ONLINE und CCC und NSA-Affäre: Ein Kommentar zu einem Kommentar

Dienstag, 04. Februar 2014

Ich bin ja wirklich sowas von inaktiv, das ist kaum zu übertreffen. Doch nun hat es Hr. Krauel, seines Zeichens Chefkommentator der WELT, tatsächlich geschafft. Mit einem Kommentar zur Anzeige von CCC, Internationaler Liga für Menschenrechte e.V. und Digitalcourage e.V. hinsichtlich des Verhaltens zahlreicher staatlicher Institutionen in der NSA-Affäre, der vor Populismus und zurecht gebogenen Fakten nur so strotzt. Dass so etwas überhaupt veröffentlicht wird, macht mir den Schritt doch wesentlich leichter, WELT ONLINE in Zukunft aus meinem Feedreader zu verbannen, nachdem mich das neuerliche ’20 Artikel pro Monat‘-Limit schon zur Genüge verärgert hat.

Krauel nimmt sich hier die Forderung nach Informationsfreiheit aus der Hackerethik, wendet diese auf das massenhafte Abschöpfen von Daten an und zieht daraus den Schluss, der CCC biege sich die Informationsfreiheit so zurecht, wie es ihm gerade am nützlichsten in den Kram passt. Mehr noch, letztendlich verrate der CCC mit der Anzeige seine eigenen Prinzipien.

Was Hr. Krauel dabei übersieht, ist so offensichtlich, dass man ihm fast nur Absicht unterstellen kann, womit der Vorwurf des Populismus postwendend zurück gegeben werden kann: „Alle Informationen müssen frei sein“, sagt die Hackerethik, genau wie „Öffentliche Daten nützen, private Daten schützen“, soweit legt er die Fakten noch dar. Und im Prinzip ist damit auch alles gesagt.. nur eben nicht für Krauel. Denn nun folgt die Frage: „Ach so. Und wer bestimmt in der Internetwelt, was öffentlich ist und was privat?„. Die Antwort ist eigentlich ganz einfach: Was ich öffentlich zugängig über mich ins Netz stelle, das ist öffentlich. Alles andere ist privat. Noch eindeutiger wird es mit Metadaten, die so einfach gar nicht erfasst werden können. Es wird wohl kaum ein klarer Verstand behaupten, die Informationen, wann ich wem eine SMS mit welchem Inhalt geschickt habe, wäre keine private Information. Bis staatliche Stellen solche Informationen überhaupt erfassen dürfen, muss hierzulande nicht grundlos ein begründeter Verdacht bestehen. Zudem beleuchtet die Hackerethik sogar, wie genau sie die Forderung sieht: „Der Zugang zu Computern und allem, was einem zeigen kann, wie diese Welt funktioniert, sollte unbegrenzt und vollständig sein.“ (Hervorhebung durch den Autor). Nicht einmal Hr. Krauel wird wohl behaupten, die Informationen, wann er wem eine Email geschickt, mit wem er telefoniert, was er auf Google gesucht oder wann er zuletzt einen unliebsamen Kommentarentwurf welchen Inhalts verworfen hat, würde auch nur irgendwem bei der Beantwortung der Frage, wie die Welt (nicht DIE WELT ;-)) funktioniert, helfen.

Einen weiteren Punkt missachtet Hr. Krauel zusätzlich und den kann man eigentlich nicht übersehen: Die privaten Informationen, die massenhaft abgeschöpft werden, werden auch dadurch, dass die Geheimdienste sie abschöpfen können, nicht zu öffentlichen. Allein schon, weil eben nur ein paar wenige ‚privilegierte‘ Institutionen und Unternehmen überhaupt die technischen Möglichkeiten haben/hätten, sie in diesem Maße abzuschöpfen.

Man darf von der Klage sicher halten, was man will. Ich persönlich befürworte sie. Nicht weil ich glaube, dass sie auch nur ansatzweise Erfolg haben wird, sondern weil sie ein Thema, das von der Politik sträflichst gemieden wird, wo es nur geht, auf der Agenda hält resp. auf eine neue Ebene hebt. Wenn sie die Politik nur zwingt, endlich mal Klartext zu reden, hätte sie schon so viel erreicht, dass sie sich gelohnt hätte. Was ich nicht befürworte, ist die Forderung nach einer Aussage Snowdens im Rahmen des angestrebten Prozesses. Alleine auf Grund der Tatsache, dass er in EU-Luftraum und auf deutschem Boden in keinster Weise sicher wäre.

Diablo III installiert – Das DoD schnüffelt mit

Donnerstag, 13. Juni 2013

Da habe ich doch gestern nicht schlecht gestaunt, als ich mein Projekt „Diablo III unter Linux“ mal wieder angegangen bin – diesmal sogar mit mehr oder minder großem Erfolg. Der geneigte Diablo-III-Spieler weiß sicherlich, dass Blizzard im Installer ein P2P-„Feature“ auf Basis von BitTorrent implementiert hat, so dass die Daten schneller verteilt werden können sollen (netter Satz ;-)). So weit, so gut.

Nun scheint aber genau in diesem Punkt – jedenfalls fällt mir kein anderer sinnvoller ein – ein unschöner Hund begraben zu sein. Denn just war der Download der doch recht knackigen Datenmenge abgeschlossen, wurde plötzlich mein Upstream komplett ausgelastet. Nun sollte man denken, das sei ja normal, P2P beinhaltet ja eben auch die Weiterverteilung der Daten. Allerdings war der Installer zu diesem Zeitpunkt bereits geschlossen. Ein kurzer Blick auf den Netzwerkverkehr mit Tcpdump und eine schnelle Whois-Abfrage und ich staunte noch mehr: Das amerikanische Verteidigungsministerium (DoD Network Information Center (DNIC)) resp. eine von ihm registrierte IP schien mich nicht nur zu scannen, bei der Auslastung des Upstreams lag der Verdacht nahe, dass es sich konsequent Daten bei mir zog. Also die Kollegen erstmal fix mittels iptables rausgeschmissen, dann ging es an die Nachforschung.

Tante Google erklärte dann recht freigiebig, dass das DoD hinsichtlich BitTorrents offenbar ziemlich aktiv ist. Finde ich jetzt nicht unbedingt toll, aber was erwartet man in Zeiten von PRISM noch Großes von der Vorzeigedemokratie. Mein Kernproblem aber wurde dadurch nicht gelöst: Wie kann das DoD bei mir Daten ziehen, wenn der Installer und damit BitTorrent gar nicht mehr aktiv ist? Mal ganz davon abgesehen, dass es eine grandiose Frechheit ist, dass ich mich bei Installation eines Spiels, das ich mir legal gekauft habe und legal mit dem Standardinstaller installieren will, von rechtsstaatsfeindlichen Schnüfflern ausspionieren lassen muss!

Was und wie genau gezogen wurde, konnte ich nicht reproduzieren. Dafür hatte ich sie zu schnell ausgesperrt. In der Konsequenz sind nun alle IP-Netze, die das DoD registriert hat, direkt in meinem Router in beide Richtungen gesperrt. Bis jetzt ist mein Upstream jedenfalls nicht mehr ungewöhnlich ausgeschlagen.

Google: Freund, aber zu welchem Preis?

Dienstag, 04. August 2009

Die Debatte um Google gibt es ja schon lange. Letztes Jahr wurde sie einmal mehr angeheizt, als veröffentlicht wurde, das Google vermittels ihrer gesammelten Userinformationen erschreckend treffende Profile ihrer Nutzer herstellen kann. Google kann eine Suchanfrage offensichtlich auch ohne übereinstimmende IP relativ leicht einem Nutzer zuordnen.

Die Debatte nimmt kein Ende und meines Erachtens ist das auch gut so. Allerdings nimmt sie Ausmaße an, die der Realität wohl eher fern sind. Da spricht ein Herr Konken davon, dass Google Meinung machen würde und Journalisten – und dementsprechend auch jedem anderen Urheber – insofern schaden würde, als dass es Inhalte kostenlos anbieten würde, die eigentlich nicht kostenlos sind oder auch sonst an den urheberrechtlich geschützten Ergüssen der Urheber verdienen würde. Das ist in meinen Augen natürlich Schwachsinn und zeugt nur ein Mal mehr von der Unwissenheit, mit der Herr Konken seinen Kampf gegen das Internet führt.

Was allerdings weit mehr der Realität entspricht, sind die Punkte, die Sascha Lobo und Alexander Dix im oben zitierten Interview ansprechen. Google sammelt Daten; maßlos und offensiv. Jeder, der sich mit der Materie auch nur minimal beschäftigt, weiß, dass jede Suchanfrage für einen ziemlich langen Zeitraum nebst Metainformationen bei Google gespeichert und verarbeitet wird. Verarbeitet in dem Sinne, als dass sie anderen Suchanfragen oder Nutzungen der diversen Google-Dienste zugeordnet wird. Letztendlich ist es Realität, dass Google dank ihrer Angebotsvielfalt mindestens vermittels IP- und Cookie-Zuordnungen relativ leicht sehr treffende Benutzerprofile erstellen kann. Hierin liegt die Gefahr, die, abgesehen von aller Freiheitsbemühungen im Netz, unbedingt eingeschränkt gehört. Welchen Schaden solche Macht anrichten kann, da erinnere ich mich auch nur noch dunkel an einen Fall, der etwa vor einem Jahr im Zuge der Debatte um Vorratsdatenspeicherung durch die Ticker ging: Google hatte bereitwillig ohne richterlichen Beschluss Einblick in ein GoogleMail-Konto geboten. Solch leichtsinniger Umgang mit Daten darf nicht sein. Um Google da aber etwas aus der Primärschuld zu nehmen, zahlreiche ISPs hatten ähnliches ebenfalls im Laufe der Zeit getan, soweit ich mich erinnere.

Was ich primär vertrete: Google darf prinzipiell Daten sammeln, soviel sie wollen. Da kann ihnen grundsätzlich keiner was, denn die entsprechenden Dienste bieten sie zu gewissen Konditionen frei an. Google darf diese Daten von mir aus auch vernetzen (darum nutze ich außer der Suchmaschine keinen Google-Dienst ;-)), auch das kann man ihnen prinzipiell nicht verbieten. Allerdings haben die Daten bei Google zu bleiben. Es kann nicht sein, dass andere Institutionen, ob staatlich oder privat, von solch detaillierten Nutzerprofilen leichtfertig profitieren können. Die einzelnen Google-Sparten müssten in diesem Punkt getrennt gesehen werden und ebenso ihr Datenbestand. Dass das schwer fällt ist mir klar. Datenschutzrechtlich ist es aber zwingend notwendig. Daten dürften nur teilverfremdet (beispielsweise ohne Cookie-Informationen, damit eine Zuordnung über die IP hinaus nicht möglich ist) herausgegeben werden. Sonst kann ich mir auch gleich bereitwillig einen Bundestrojaner auf meinem Rechner installieren (wenn es denn eine Linux-Version des Parasiten gibt).

Letztendlich bleibt zu sagen, Google ist vielleicht im Wortsinn der Global Player schlechthin. Jeder Mensch benutzt es, mindestens die Suchmaschine. Daraus resultieren Daten, die schier undenkbare Auswertungsmöglichkeiten ermöglichen. Daraus resultiert in gewissem Sinne Macht. Aber Macht ist immer mit Verantwortung verbunden. Und die hat Google in der Vergangenheit nicht immer bewiesen. Man (ich) hofft auf Besserung und nutzt weiterhin nur die Suchmaschine ;-)

Respekt, RTL II News!

Dienstag, 08. Juli 2008

Ich weiß gerade nicht so genau, ob ich erschreckt, verblüfft oder begeistert sein soll. Wie vorhin schon ausgebreitet, gab’s ja gerade das Big Brother Finale. Das Jahreshighlight schlechthin. Na gut, dank Frauenunterstützung war es dann doch eher anstrengend, aber darum geht’s ja gerade auch gar nicht.

Viel interessanter, direkt im Anschluss kamen die RTL II Latenews. RTL II News.. ne? Also die, bei denen die Top-News in etwa so aussehen: In Afrika verhungern die Kinder, islamistische Terroristen fliegen zwei Passagierflugzeuge in die Twin Towers – Top News bei RTL II: Angelina Jolie hat sich die Titten machen lassen (man erinnere sich an „die süßen Tierbabys“ (OK, nicht RTL II)). Also bin ich schon mit einer gewissen Erwartungshaltung in die News gegangen.

Wenn auf ARD und ZDF die G8 afrikanische Kinder verhungern lassen, Kalifornien abbrennt und die EU komische Sachen beschließt, muss auf RTL II die Top News natürlich Isi, die Gewinnerin von Big Brother sein. Und um so überraschter war ich, als davon und von jeglichem anderen Klatsch kein Wort fiel. Weder in den Top News, noch in der ganzen restlichen Sendung. Nicht schlecht, RTL II. Wir machen doch nicht etwa Ambitionen, seriös zu werden?

Big Brother – Nach der Staffel ist vor der Staffel

Montag, 07. Juli 2008

Heute neigt sich die mittlerweile 8. Staffel des RTL II Realityformats Big Brother ihrem Finale zu. Ab 21:15 Uhr werden die verbliebenen Bewohner im Rahmen der ‚grandiosen‘ Finalparty aus dem Container ziehen. Ein Grund mehr, mal wieder ein Auge auf das Konzept zu werfen.

Überraschend finde ich ja ohnehin, dass sich das Format tatsächlich immernoch zu lohnen scheint. Trotz einiger Krisenstaffeln (bestes Beispiel: Big Brother – Das Dorf) kommt doch – obschon ich mir zum Ende jeder Staffel bislang dachte, das muss doch langsam die letzte gewesen sein – immer wieder die nächste, vermeindlich letzte Staffel. Überraschend vor allem unter dem Gesichtspunkt, dass die Einnahmequellen immer deutlicher optimiert werden, was ich schon als Indiz für fehlende Rentabilität sehe. Beispiel die Telefonvotings: Anfangs konnte man immer nur für den Kandidaten anrufen, den man aus dem Haus wählen wollte. Mittlerweile sieht das anders aus: In den Pränominierungswochen kann man seinen Favoriten schützen, in den Nominierungswochen dann neben der Raus-Stimme auch noch für all diejenigen anrufen, die man lieber im Haus sehen will, um die Verhältnisse zu verschieben.

Ein anderes Beispiel, das ich schon thematisiert hatte, ist die zunehmende ‚Verekeligung‘ der Matches und persönlichen Herausforderungen: Big Brother neigt mittlerweile zum Dschungelcamp ohne Dschungel. Von Pansensuppe über Mäuseschwänzchen und tote Fliegen bis hin zu Drinks, bei denen sich die Teilnehmer vor laufender Kamera übergeben mussten, war alles dabei. Matches beinhalten zunehmend animalisches: Vogelspinnen im Gesicht, Baden in Kakerlaken oder Kopf in Heuschreckenkäfig stecken. Alles in Allem, im Gegensatz zu seinen Anfangstagen entwickelt sich Big Brother zum Ekelfernsehen, dessen Beliebtheit nur von der perversen Freude des modernen Menschen an der Demütigung anderer teilhaben zu dürfen herrührt. Das gleiche Prinzip, auf dem auch das Dschungelcamp aufgebaut ist. Ganz unweigerlich stellt sich die Frage, was für Menschen sich überhaupt auf sowas einlassen?

Interessant scheint mir auch, dass (meines Wissens, man möge mich korrigieren) in der laufenden Staffel 8 zum ersten Mal schon Wochen vor dem Finale für die kommende Staffel 9 geworben wird. Scheinbar gehen RTL II resp. Endemol die Bewerbungen aus – oder nur von Charakteren, die eine strategisch möglichst sinnvolle Zusammensetzung der Bewohner zulassen? Allerdings kann man das auf die Zukunft gesehen auch eher vernachlässigen. Wer weiß, ob Endemol in 5 Jahren überhaupt noch casten muss. Vielleicht reicht dann auch ein kurzer Anruf beim Bundesministerium des Inneren und anstelle von ‚Big Brother – Das Dorf‘ kommt halt ‚Big Brother – Das Land‘.

Der Frühling kommt, die Vögel zwitschern

Dienstag, 11. März 2008

Wie unschwer zu erkennen ist, habe ich mich letzte Nacht dem immer stärker werdenden Druck des Trends gebeugt und mich in ein Vöglein verwandelt. Natürlich nicht bildlich gesehen, dafür reicht meine körperliche Aerodynamik nun wirklich nicht. Ab sofort wird also auch getwittert – im nächsten Schritt werde ich dann wohl Kameras in meiner Wohnung installieren und meinen Alltag per Livestream ins Netz stellen ;-)

RTL II Dschungelcamp ohne Dschungel

Montag, 25. Februar 2008

Ich muss mich doch heute mal Outen: Ja, ich schaue halbwegs regelmäßig Big Brother. Bislang war das ja auch meistens halbwegs unterhaltsam – natürlich schaue ich sowas nur aus wissenschaftlichem Interesse, denn das Format ist sowohl soziologisch, als auch psychologisch ganz interessant ;-)

Wie gesagt, bislang war es unterhaltsam. Doch dann kam die aktuelle Staffel und mich beschleicht ein dunkel Gefühl: Könnte es sein, dass RTL II langsam auf den Dschungelcamp-Zug aufspringt? Gut, es fehlt etwas an Urwald, aber die Aufgaben, die die Bewohner zu erfüllen haben, erinnern doch immer mehr an das RTL D-Promi-Erniedrigungsformat. Mussten die Bewohner vor einigen Wochen noch allerlei Krabbelgetier (Skorpione, Schlangen etc.) über ihre Körper wandern lassen, so findet die traurige Entwicklung heute in der Liveshow ihren Höhepunkt: Das Wechselmatch besteht aus drei Aufgaben. Zuerst gilt es, einen Finger in einen Pott Wasser zu halten. Dieser beinhaltet zusätzlich einen Tauchsieder, vermittels dessen das Wasser auf über 50°C erhitzt wird. Wer den Finger zuerst raus zieht, weil er sich vor Verbrühungen bewahren will, hat verloren.

Im zweiten Match gibt’s dann allerlei Leckereien. Mehl mutet da noch harmlos an, es geht über Schnecken auf Zucker hin zu einer rohen Schweinezunge. Kevin, der alte Moppel, braucht fast 3 Minuten, bis er das gute Stück ohne sich zu erbrechen runtergewürgt hat. Immer angefeuert von dummen Kommentaren durch Jürgen Milski, der sich insgeheim wohl ins Fäustchen lacht, weil BB seinerzeit noch so harmlos war. Gekrönt wird das Ganze dann durch einen Esslöffel Chili-Pulver – wer sowas nicht gewohnt ist und es schonmal probierte weiss, wie schmerzhaft allein schon eine Messerspitze ist.

Match drei war dann wieder im wahrsten Sinne zum Kotzen: Es gab einen leckeren Cocktail, bestehend u.a. aus Kokosmilch, Brottrunk, Minzsirup etc. Das Zeug sah schon beim Mischen verboten aus. Wer das Glas zuerst leer getrunken hat, gewinnt. Also ergötzen wir uns mit Jürgen und dem BB-„Matchmaster“ an vier Bewohnern, die wirklich alles mit sich machen lassen, bei jedem Schluck nochmal nachschlucken müssen, damit die Brühe nicht wieder hoch kommt und am Ende kollektiv Kotzen gehen.

Sind die Einschaltquoten mittlerweile wirklich so schlecht, dass man auf dieses Niveau gehen muss?