Kram getagged mit ‘Endzeitstimmung’

Europa am moralischen Abgrund

Samstag, 04. Juli 2015

Am Sonntag ist es also soweit. Das Volk eines EU-Mitgliedsstaates wird de facto über das grundlegende Werteverständnis des Miteinanders in der Eurogruppe bzw. der EU abstimmen. Und, man möge es glauben oder nicht, das ist auch schon ziemlich lange mal nötig, denn die Schuldenkrise Griechenlands zeigt nicht nur auf, wer in der EU mittlerweile das Zepter übernommen hat, sie zeigt auch den moralischen Verfall innerhalb der EU auf beschämendste Weise auf. Vom ursprünglichen Friedensprojekt Europa ist nur noch ein sterbender Rest übrig, die EU hat sich zum buckelnden Steigbügelhalter von Finanzindustrie und Lobbygruppen entwickelt.

Betrachtet man den ganzen Verhandlungsprozess über das vermeintliche Rettungsprogramm seit Syriza gewählt wurde, zeichnet sich ein Armutszeugnis für die EU ab. Am 26.01.2015 wurde Alexis Tsipras als Ministerpräsident vereidigt. Normalerweise folgen nun die berühmten 100 Tage, die eine neue Regierung in Ruhe gelassen wird. Man muss sich ja erst einmal einarbeiten. Und wenn man so radikal unterschiedliche Vorstellungen zu den Vorgängerregierungen hat, müsste man auch erst einmal viel Zeit und Arbeitskraft aufwenden können, um das Land gemäß seinen Idealen umzukrempeln. Immerhin hat Tsipras es geschafft, in Rekordzeit sein Kabinett aufzustellen und damit grundsätzlich regierungsfähige Verhältnisse zu schaffen. Gut, über den Koalitionspartner darf man die Nase rümpfen, aber das ist eine andere Geschichte.

Doch zurück zu den 100 Tagen – von denen blieb nämlich nichts übrig. Schon am selben Tag wurde quer durch die europäische Bank lautstark verkündet, dass Griechenland sich gefälligst weiter an die Sparauflagen zu halten habe. Das natürlich in dem Wissen, dass Syriza genau dafür nicht gewählt wurde – und das aus gutem Grund. Denn auch wenn die Auflagen des Rettungspakets letztendlich zu ein wenig Wachstum führten, der normale Grieche, der mittlerweile arbeitslos war, hatte davon wenig.

Gleichzeitig stieg die Presse ein, hierzulande vor allem die Springer-Gruppe. Das ging ja auch gar nicht, dass die genetisch faulen und korrupten Griechen da einfach eine Regierung wählten, die sich, trotz des rechten Koalitionspartners, auf internationalem Parkett wirklich links verortete. (mehr …)

Dear Senator McCain…

Samstag, 07. Februar 2015

don’t take me wrong, but please do the world, europe and finally your country a favour and shut up! Or, if you can’t, try out dying. Really, you would make the world a better place, also for America.

Sure, the conflict in the ukraine is not nice. It’s horrible, cause it’s straight going to be a revival of the cold war. But people like you, lost in the second half of the 20th century, are the reason, why we now are where we are. People like yours constraint to present their subjective monstrous penis to everyone that don’t want to see it is exactly the reason for the problems. Sure, Mr. Putin plays in your league, maybe a league higher, but one of all needs to be wise. As a member of the senate of the self called highest evolved democracy, it is your fucking job to be wise. People like you don’t stop in declaring the russians beeing underdeveloped. Maybe that’s right, from our point of view. But pushing a revival of a war, that lastet nearly 50 years and threatened the whole western world, really is much more underdeveloped than anything else can be.

This thing is our problem in europe. You sit in America. Get your own problems right and let us work on ours. The situation is bad enough even without you advertising for more open war in areas far away from your home just cause you can do it. This attitude is the reason, why more and more europeans don’t like the american government. And that’s the really last thing, our world needs. We have enough important problems.

Aufreger – Wenn du nicht mehr wie gewollt funktionierst

Donnerstag, 13. November 2014

Was mir tatsächlich gerade mal wieder so richtig auf die Nerven geht: Psychologie. Der nutzloseste Kropf gesellschaftskorrigierenden Bullshits, den unser elend fortschrittliches System in die Welt gekotzt hat.

Sorry allen Psychologen, muss trotzdem gesagt werden: Ein Mensch ist nicht funktionsuntüchtig, wenn er aus der wirtschaftsorientierten Ausbeutung seiner selbst mit einem Burnout rausgeht. Auch nicht, wenn er gar nicht so weit kommt und depressiv wird. Und wenn er in der Grundschule Scheiße bauen will oder sich unterfordert fühlt, ist er auch nicht hyperaktiv.

Ein Mensch ist primär Mensch. Er bringt gewisse Eigenschaften mit, er erlernt einige, andere kann nicht jeder Mensch erlernen. Selbst ein Autist ist ein Mensch, der die Welt erheblich bereichern kann, auch wenn ihm das möglicherweise meilenweit am Allerwertesten vorbei geht. Das mag der Wirtschaft nicht passen, das wiederum muss aber niemanden jucken. Die Wirtschaft ist nicht Maxime und Lebenszweck des Menschen. Ganz im Gegenteil, die Wirtschaft ist mittlerweile Selbstzweck. Eine traurige Entwicklung, die alles andere als ein gutes Zeichen für das Selbstverständnis des Menschen ist. Noch schlimmer, dass er eine pseudowissenschaftliche Disziplin entwickelt hat, die ihm in den schlimmsten Lebenssituationen genau das Gegenteil unter dem Vorwand von Krankheiten einredet.

Wahlkampf für Politikverdrossenheit

Montag, 17. August 2009

Warum sollte man heute noch wählen gehen? Also abgesehen davon, seiner politischen Enttäuschung wenigstens noch durch einen ungültigen statt fehlenden Stimmzettel Ausdruck zu verleihen? Die Parteien machen es einem zunehmend schwerer, darauf eine vernünftige Antwort zu geben. Die abnehmende Wahlbeteiligung und das zunehmende Bekenntnis zum Nichtwähler sprechen hingegen eine deutliche Sprache, die die Parteien offensichtlich nicht verstehen wollen.

Wir leben in einer parlamentarischen Demokratie. Zu wählen sollte eigentlich eines unserer ureigendsten Interessen ein. Aber gerade im Wahlkampf wird immer verständlicher, warum dieses Interesse mehr und mehr zum Desinteresse wird, was der politischen Entwicklung unseres Staates fast nur schaden kann. „Fast nur“, weil Wahlverweigerung immernoch besser ist, als Extreme zu wählen. Doch warum sinkt die Wahlbeteiligung zunehmend? Wie kann dem entgegen gewirkt werden? Dieser Post soll ein Versuch sein, einen der Hauptgründe, wie ich finde, zu benennen: Die undifferenzierten Profile der Parteien im Wahlkampf, die nur noch auf den Stimmenfang abzielen.

Ich beginne gleich zu Anfang mit einem äußerst provokanten Statement: Die parlamentarische Demokratie, wie sie seit Ende des Dritten Reichs in Deutschland existiert, ist mindestens für den Moment gescheitert. Mehr noch, ich bezweifle, dass die ‚etablierten‘ Parteien daran noch etwas ändern werden, obschon sie die alleinige Schuld am Scheitern tragen. Allerdings sehe ich durchaus Hoffnung, die aber eine Öffnung zu direktdemokratischen Elementen hin erfordert.

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YES WE CAN!

Mittwoch, 04. Juni 2008

Zugegeben, das amerikanische Vor-/Wahlgeplänkel ist nicht jedermanns Sache. Muss es auch nicht sein, Hauptsache die Amerikaner mögen es. Aber manchmal finde ich es doch ein wenig befremdlich bis beängstigend. Barack Obama macht aus seinen Anhängern eine wahre Bewegung. Klar, der Mann polarisiert, das will ich ihm auch gar nicht ankreiden. Immerhin schafft er Sachen, um die ihn manche Rockband beneiden würde: 75000 Anhänger kommen zu seiner Wahlkampfveranstaltung, nur wegen ihm. Wer in seinem Leben mal bei Rock am Ring war, der wird mir zustimmen können, dass 75000 Menschen vor einer Bühne eine unvorstellbare Masse sind. Beeindruckend, wenn man das Ende nicht sehen kann.

Doch gehört etwas zu dieser typisch amerikanischen Kultur, was ich schon seit vielen Jahren (seit ich einst in Frankfurt bei einem amerikanischen Top-Motivationstrainer Security gemacht habe) sehr beängstigend finde: Parolen, die unentwegt von der Masse gebrüllt werden; fast schon ekstatisch. Beim angesprochenen Motivationstrainer war es das „YES! YES! YES! YES!“, teilweise 15 bis 20 Minuten lang, auch beim Laufen, dann sogar passend zum Schritt. Bei Barack Obama ist es das „YES WE CAN!“. Als ich damals am Rande der Massen stand und die das erste Mal loslegten, schoss mir sofort eine Assoziation in den Kopf, der Rücken fing an zu schwitzen und die Haare stellten sich auf: Die Rede vom totalen Krieg. Als Deutscher muss man in dem Hinblick wohl etwas sensibilisierter sein.

Allerdings, und das ist das eigentlich Interessante daran, was würde passieren, wenn sowas in Deutschland mit einem deutschen Politiker passieren würde? Ich kann mir bildlich vorstellen, wie die Telefone im Auswärtigen und Kanzleramt klingeln würden, wahrscheinlich wären die USA die ersten, die anrufen würden. Da könnte das Volk ja wieder demagogischem Populismus auf den Leim gehen. Am Ende wöllten wir noch expandieren. Deutsche scheinen das in den Genen zu haben.

Update: Mir fällt gerade auf, dass man mich leicht missverstehen könnte. Ich hatte nicht vor, irgendwelche Zusammenhänge zwischen Demagogen und Obama spinnen. Beim Vergleich mit der Rede vom totalen Krieg geht es lediglich um diesen ekstatischen Herdentrieb, bei dem sich nur zu leicht das Hirn abschaltet. Also keine Sorge, ich find’s auch toll, dass Obama die Vorwahlen gewonnen hat.

Schäuble wünscht sich deutsche NSA

Sonntag, 18. Mai 2008

Keine Woche vergeht derzeit, ohne einen schwachsinnigen (verfassungswidrigen?) Wunsch von Innenminister und Verfassungsfeind Nr. 1 Wolfgang Schäuble. War es letzte Woche der Nationale Sicherheitsrat, so ist es jetzt die Abhörzentrale nach Vorbild der – na, wer kommt drauf? – natürlich, der amerikanischen NSA. Gewünscht ist das Vorhaben in Köln, wo die Lauschaktionen aller Behörden und Geheimdienste in einer Einrichtung gebündelt werden sollen. Aller? Ja genau, und da liegt der Hund wieder begraben, denn sowohl BKA, Bundespolizei und Bundesamt für Verfassungsschutz, als auch die komplette Lauschabteilung des BND sollen hier gemeinsam arbeiten. Da kann man sich dann auch vorstellen, wie lange es dauern wird, bis die Grenzen zwischen Inlands- und Auslandsgeheimdiensten verschwimmen und die entsprechenden Behörden sich noch weniger an ihre Rechte halten, als sie das sowieso schon tun.

Erzwungenes Dauerlächeln macht krank

Dienstag, 13. Mai 2008

Puh, da habe ich ja nochmal Glück gehabt. Vorhin routinemäßig den Feedreader angeschmissen, einmal schnell die Newsfeeds überflogen und dabei am SpOn-Artikel mit folgender Headline hängengeblieben:

Neue Untersuchung: Dauerlächler werden depressiv

Wer mich kennt weiß, dass ich im Umgang mit anderen Angehörigen meiner Spezies nicht nur meist freundlich und respektvoll bin, sondern, man ahnt es schon, über die Maßen viel lächle. Sollte jetzt also zu meiner Risikogruppenliste neben Lungen- und Kehlkopfkrebs, Herzinfarkt, Thrombose, Leberzirrose, Nierenversagen, Diabetes, Multiorganversagen, Bandscheibenvorfall und einigen mehr etwa auch noch Depression kommen? Nicht, dass das noch viel ändern würde, aber muss ja nicht sein.

Jedenfalls, die Überschrift war irreführend, ich habe nochmal Glück gehabt. Denn betroffen sind nur die, die gezwungenermaßen lächeln müssen. Berufswunsch Steward wird hiermit aus der Liste gestrichen ;-)

Wie Bush den Irak-Krieg schmackhaft machte

Donnerstag, 08. Mai 2008

Via Stefan Niggemeiers Blog bin ich heute auf den Film „Leading To War“ aufmerksam geworden. Der Film – so simpel, wie er hergestellt ist, so deutlich ist seine Botschaft – besteht lediglich aus einer Aneinanderreihung der TV-Auftritte der Bush-Administrative im Vorfeld des Irak-Krieges. Auf diese Weise zeigt er mit einfachsten, aber äußerst effektiven Mitteln, wie Amerikaner und Weltöffentlichkeit mit rhetorischen Mitteln, Halb- und Unwahrheiten, aber auch regelmäßiger Panikmache, sukzessive auf einen Angriffskrieg eingeschworen wurden, den eigentlich die Wenigsten wollten.

Besonders erschreckend finde ich die Art und Weise, in der Bush teilweise in seinen Reden oder Pressekonferenzen auftritt. Auf der einen Seite vermittelt er ein Bild, dass mich empfindlich an das erinnert, dass vor vielen Jahren mal ein kleiner Österreicher mit Schnauzbart vermittelt hat. Beispiel wäre die „Achse des Bösen“-Rede, bei der ich sowohl bei Bush, als auch beim Publikum nicht nur leichte Ähnlichkeiten zur Rede vom totalen Krieg sehe. Auf der anderen Seite ist es erschreckend, wie lustig G.W. Bush die ganze Sache an manchen Stellen doch zu finden scheint. Da erinnere ich mich doch wieder dunkel an den Artikel, den Ulrich Wickert drei Wochen nach den Anschlägen vom 11. September in der Max veröffentlichte und die Empörung der Massen auf sich zog, weil er Bush mit Bin Laden verglich. So weit her geholt scheint der Vergleich im Nachhinein nicht.

Mein Fazit zum Film: Sollte jeder mündige Bürger – nicht nur die Amerikaner – mal gesehen haben. Und weil er frei zum Download steht, ist das auch kein Problem. Ein Stück Zeitgeschichte, dass zum Nachdenken anregt.

Oh my god! They killed Twitter!

Freitag, 02. Mai 2008

Aaaaahhhhhhh!!! Wer hätte gedacht, dass es mich so treffen würde. So lange bin ich doch noch gar nicht dabei. Trotzdem fühle ich mich jetzt irgendwie unvollständig und, vor allem, abgeschnitten vom Rest der Welt. Twitter antwortet mir seit Stunden nur noch mit einem ‚500 Internal Server Error‘. Ich dreh durch.

Ich bin ein Z-Twitterer, holt mich hier raaaauuuuusss!!!

1. Mai – Gedenken an die Punk-Szene

Donnerstag, 01. Mai 2008

Jaja, früher war alles besser. Da kommt am ersten Mai wieder Nostalgie auf. Die Toten Hosen hatten mit ihrem Song nicht Unrecht. Von wegen Ideale und so. Von denen ist wenig übrig geblieben. Der Hauptgrund, warum ich mich aus der Szene weitestgehend verabschiedet habe. Früher war einfach alles besser :-(

Früher, da war doch was. Damals, als die Punks noch wussten, was sie wollten. Da gab es noch Ziele. Beispielsweise ein Umdenken in der Gesellschaft. Selbst wenn es nur die Änderung der Staatsform in eine andere (Anarchie zähle ich definitiv nicht als Staatsform) war, war es doch ein Ziel. Aber das Hauptsächliche war wohl das Umdenken in der Gesellschaft. Damals ist man dafür auch doch auf die Straßen gegangen, hat sich mit der Polizei angelegt, im Ernstfall sogar verhaften lassen. Heute gibt’s zwar noch eine komische, sogenannte Punk-Szene, von Idealen und Zielen ist aber wenig übrig geblieben.

Blick nach heute. Was haben wir? Sozial abgestiegene oder solche, die (aus Faulheit) nie irgendwas erreicht haben. Wenn man die nach den Gründen, aus denen sie sich der Punk-Szene angeschlossen haben, fragt, und sie ausnahmsweise mal wenigstens halbwegs nüchtern antrifft, kommt als Antwort sicherlich etwas in der Art, ‚Alles Scheiße, Anarchie!‘. Wen haben wir noch? Den Modepunk. Zeichnet sich meist dadurch aus, dass er etwa 12 bis 16 ist, sich seinen Iro gefärbt hat und ihn mit Gel stellt, einer der Klamotten trägt, die zwar nach der Szene aussehen, aber von Marken kommen, die sich die ursprüngliche Szene nie geleistet hätte. Was sagt der auf die Frage? ‚Weil’s in ist.‘ oder ‚Weil meine Freunde auch Punkt sind.‘ oder, im Regelfall, ‚Weil Anarchie geil ist!‘. Das waren dann die beiden Hauptgruppen. Daneben gibt’s noch eine Gruppe, die nie eine vernünftige Antwort artikulieren könnte, weil sie einfach permanent besoffen ist und sich mit dem Zustand und ihrer Bekleidung zum Punk zugehörig definiert.

Punk ist eine Einstellung geworden, die nur soziale Verlierer oder Mitläufer annehmen.

Interessant – oder traurig – ist auch, dass man sich mit all denen – außer der letzten Gruppe natürlich – über ihre Ideale und Ziele unterhalten kann. Das Gespräch wird kurzweilig. Die haben keine. Jedenfalls können sie keine benennen. Punk zu sein, scheint einfach nur noch eine Sache der Coolness zu sein. Traurige Entwicklung.

Ach so, die letzte Gruppe haben wir vergessen. Das ist die, die man kaum noch als Punk erkennt. Bei denen hört man es erst raus, wenn man mit ihnen redet. Das sind die, die vor einigen Jahren beschlossen haben, dass sie ihre Ideale und Ziele nicht mehr mit Iro verfolgen wollen, weil der Iro nebst imageträchtiger Bekleidung mittlerweile eine neue Gruppenzugehörigkeit suggeriert. Heute erkennt man sie nur noch, wenn man die geringen Abweichungen vom Mainstream richtig deutet. Da ist einer, der hat noch einen richtigen Iro. Ansonsten sieht er relativ normal aus. Wechselt man ein Wort mit ihm, erkennt man, was dahinter steckt. Oder der, der eine verranzte Hose nebst Chucks trägt. Auch hier ein Wort, schon ist er ‚entlarvt‘. Beim Wortwechsel kommt dann auch schnell das Thema Ziele und Ideale zur Sprache und die Betroffenen lassen schnell durchblicken, dass sie sich irgendwie nach der alten Zeit sehnen, als noch klar war, was der Gegenüber denkt, wenn er einen roten Iro trägt.. oder eine Jacke mit Exploited-Aufnäher auf dem Rücken. Die alten Hausbesetzer, die noch Geschichten erzählen können. Geschichten von früher, als noch alles besser war.

Kurios: Verfassungsschutz liebäugelt mit BKA-Gesetz

Mittwoch, 23. April 2008

Und täglich grüßt das Stasitier. Heute in besonders abstruser Weise. SpOn berichtet nämlich über Heinz Fromm, den Chef des Bundesamtes für Verfassungsschutz, den speziell Online-Durchsuchung und Videoüberwachung auch interessieren würde:

Klar machte er aber, dass „auch ein Nachrichtendienst wie der Verfassungsschutz oder Nachrichtendienste – wir haben ja auch die Landesämter – an solchen Erkenntnismöglichkeiten interessiert sind“. Die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts lasse seiner Auffassung nach so viel Raum, dass es auch eine Rechtsgrundlage für den Verfassungsschutz geben könne – speziell bei Online-Durchsuchungen. Dies sei zwar im Moment nicht aktuell. Insgesamt wünsche er sich aber „natürlich schon, dass wir dieses Instrument dann auch werden nutzen können“, fügte Fromm hinzu.

Ach so, unabhängig davon, dass die aktuelle Diskussion schon relativ deutlich zeigt, dass kein Mensch (außer Schäuble & Co.) einen so tiefen Eingriff in die Freiheitsrechte will, liebäugelt ausgerechnet das Bundesamt für Verfassungsschutz.. –SCHUTZ (!!!) mit den äußerst fragwürdigen Ermittlungsmethoden. Und das, nachdem erst gestern Kai Biermann in der ZEIT klare Worte formulierte, in der Form, dass der neue Entwurf des BKA-Gesetzes noch verfassungswidriger, als der alte, ist. Es ist ja prinzipiell schon kurios genug, dass ein Inlandsgeheimdienst ausgerechnet Verfassungsschutz heißt, aber dass die dann auch noch verfassungswidrige Ermittlungsmethoden einsetzen wollen, schlägt der Sache den Boden aus. Wie gesagt, Deutschland im Herbst.

A propos Politikverdrossenheit

Dienstag, 22. April 2008

Jaja, da ist es wieder, das Wort. Vor einigen Jahren machte es schon die große Runde, damals sorgte man sich um seinen Inhalt bei den Jugendlichen. Die Rede ist natürlich von der Politikverdrossenheit; jenem Missstand, mit dem unsere Politiker, je höher sie aufsteigen, immer weniger konfrontiert werden wollen. Eine neue Studie der Leipziger Volkszeitung bringt sie wieder auf die Tagesordnung.

Befragt wurde eine repräsentative Stichprobe von 1006 deutschen Bürgern aus Ost und West. Gegenstand der Befragung war das Konzept des institutionellen oder Systemvertrauens, also das Vertrauen in gesellschaftliche und staatliche Organisationen (Regierung, Parteien, Kirchen, Behörden etc.). Und das Ergebnis darf gerade der Politik nicht schmecken.

Gerade einmal 60% der Deutschen haben noch Vertrauen in das demokratische System. Und das ist nicht einmal die Spitze. Denn die Bundesregierung schafft es gerade mal auf 38% und die Parteien um Bundestag sogar nur auf 22% Vertrauen in der Gesellschaft. Überraschend scheint dabei lediglich, dass die Polizei offensichtlich gute Arbeit leistet, denn ihr vertrauen ganze 85%.

Wie es so weit kommen kann, die Frage stellt sich wohl kaum. Die Querelen, die sich im Wahlkampf mittlerweile abspielen (siehe der vergangene in Hessen), Gesetze, die zum Einen in der breiten Masse nicht gewünscht, zum anderen das Volk unter Generalverdacht stellen, ungeachtet dessen aber trotzdem beschlossen werden, sind nur zwei Faktoren. Wahlversprechen scheint auch mittlerweile ein beflügeltes Wort zu sein. Grundsätzlich kann man wählen, was man will; am Ende machen sowieso alle das Gleiche.

Bezeichnend finde ich dabei, dass die Studie nirgendwo wirklich diskutiert wurde: Weder die klassischen Medien (Ausnahmen wären die Süddeutsche und schätzungsweise die Leipziger Volkszeitung), noch die neuen Medien (Ausnahme hier die Netzeitung) widmeten ihr ein Wort. Auch in der deutschen Blogosphäre findet sie kaum Erwähnung. Grundsätzlich mal wieder ein Armutszeugnis in jeglicher Hinsicht für Medien, Demokratie und Politik – aber eben auch ein Spiegel der Stimmung in der Gesellschaft.