Kram getagged mit ‘Hochschulen’

!!! Demoplanung für morgen !!!

Mittwoch, 11. Juni 2008

Für die Kasseler unter meinen Lesern, hier die studentische (müsste das jetzt nicht ’studierendische‘ heißen?) Planung für die Teilnahme am Jugendstreik morgen (via Robert):

Morgen ab 8 Uhr Hörsäle und Seminarräume “mitnehmen”, um 9 Uhr Treffen am HoPla, um 10 Uhr gemeinsam mit den Schülern vor dem Rathaus für Solidarität und freie Bildung demonstrieren! Weitersagen!

Staatsgerichtshof stützt Studiengebühren in Hessen

Mittwoch, 11. Juni 2008

Die Odyssee um die Studiengebühren in Hessen nimmt kein Ende. Nach den Vorkommnissen der letzten Woche im Landtag, hat heute der hessische Staasgerichtshof sein Urteil über die Verfassungsklage gegen Studiengebühren verkündet: Mit 6:5 Stimmen wurden Studiengebühren als verfassungskonform beurteilt. Damit geht das Ringen um das Prestigethema weiter. Am 17. wird das Gesetz zur Abschaffung der Studiengebühren im Landtag in die dritte Lesung gehen und damit voraussichtlich verabschiedet werden.

Letzten Endes stellt sich mir die grundsätzliche Frage, inwieweit Grundsatzurteile auf Verfassungskonformität überhaupt mit einfacher Mehrheit beschlossen werden dürfen. Die Verfassung ist die Verfassung, ein Grundsatzurteil ein Grundsatzurteil. Da kann und darf es in meinen Augen eigentlich keine Uneinigkeit der Richter geben. Entweder etwas ist verfassungskonform, dann kann man es logisch faktisch Begründen und alle Richter müssen der Begründung folgen können, das Ergebnis wäre also einstimmig. Oder etwas ist nunmal nicht verfassungskonform. Auch dann gibt es eine logisch faktische Argumentationskette, die Einstimmigkeit sichern muss. Natürlich müssen verfassungsbezogene Gerichte Interpretationen normieren, aber die Interpretation, die am Ende als die der Verfassung entsprechende angenommen wird, muss doch allen Richtern logisch richtig sein. Schließlich arbeiten ja alle an der gleichen Verfassung.

So what, es ist nicht zu ändern. Dann geht’s halt ggf. wieder auf die Straße. Sind wir ja langsam gewohnt.

Koch macht sich die Welt…

Donnerstag, 05. Juni 2008

…widde widde wie sie ihm gefällt!

Langsam wird unser geliebter kommissarischer Landesführervater wirklich lästig. Nachdem SPD, Grüne und Linke am Dienstag das Gesetz zur Abschaffung der Studiengebühren in zweiter Lesung durch den Landtag gebracht haben, kommt heute die antidemokratische Retourkutsche von Papa Koch: Er wird das Gesetz nicht unterzeichnen. Argument sind Formfehler.

Lächerlich! Wenn dem so wäre, warum hat die CDU diese ‚Formfehler‘ nicht schon in den Lesungen gemeldet? Und warum wurde nicht auf eine 3. Lesung wegen Formfehlern plädiert? Was Koch da treibt, ist genau die Linie, die er in den letzten Jahren gefahren ist: ‚Scheiß auf Proteste, scheiß auf Demokratie, scheiß auf die Verfassung und den ganzen restlichen Quatsch. So lange ich Landesführervater bin, wird gemacht, was ich will!‚.

Hoffen wir, dass der Staatsgerichtshof wenigstens noch unabhängig entscheidet. Vielen Dank für diesen Beitrag zur Demokratie!

Update: Mittlerweile weiß der Hessische Rundfunk näheres über die Ablehnung des Gesetzes zu berichten. Danach hat die Staatskanzlei bestätigt, dass das Gesetz groben Unsinn und verfassungswidrige Fehler beinhaltet.

Das ändert aber nichts an meiner Meinung, dass diese Fehler, wenn es dem werten Herrn nicht nur um parteipolitische Tiefschläge gehen würde, schon während den Lesungen hätten angesprochen werden können.

Bye bye Campusmaut!

Dienstag, 03. Juni 2008

Via AStA Kassel, hr online und SpOn kommt die Meldung des Tages: Der hessische Landtag hat heute Nachmittag mit den Stimmen von SPD, Grünen und Linke die allgemeinen und Langzeitstudiengebühren, einst von der CDU eingeführt, wieder abgeschafft. Ab dem kommenden Wintersemester ist Studieren wieder weitestgehend kostenfrei. Ob die bislang geleisteten Gebühren rückerstattet werden müssen, wird die hessische Staatskanzlei in der kommenden Woche entscheiden, wenn es um die Verfassungsmäßigkeit der Studiengebühren gehen wird.

Studiengebühren: Das nichtige Argument

Donnerstag, 22. Mai 2008

Zur Zeit sind im politischen Leben Hessens wieder die Studiengebühren im Gespräch. Kein Wunder, schließlich war deren Abschaffung ja eines der Top-Themen des SPD-Wahlkampfes bei der Landtagswahl im Januar. Dabei ist gerade ein oft genanntes Argument der Befürworter von Studiengebühren absolut unsinnig:

Die Vereinigung hessischer Unternehmerverbände (VhU) sowie die Hochschulrektorenkonferenz (HRK) forderten in ihren Stellungnahmen hingegen die Beibehaltung von Studiengebühren. Der Unternehmerverband wetterte gegen sog. Langzeitstudierende und warnte davor, dass ausländische Studierende ein kostenfreies Studium in Deutschland “auf Kosten des Steuerzahlers” nutzen könnten. Die HRK-Präsidentin Margret Wintermantel sprach sich nicht nur für Studiengebühren aus, sondern lehnte die im FDP-Antrag vorgesehene Deckelung der Schulden auf 15000 Euro ab, da diese der “Effektivität” von Studiengebühren gerade für Langzeitstudierende zuwider liefe.

Worauf ich anspiele, ist die Wirkung von allgemeinen Studien- und Langzeitstudiengebühren auf sog. Langzeitstudenten. Ist  es denn nicht so, dass die Studiengänge an deutschen Hochschulen im Rahmen des Bologna-Prozesses weitestgehend auf die Abschlüsse Bachelor und Master umgestellt werden bzw. schon sind? Und was zeichnet diese Abschlüsse aus u.a. aus? Richtig! Die Bindung an die Regelstudienzeit. Denn beim Bachelor kann man nicht mehr einfach so zum Langzeitstudent werden. Bei einer Regelstudienzeit von 6 Semestern, also 3 Studienjahren, ist gerade einmal die Wiederholung von einem Studienjahr erlaubt. Schafft man seine Pflichtprüfungen dann wieder nicht, kommt die Zwangsexmatrikulation.

Natürlich könnte man jetzt sagen, schreibe ich mich halt danach für einen anderen Studiengang ein und ziehe das auf diese Weise durch. Aber einerseits glaube ich, dass allein dieser Verwaltungsaufwand schon abschreckt, auf der anderen Seite kann man dann ja mit Gebühren ansetzen – quasi so, wie es beim Zweitstudium schon ist, auch wenn das dann noch kein Zweitstudium wäre. Das, gebündelt an einen sinnvollen Selektionsmechanismus, wäre wesentlich wirkungsvoller gegen Langzeitstudenten, als alle Studierenden unter Generalverdacht zu stellen und ab Beginn ihres Studiums zur Kasse zu bitten. Und nein, ich sehe die 3-Semestergrenze, die es momentan beim BaföG gibt, nicht als sinnvollen Selektionsmechanismus. Da sollte auf jeden Fall eine Bewertung von abgelegten Prüfungsleistungen dazu kommen. Man kann schließlich, das kenne ich aus eigener Erfahrung, auch zwei Semester zuversichtlich studieren, im dritten dann aber auf die Schnauze fliegen und feststellen, dass das Studium nichts wird. Dann kann man sich meist erst nach dem vierten Semester für ein neues Studium einschreiben – Bologna sei Dank.

Blogger sind Wissenschaftler…

Freitag, 02. Mai 2008

… jedenfalls von ihrem Web-Zwo-Nulligen Werdegang her.

Ja, ich kann das noch nicht wirklich beurteilen, denn meine kläglichen Versuche wissenschaftlicher Arbeit manifestieren sich bis jetzt auch nur in ein paar Hausarbeiten und der Krönung, ein paar wissenschaftlichen Posts hier und vorwiegend in meinem alten Blog.

Trotzdem komme ich langsam zu der Erkenntnis, dass der Werdegang des Otto-Normal-Bloggers in etwa mit dem eines Wissenschaftlers überein stimmt. Ein Wissenschaftler sucht sich sein Fachgebiet – keine Sau kennt ihn und zitiert ihn -, dann veröffentlicht er einige (gute) Artikel in billigen, später anerkannten Zeitschriften seiner Zunft – irgendwann wird er zitiert – und holt sich so seinen Namen.

Ebenso läuft’s mit den Bloggern. Man schreibt einen Haufen sinnvollen Kram, aber keiner kriegt’s mit. Ausnahme, die paar Leuts, die einen per Google finden. Ansonsten muss man erstmal zu Sachen schreiben, die andere schon geschrieben haben, Track- und Pingbacks setzen, um so auf sich aufmerksam zu machen. Dann finden sich vielleicht ein paar wenige Leute, die das Blog per RSS-Reader abonnieren. Irgendwann gibt’s dann auch solche, die das Blog wirklich lesen. Und ganz am Ende wird man referenziert. Dann darf man auch endlich das schreiben, was man wirklich schreiben will. Lustige Assoziation, denn Wissenschaftler sind die, die mit ihren Ideen noch am Weitesten hinterm Berg halten.

Unis im Visier der Datenschützer

Sonntag, 27. April 2008

Wie ein roter Faden zieht sich derzeit die – zweifellos längst überfällige – Debatte zum Datenschutz durch alle Schichten gesellschaftlichen und beruflichen Lebens. Heute sind die Hochschulen an der Reihe. Denn die Mitarbeiter der Unis gehen, so Heinrich Schullerer, oberster Datenschützer der Hochschulen in BW, gegenüber dem UniSPIEGEL, geradezu fahrlässig mit den persönlichen Daten ihrer Schützlinge wie Mitarbeiter um. Und das meist aus Unwissenheit.

So werden Universitäten wohl tagtäglich mit Anfragen unterschiedlichster Stellen überflutet. Das Spektrum reicht von Krankenkassen, Eltern der Studierenden und Fahndungsorganen, bis hin zu Arbeitgebern. Und damit nicht genug, ein Großteil der Informationen kann auch, begründet durch die Gutmütigkeit vieler Dozenten, über das Internet besorgt werden. So werden Notenlisten mit Matrikelnummern oft online publiziert, um den Studenten den Weg in die Uni zu ersparen. Die Matrikelnummer wiederum findet sich nicht selten in unverschlüsselten Emails der Studenten – schon hat der zukünftige Arbeitgeber die Informationen, die er wollte: Die reellen Noten des Bewerbers.

Schullerer und sein Team haben sich mit ihrer Aufklärungsarbeit über die Anwendung der Datenschutzrechte und -pflichten mittlerweile einen Namen in ganz Deutschland gemacht. Sie beraten Hochschulen, weit über die Grenzen Baden-Württembergs hinaus, haben sogar ein Programm entwickelt, dass, nach Eingabe der nötigen Informationen über eine Anfrage, dem Hochschulorgan in klaren Worten mitteilt, ob die Anfrage bearbeitet werden darf oder eben nicht.

Den Studenten kann es im StudiVZ-Zeitalter egal sein. Ob die Informationen, die man neben StudiVZ noch zusätzlich von der Uni bekommen könnte, problematischer sind, als Saufbilder und Co., scheint fraglich. Trotzdem ist es ein Schritt in die richtige Richtung: Sensibilisierung des Gläsernen Menschen.