Kram getagged mit ‘Studien’

Erzwungenes Dauerlächeln macht krank

Dienstag, 13. Mai 2008

Puh, da habe ich ja nochmal Glück gehabt. Vorhin routinemäßig den Feedreader angeschmissen, einmal schnell die Newsfeeds überflogen und dabei am SpOn-Artikel mit folgender Headline hängengeblieben:

Neue Untersuchung: Dauerlächler werden depressiv

Wer mich kennt weiß, dass ich im Umgang mit anderen Angehörigen meiner Spezies nicht nur meist freundlich und respektvoll bin, sondern, man ahnt es schon, über die Maßen viel lächle. Sollte jetzt also zu meiner Risikogruppenliste neben Lungen- und Kehlkopfkrebs, Herzinfarkt, Thrombose, Leberzirrose, Nierenversagen, Diabetes, Multiorganversagen, Bandscheibenvorfall und einigen mehr etwa auch noch Depression kommen? Nicht, dass das noch viel ändern würde, aber muss ja nicht sein.

Jedenfalls, die Überschrift war irreführend, ich habe nochmal Glück gehabt. Denn betroffen sind nur die, die gezwungenermaßen lächeln müssen. Berufswunsch Steward wird hiermit aus der Liste gestrichen ;-)

Von der Email-Adresse zur Persönlichkeit

Dienstag, 06. Mai 2008

Auch interessant: Die Netzeitung berichtet über eine Studie von Psychologen der Universität Leipzig. Nach deren Ergebnissen lässt sich wohl von der Email-Adresse relativ zuverlässig auf die Persönlichkeit des Inhabers schließen. Demnach sind beispielsweise de-Domains grundsätzlich seriöser als com-Domains. Interessant ist auch der Username vor dem @. Würde mich doch mal interessieren, auf was man aus meinen TLDs chaosmos.de und fiese-greise.de schließen kann. Bei Igno glaube ich das Ergebnis schon zu wissen ;-)

Klatsche für die Politik: Killerspiele fördern Sozialkompetenz

Samstag, 03. Mai 2008

Das ist doch mal eine Studie nach meinem Geschmack: Die Harvard University in Massachusetts hat eine umfangreiche Studie zu den Auswirkungen von Videospielen auf Jugendliche durchgeführt; die Ergebnisse sind nicht nur überraschend für die Forscher, sondern treffen ziemlich genau meine Einschätzungen zur Thematik – sie übertreffen sie sogar. SpOn interviewte die leitende Wissenschaftlerin Cheryl K. Olson:

Im Gegenteil: Unseren Ergebnissen zufolge besitzen Kinder, die keinen Kontakt zu Videospielen haben, mehr Probleme in der Schule oder im Elternhaus. Nicht dass Games per se glücklich machen – aber da die meisten Titel gemeinsam gespielt werden, ist ein Nichtspielen heutzutage ein Zeichen von fehlender Sozialkompetenz. Genauso ist ein Zusammenhang von Games und der Gewalt an Schulen oder den Attentaten in Columbine oder in Deutschland nicht zu beweisen.

(…)

Mit Verlaub, aber die meisten Studien zum Thema sind Müll. Sie werden von Psychologen durchgeführt, die keine Ahnung von Videospielen haben und Menschen in einer künstlichen Umgebung 15 Minuten Games spielen und vergleichen lassen. Eine Viertelstunde! In der Zeit habe ich gerade mal die verdammte Steuerung verinnerlicht. Meistens werden Extreme gegenübergestellt. Wie ein Egoshooter und ein Adventure wie „Myst“, bei dem gar nichts passiert. Kein Wunder, dass herauskommt, Shooter würden eher die Aggression fördern. Außerdem wird die meiste Forschung von Institutionen finanziert, die ein bestimmtes Resultat zu Tage fördern möchten. Unsere Arbeit wurde von einem Republikaner aus dem Justizministerium initiiert, der gerne gesehen hätte, dass „GTA“ Jugendliche gefährdet.

Die Ergebnisse bringen hoffentlich eine neue Richtung auch in die politische Debatte in Deutschland. Letzteres wusste ich sowieso schon. Die Studien, die bislang auf dem Gebiet durchgeführt wurden, waren so manipuliert oder missinterpretiert, da wundert es schon, dass Wissenschaftler ihre Namen für sie hergegeben haben. Allein der Rückschluss, alle jugendlichen Amokläufer hätten Killerspiele gespielt, also machen Killerspiele aggressiv, ist sowas von an den Haaren herbeigezogen. Im Transferschluss würde dann auch gelten, die meisten Menschen sterben in Betten, also sind Betten lebensgefährlich. Dass noch keiner darauf gekommen ist, Betten zu verbieten, verwundert da doch sehr.

Ersteres wiederum überrascht mich nur insofern, als dass es wohl einen signifikanten Zusammenhang von fehlender Sozialkompetenz und Nichtspielen. Dass Multiplayergames die Sozialkompetenz fördern, war mir durchaus klar. Schließlich steht dann die Community oder das Team relativ weit im Vordergrund. Dass allerdings das Nichtspielen mittlerweile ein Zeichen von fehlender Sozialkompetenz ist, hätte ich nicht gedacht. Allerdings wundert es mich auch eher weniger, denn schließlich leben wir im Kommunikationszeitalter. Da verschieben sich auch die Einflüsse auf Sozialkompetenz.

Wenn man bei der ganzen Sache dann noch betrachtet, dass GTA – das suggerierte Gewaltspiel schlechthin – sogar nicht aggressionsfördernd sein, sondern eher positive Aspekte auf die spielenden Jugendlichen haben soll, das überrascht sogar mich. Allerdings zeigt es umso deutlicher, dass die aktuelle Debatte über ein mögliches Verbot von sog. Killerspielen in Deutschland absoluter Nonsens ist und keine wissenschaftliche Grundlage hat. Der Prozess ist der gleiche, wie der vor einigen Jahren, als Gewaltfilme die Gefahr schlechthin für die Jugend darstellen sollten: Man findet ein Thema, mit dem sich die breite Masse durch ihr Alter und fehlendes Interesse nicht auskennt, und verkauft das konsequent als Ursache für alle Probleme der Jugend. Es ist ja auch einfacher, eben mal so ein Verbot durchzudrücken, als sich wirklich Gedanken darüber zu machen, welche gesellschaftlichen Zustände angepackt werden müssten, um wirklich etwas gegen die Jugendgewalt zu unternehmen. Denkt hier denn überhaupt mal jemand an die Kinder?!

A propos Politikverdrossenheit

Dienstag, 22. April 2008

Jaja, da ist es wieder, das Wort. Vor einigen Jahren machte es schon die große Runde, damals sorgte man sich um seinen Inhalt bei den Jugendlichen. Die Rede ist natürlich von der Politikverdrossenheit; jenem Missstand, mit dem unsere Politiker, je höher sie aufsteigen, immer weniger konfrontiert werden wollen. Eine neue Studie der Leipziger Volkszeitung bringt sie wieder auf die Tagesordnung.

Befragt wurde eine repräsentative Stichprobe von 1006 deutschen Bürgern aus Ost und West. Gegenstand der Befragung war das Konzept des institutionellen oder Systemvertrauens, also das Vertrauen in gesellschaftliche und staatliche Organisationen (Regierung, Parteien, Kirchen, Behörden etc.). Und das Ergebnis darf gerade der Politik nicht schmecken.

Gerade einmal 60% der Deutschen haben noch Vertrauen in das demokratische System. Und das ist nicht einmal die Spitze. Denn die Bundesregierung schafft es gerade mal auf 38% und die Parteien um Bundestag sogar nur auf 22% Vertrauen in der Gesellschaft. Überraschend scheint dabei lediglich, dass die Polizei offensichtlich gute Arbeit leistet, denn ihr vertrauen ganze 85%.

Wie es so weit kommen kann, die Frage stellt sich wohl kaum. Die Querelen, die sich im Wahlkampf mittlerweile abspielen (siehe der vergangene in Hessen), Gesetze, die zum Einen in der breiten Masse nicht gewünscht, zum anderen das Volk unter Generalverdacht stellen, ungeachtet dessen aber trotzdem beschlossen werden, sind nur zwei Faktoren. Wahlversprechen scheint auch mittlerweile ein beflügeltes Wort zu sein. Grundsätzlich kann man wählen, was man will; am Ende machen sowieso alle das Gleiche.

Bezeichnend finde ich dabei, dass die Studie nirgendwo wirklich diskutiert wurde: Weder die klassischen Medien (Ausnahmen wären die Süddeutsche und schätzungsweise die Leipziger Volkszeitung), noch die neuen Medien (Ausnahme hier die Netzeitung) widmeten ihr ein Wort. Auch in der deutschen Blogosphäre findet sie kaum Erwähnung. Grundsätzlich mal wieder ein Armutszeugnis in jeglicher Hinsicht für Medien, Demokratie und Politik – aber eben auch ein Spiegel der Stimmung in der Gesellschaft.