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„Ihre Wahl“ – Heute ein Flop

Montag, 31. August 2009

Letzte Woche noch mit Potenzial und gutem Konzept in die Höhe gelobt, heute kam die Kehrtwende. Zugegeben, Ursula von der Leyen stellte sich bei Sat.1 auch – erwartungsgemäß, man kennt sie ja – als schwere Diskussionspartnerin heraus. Aber wie Sabine Christiansen und Stefan Aust damit umgingen, war schlichtweg peinlich. Bleibt das einzig gute Gefühl, dass ich dafür wenigstens keine GEZ bezahlt habe.

Gut, was ist also passiert? Bis zur ersten Werbeunterbrechung sah eigentlich alles gut aus. Die Fragen waren kritisch, wenn Frau von der Leyen ablenken wollte, sprang einer der beiden Moderatoren relativ schnell ein und brachte sie energisch wieder zur Fragestellung zurück. So stelle ich mir das eigentlich im relativen Optimalfall vor. Danach ging’s bergab. Man verlor sich in der Debatte um Kinderarmut, Familienfinanzierung etc. Und die Crux allen Übels, Christiansen und Aust ließen von der Leyen reden.. und reden.. und reden. Wenn sie dann endlich mal fertig war, ‚intervenierte‘ man und stellte die immernoch unbeantwortete Frage im Grunde noch einmal. Und Frau von der Leyen redete.. und.. ach, Sie wissen ja schon. Die Moderatoren hatten die Kontrolle verloren. Sie überließen der Familienministerin die Kontrolle über die Diskussion. Tödlich für jedes seriöse, politische Interview; für Diskussionsrunden erst Recht.

Da tut es auch kaum noch etwas zur Sache, dass Twitter – letzte Woche noch ein Kommunikationskanal, der „aus [dem] Fernsehen nicht mehr wegzudenken“ ist – diese Woche offenbar keine Rolle spielte. Fragen, auch zu den behandelten Themen, gab es beileibe auch auf Twitter en masse. Die Qualität hat auch gestimmt. Klar, die Masse bezog sich auf die Zensurdebatte, aber dazu gleich mehr. Es gab jedenfalls genug Tweets, die sich subjektiv oder objektiv mit den behandelten Themen beschäftigten.

Gut, so lief es also weiter. In der Werbepause kurz vor 23:00 Uhr beschlich mich schon das Gefühl, die Zensurdebatte würde wohl nicht mehr angesprochen. Um 23:09 Uhr wagte Frau Christiansen dann den Vorstoß, man müsse ja auch noch nach den Themen, die in der Onlineredaktion so den Tenor bestimmen, fragen. Die Familienministerin redete.. und redete.. und redete. Und brachte Christiansen und Aust dazu, das Thema nicht zu wechseln. Bis 23:13 – zwei Minuten vor Ende der Sendung. Die Onlineredaktion durfte endlich auswerten: Vorherrschendes Thema ist die Zensurdebatte. Frau Christiansen leitete ihre Frage und das Thema kurz ein, dann durfte von der Leyen etwa 30sek mit den faktisch falschen Phrasen füllen, die sie an der Stelle immer bringt, und die Sendung wurde abmoderiert. Kein Wort der Konfrontation. Von der Leyens demagogische Propaganda wurde einfach so als letztes Statement im Raum stehen gelassen. Arm.. wirklich. Billige (oder bezahlte? Ich kenne mich in dem Business nicht wirklich aus), weichgespühlte Wahlwerbung für die CDU.

Dabei hatte die Onlineredaktion eigentlich über die ganze Woche keinen schlechten Job gemacht. Wo da letztendlich was schief gelaufen ist, keine Ahnung. Aber der Draht zwischen Moderation und Redaktion hat heute genauso wenig funktioniert, wie die moderierende Funktion von Christiansen und Aust. Ein Reinfall, wie er im Buche steht.

Edit: Hinzufügen muss ich eigentlich noch, dass ich die Entwicklung extrem schade finde. Denn die Zensurdebatte wird objektiv bis dato eigentlich nur im Netz geführt. Sat.1 hätte sie heute in die breite Masse tragen können. Die Mittel, um nahezu alle Standardargumente von der Leyens widerlegen zu können, haben sie von der netzaffinen Zuschauerschaft bekommen. Sie hätten sie nur nutzen müssen.

RTL II – It’s fuckin‘ fun

Mittwoch, 22. Juli 2009

Jaja, das Thema hätte hier eigentlich schon lange behandelt werden sollen. Da hab ich ja mit meiner Abstinenz was verpasst. Nichtsdestotrotz, es ist ja noch aktuell, also schreibe ich dann doch mal was dazu.

Der Unterschichtenfernsehen-affine Leser mag schon erkannt haben, worum es geht: Die nicht mehr ganz neue Imagekampagne von RTL II, die nun seit dem 28. Juni läuft. Grundsätzlich ist am Slogan „RTL II – It’s fun“ ja nicht viel auszusetzen, grundsätzlich. Hätten die Werbefachleute, die das Konzept entwickelt haben, nicht ausgerechnet Lady Gagas Lovegame resp. nicht ausgerechnet genau diese eine Passage des Songs als zentrales Moment der Kampagne gewählt.

Let’s have some fun, this beat is sick
I wanna take a ride on your disco stick

Man kann sich denken, an welcher Stelle es mir aufstößt. Anfangs wollte ich eigentlich nur wissen, was denn bitte ein disco stick ist. Google half schnell weiter und dehnte die Übersetzung auch gleich auf den ganzen Satz aus. Das Resultat lässt sich dann in etwa auf eine – diplomatisch ausgedrückt- ziemlich direkte Aufforderung zum Geschlechtsverkehr runterbrechen. Ach so, It’s fun.

Nun will ich ja keineswegs abstreiten, dass Sex tatsächlich meistens ziemlich spassig ist. Allerdings stelle ich grundsätzlich mal in Frage (auf Basis des gesamten Songtextes), welche Art ‚Beziehung‘ hier gemeint ist. Ich kann mir nicht helfen, aber der Songtext könnte irgendwie auf unbedeutende Abenteuer zielen. Auch hier würde ich noch nicht abstreiten, dass auch das durchaus spassig sein kann, auch wenn es nicht ganz meinen Vorlieben entspricht.

Aber (großes Aber mit schicksalsschwangerer Sprechpause).. welche erzieherische Message sendet das denn an die Zuschauer? Gerade im Hinblick darauf, dass RTL II doch auch ein ausgeprägtes Kinder- und Jugendprogramm ausstrahlt. Ob eben dieser Teil der Kampagne auch mittags während der ganzen Zeichentrickserien läuft, kann ich nicht beurteilen, nachmittags zur Sitcom-Zeit läuft er jedenfalls. Was vermitteln wir denn hier der Jugend? Zwangloser Sex ist erstrebenswert, weil Gedanken muss man sich ja nicht machen.. ist ja alles fun?

An sich finde ich die Kampagne, auch mit dem Slogan, ja nicht schlecht. Aber in der Hinsicht hat man definitiv den falschen Song ausgewählt. Wieder ein Beispiel, bei dem die Damen und Herren hinter der Konzipierung kräftig gepatzt haben.

Respekt, RTL II News!

Dienstag, 08. Juli 2008

Ich weiß gerade nicht so genau, ob ich erschreckt, verblüfft oder begeistert sein soll. Wie vorhin schon ausgebreitet, gab’s ja gerade das Big Brother Finale. Das Jahreshighlight schlechthin. Na gut, dank Frauenunterstützung war es dann doch eher anstrengend, aber darum geht’s ja gerade auch gar nicht.

Viel interessanter, direkt im Anschluss kamen die RTL II Latenews. RTL II News.. ne? Also die, bei denen die Top-News in etwa so aussehen: In Afrika verhungern die Kinder, islamistische Terroristen fliegen zwei Passagierflugzeuge in die Twin Towers – Top News bei RTL II: Angelina Jolie hat sich die Titten machen lassen (man erinnere sich an „die süßen Tierbabys“ (OK, nicht RTL II)). Also bin ich schon mit einer gewissen Erwartungshaltung in die News gegangen.

Wenn auf ARD und ZDF die G8 afrikanische Kinder verhungern lassen, Kalifornien abbrennt und die EU komische Sachen beschließt, muss auf RTL II die Top News natürlich Isi, die Gewinnerin von Big Brother sein. Und um so überraschter war ich, als davon und von jeglichem anderen Klatsch kein Wort fiel. Weder in den Top News, noch in der ganzen restlichen Sendung. Nicht schlecht, RTL II. Wir machen doch nicht etwa Ambitionen, seriös zu werden?

Big Brother – Nach der Staffel ist vor der Staffel

Montag, 07. Juli 2008

Heute neigt sich die mittlerweile 8. Staffel des RTL II Realityformats Big Brother ihrem Finale zu. Ab 21:15 Uhr werden die verbliebenen Bewohner im Rahmen der ‚grandiosen‘ Finalparty aus dem Container ziehen. Ein Grund mehr, mal wieder ein Auge auf das Konzept zu werfen.

Überraschend finde ich ja ohnehin, dass sich das Format tatsächlich immernoch zu lohnen scheint. Trotz einiger Krisenstaffeln (bestes Beispiel: Big Brother – Das Dorf) kommt doch – obschon ich mir zum Ende jeder Staffel bislang dachte, das muss doch langsam die letzte gewesen sein – immer wieder die nächste, vermeindlich letzte Staffel. Überraschend vor allem unter dem Gesichtspunkt, dass die Einnahmequellen immer deutlicher optimiert werden, was ich schon als Indiz für fehlende Rentabilität sehe. Beispiel die Telefonvotings: Anfangs konnte man immer nur für den Kandidaten anrufen, den man aus dem Haus wählen wollte. Mittlerweile sieht das anders aus: In den Pränominierungswochen kann man seinen Favoriten schützen, in den Nominierungswochen dann neben der Raus-Stimme auch noch für all diejenigen anrufen, die man lieber im Haus sehen will, um die Verhältnisse zu verschieben.

Ein anderes Beispiel, das ich schon thematisiert hatte, ist die zunehmende ‚Verekeligung‘ der Matches und persönlichen Herausforderungen: Big Brother neigt mittlerweile zum Dschungelcamp ohne Dschungel. Von Pansensuppe über Mäuseschwänzchen und tote Fliegen bis hin zu Drinks, bei denen sich die Teilnehmer vor laufender Kamera übergeben mussten, war alles dabei. Matches beinhalten zunehmend animalisches: Vogelspinnen im Gesicht, Baden in Kakerlaken oder Kopf in Heuschreckenkäfig stecken. Alles in Allem, im Gegensatz zu seinen Anfangstagen entwickelt sich Big Brother zum Ekelfernsehen, dessen Beliebtheit nur von der perversen Freude des modernen Menschen an der Demütigung anderer teilhaben zu dürfen herrührt. Das gleiche Prinzip, auf dem auch das Dschungelcamp aufgebaut ist. Ganz unweigerlich stellt sich die Frage, was für Menschen sich überhaupt auf sowas einlassen?

Interessant scheint mir auch, dass (meines Wissens, man möge mich korrigieren) in der laufenden Staffel 8 zum ersten Mal schon Wochen vor dem Finale für die kommende Staffel 9 geworben wird. Scheinbar gehen RTL II resp. Endemol die Bewerbungen aus – oder nur von Charakteren, die eine strategisch möglichst sinnvolle Zusammensetzung der Bewohner zulassen? Allerdings kann man das auf die Zukunft gesehen auch eher vernachlässigen. Wer weiß, ob Endemol in 5 Jahren überhaupt noch casten muss. Vielleicht reicht dann auch ein kurzer Anruf beim Bundesministerium des Inneren und anstelle von ‚Big Brother – Das Dorf‘ kommt halt ‚Big Brother – Das Land‘.

No Angels oder No Talents?

Sonntag, 25. Mai 2008

Ich muss zu meiner Schande zugeben, gestern habe ich zum erstem Mal, seit damals Stefan Raab für Deutschland angetreten ist, die Grand Prix – oder Neudeutsch Eurovision Song Contest – gesehen und, tut mir Leid, ihr No Angels Fans all over the country, es war eine Schande. Gut, bei den restlichen Beiträgen war auch so einiges dabei, was sich mehr durch tiefe Ausschnitte und den entsprechend bewegungsfreundlichen Vorbau ausgezeichnet hat, als durch musikalisches Talent, aber was die No Angels abgeliefert haben, war ja nun wirklich unter aller Kanone.

Die Outfits merkwürdig und keineswegs konkurrenzfähig für so manch lasziven Minirock, der Gesang eine Beleidigung für alle Gehörgänge der Nation. Ich hatte den Eindruck, dass sie maximal jeden dritten Ton getroffen haben. Offensichtlich stehe ich mit dem Eindruck auch nicht alleine da, wie man etwa bei Stefan Niggemeier und Anne lesen kann. Insofern passt der letzte Platz, den wir uns mit Polen und den UK teilen doch ganz gut, obwohl ich uns eigentlich lieber alleine auf dem Letzten gesehen hätte. Naja, die Bulgaren haben’s dank Lucy verbockt.

Was ich an der ganzen Misere aber noch am lustigsten fand, war das Statement, das die Angels ganz zum Schluss der Pauli-Party gegenüber Thomas Hermanns gegeben haben. Den Wortlaut habe ich leider, leider, leider nicht mitgeschnitten, aber es lief in etwa darauf hinaus, dass sie weder wirklich deprimiert, noch ein schlechtes Gewissen haben. Warum? Weil man das erst sein bzw. haben müsste, wenn choreografisch oder gesanglich was schief gegangen wäre. Ihrem subjektiven Empfinden nach war ihre Show spitze. Also doch die No Talents.

Wie das Fernsehen den Kampf gegen den Terror verniedlicht

Freitag, 16. Mai 2008

Es ist schon interessant, wenn man sich die Wandlung der Themen von Fernsehserien betrachtet. Der amerikanische Markt ist natürlich auch hier Vorreiter, mittlerweile haben aber auch deutsche Produktionen nachgezogen. Auch wenn man den Ursprung wohl nicht 9/11 zurechnen kann, so passte das Timing doch optimal und jedenfalls inhaltlich hat sich seit 9/11 einiges verändert. Fernsehserien behandeln zunehmend das Thema Terrorismus und vermitteln weltfremd deutlich, wie sinnvoll die immer zunehmendere Einschränkung von Freiheitsrechten ist, auf der anderen Seite wie präsent man sich seine Angst vor Terroranschlägen im Hinterkopf behalten muss.

Den Anfang machte, pünktlich nach 9/11, die Serie 24 mit Kiefer Sutherland. Hier kann man aber den Vorwurf, sie würde gezielt den Kampf gegen den Terrorismus legitimieren, aus mehreren Gründen noch nicht machen. Zum Einen wurde sie vor 9/11 gedreht, die politische Brisanz des Themas war also noch nicht absehbar. Zum Anderen werden die Antiterror-Einheiten – in der Serie die CTU – nicht unbedingt in ein besonders gutes Licht gerückt: Gegenstand der Staffeln ist jeweils ein geplanter Anschlag oder ein Attentat, dass die CTU, insbesondere Jack Bauer (Kiefer Sutherland) mit sprichwörtlich allen Mitteln zu verhindert versucht. Dabei wird vor Folterverhören nicht zurück geschreckt. Letztendlich zeichnet die Serie dadurch kein besonders positives Bild von dem fiktiven Inlandsgeheimdienst CTU.

Eine weitere Serie, Threat Matrix – Alarmstufe Rot, läuft kommenden Donnerstag im deutschen Fernsehen an. Über die Umsetzung des inhaltlichen Gegenstandes kann ich daher noch nicht viel sagen, allerdings kann man wohl das übliche erwarten. Im Mittelpunkt steht die amerikanische Homeland Security bzw. eine Spezialeinheit, die Bedrohungslagen im In- und Ausland beseitigt.

Das letzte amerikanische Beispiel – um den Rahmen nicht zu sprengen – ist die Serie E-Ring – Military Minds. Die Serie wurde ab 2005 in Amerika ausgestrahlt. Im Zentrum steht eine Abteilung des Pentagons, die sich mit Spezialoperationen befasst – meist solche, die in irgendeiner Form mit Terrorismus zusammen hängen. Soweit ich die Serie gesehen habe, stellt sie den Kampf gegen den Terror, im Gegensatz zu 24, relativ patriotisch dar. Die entsprechende Abteilung im Pentagon, bzw. das komplette Pentagon, sind die Guten, Terroristen sind die Bösen – einfach Schwarz-Weiß-Malerei.

Gut, vom amerikanischen Fernsehen nebst Hollywood ist man gewohnt, dass man sich erstens politisches Geschehen zum Inhalt nimmt, zweitens das dann meist mit übertriebenem Patriotismus umsetzt und drittens Lobbyismus so groß geschrieben wird, dass politische Vorhaben, die man eigentlich kritisch betrachten müsste, über die Medien schmackhaft gemacht werden. Realistischer kann man sagen, im betrachteten Themenkomplex internationaler Terrorismus treten die Unterhaltungsmedien überwiegend für zwei Zwecke ein:

  1. Permanente Vermittlung eines Unsicherheitsgefühles. Jeder kann jederzeit und an jedem Ort von einem gewaltigen, terroristischen Anschlag betroffen werden. Es gibt keine Sicherheit. Diese Strategie wird von der US-Regierung nachgewiesenermaßen seit 9/11 besonders durch regelmäßige Geheimdienstberichte über Bedrohungslagen im Inland und die damit verbundenen Anhebungen der Sicherheitsstufe gefahren. In den Unterhaltungsmedien wird sie fortgesetzt.
  2. Ausschließlich US-Behörden mit entsprechenden, durchaus auch menschenunwürdigen, Befugnissen sind in der Lage, die Bedrohung abzuwenden. Ein Beispiel, das in diesem Rahmen häufig in Serien auftaucht, ist der äußerst umstrittene USA PATRIOT Act.

Wie schon erwähnt, diese Einmischung der Unterhaltungsmedien in politisch umstrittenes Geschehen ist nicht neu. Die gab es durchaus auch schon vor 9/11. Allerdings sehe ich sie seit 9/11 deutlich zielgerichteter und wesentlich undifferenzierter; darin liegt das größere Problem. Nicht die Existenz, sondern die Art der Existenz ist die Crux. Interessant an fast allen amerikanischen Serien auf diesem Feld, auch den nicht aufgeführten, ist allerdings, dass die deutliche Mehrheit schon nach kurzer Zeit wieder abgesetzt wurden – 24 ist auch hier eine Ausnahme.

In Deutschland fiel mir bislang keine TV-Serie ein, die forciert in solche Richtungen ging. Sicherlich, auch hier beschäftigen sich immer mal wieder Serien mit bestimmten, aber eher tagespolitischen, Ereignissen. Sie waren aber, soweit ich mich erinnern kann, nie explizit auf genau ein politisches Reizthema ausgelegt. Die, seit einiger Zeit auf Sat 1 laufende, Serie GSG 9 – Ihr Einsatz ist ihr Leben ist daher in meinen Augen eine Novelle, die ich sehr kritisch betrachte.

Wie der Name vermuten lässt, geht es um die deutsche Antiterror-Einheit GSG 9 der Bundespolizei. Allerdings geht die Serie das Thema in einer sehr amerikanisierten Art an (in Anbetracht der Tatsache, dass ich nicht jede Folge gesehen habe, bitte ich um Korrektur, falls ich mit meinem Eindruck falsch liegen sollte): Die permanente Bedrohungslage wird zwar nicht suggeriert, dafür werden Mittel eingesetzt, die teilweise in der aktuellen politischen Diskussion um das BKA-Gesetz gründen, teilweise gegen geltendes deutsches oder internationales Recht verstoßen. Beispiele wären, beide aus der gestern gezeigten Folge, für ersteres der gleichgültige Umgang mit unrechtmäßig erworbenem Überwachungsmaterial (Stichwort: Kernbereich persönlicher Lebensgestaltung), für zweiteres das illegale Eindringen in eine ausländische Botschaft zwecks Befreiung einer mutmaßlichen Geisel, die evtl. gefoltert wird.

In welche Richtung die Interessen dabei gelenkt werden, ist mir nicht ganz deutlich geworden; zwei mögliche Interpretationsformen bieten sich: Entweder prangern die Macher ebendiese Missstände, die es nachweislich in der deutschen Realität ja gibt, bewusst an und wollen aufzeigen, welche Problematik schon ohne weitere Befugnisse besteht. Oder, und das wäre der Weg, der mir keinesfalls schmecken würde, es wird nach amerikanischem Vorbild versucht deutlich zu machen, dass gewisse zusätzliche Befugnisse einfach notwendig sind, um die Bedrohungslagen zu lösen. Ein Indiz dafür könnte sein, dass die Bedrohungslagen letztendlich gelöst werden und die unrechtmäßig angewandten Methoden einen Beitrag zur Lösung geleistet haben. Da wäre evtl. die Meinung eines kundigeren Zuschauers der Serie interessant.

Fragwürdige Ehrung für Delling und Netzer

Sonntag, 27. April 2008

Ohje, es gibt wieder was. Die Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) hat ihren diesjährigen Medienpreis für Sprachkultur doch tatsächlich an das ARD-Sportmoderatoren-Duo Gerhard Delling und Günter Netzer verliehen, berichtet die Netzeitung. In der Begründung heißt es u.a.:

Das Gespann verstehe es, die Fußballgemeinde an den Fernsehschirmen «durch Diskussion zu informieren» und verbinde Sach- und Fachkunde mit geschliffenem Deutsch.

Ach so. Also das finde ich jetzt etwas merkwürdig. Ich erinnere mich dunkel an die vielen Spiele während der WM 2006 zurück, die die beiden uns geboten hatten. Und ebenso genau erinnere ich mich noch daran, dass alle, aber auch wirklich ausnahmslos alle, die ich diesbezüglich fragte, Delling und Netzer als die neuzeitliche Reinkarnation der Pest im Fußballgeschäft sahen, nicht wenige sogar extra umschalteten, wenn die beiden auf den Schirmen erschienen. Und mein Umgang pflegt eigentlich schon Freund des guten Deutsches zu sein.

Wer will denn die beiden noch sehen, wie sie sich in jedem Satz anfrotzeln? Und genau das soll jetzt ausschlaggebend für eine neue, besonders wertvolle Art der Sportberichterstattung sein? Na dann, in wenigen Monaten haben wir sie ja wieder. Was freu ich mich schon.

Late Night Shows – The Battle

Freitag, 25. April 2008

Da hat sich Sat 1 ja wieder einen geleistet. Man könnte meinen, sie sehen in ‚Schmidt und Pocher‘ eine Gefahr durch die öffentlich-rechtlichen Sender. Andererseits hatte man ja auch, seit Harald Schmidt von Sat 1 vergrault wurde, kein halbwegs brauchbares Late Night Show Format mehr im Programm. Vielleicht war das auch besser so, denn an den König der Late Night kommt sowieso keiner ran.

Kommen wir zu Niels Ruf. Wie könnte man seine Show am besten charakterisieren? 39% schlechte Witze, 40% dreckigster Sexismus, 5% unbekannte Gäste, 15% Klatschreiterei, für die die Medien über die Woche hinweg schon gerügt wurden, und tatsächlich 1% Witze, bei denen sich wenigstens die Mundwinkel regen. Alles in allem aber 100% manchomäßige, egozentrische Selbstdarstellung. Quasi noch schlimmer, als Oliver Pocher bei Schmidt und Pocher, mit der Ausnahme, dass dessen Witze größtenteils noch geschmackloser sind.

Da fragt man sich doch wirklich, wo denn der gute, alte Harald Schmidt geblieben ist? Tja, der versauert neben Pocher, lässt sich von selbem sein Image versauen und muss sich in jeder Sendung mindestens für ihn schämen, wenn nicht sogar entschuldigen. Der gute Mann, das ist er definitiv, hätte wohl doch lieber in seiner kreativen Pause bleiben sollen. Damals war sein Image wenigstens noch in Ordnung – auch wenn er für den Zustand heute wenig kann.

Abschließend muss ich hier doch einmal die Öffentlich-Rechtlichen rügen: Da zahle ich armer Student – Monatsbudget nach Miete und Nebenkosten ca. EUR 320,00 – im Quartal mehr als 50 Euro, mit dem dann so ein Scheiß produziert wird. Und das reicht ja noch nicht. Nein, das hochwertige Programm ist ja noch teurer, also soll zum nächsten Jahr wieder erhöht werden. Ich erinnere mich da dunkel an ein Diagramm über die Einnahmen der Sender, und zwar der Privaten durch Werbung und die der Öffentlich-Rechtlichen durch GEZ-Gebühr (LOS! Mahnt mich ab! ;-)) und Werbung: Die Öffentlich-Rechtlichen hatten weit mehr Mittel zur Verfügung.